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Technik, alter Freund!

Vermutlich verraten wir an dieser Stelle kein Geheimnis, wenn wir festhalten, dass Journalisten und Technik nicht unbedingt zwei Dinge sind, die auf Anhieb zusammen gehen. Man muss ja nicht gleich behaupten, dass Journalisten mit Technik auf Kriegsfuß stehen. Aber zumindest eines ist ein ehernes Gesetz aus der Zeit des analogen Journalismus: die Inhalte sind das eine. Die Technik ist das andere. Um das eine kümmern sich Journalisten, um das andere Menschen, die wir Journalisten der Einfachheit halber „Techniker“ nennen. Genau genommen beginnt da das Elend bereits, weil diese Menschen, die wir einfach mal in eine Sammelbegriff packen, alles Mögliche machen und mit „Techniker“ mit der Unzulänglichkeit beschrieben sind, die nur Ahnungslosen vorbehalten ist.

Diese Zeiten sind vorbei. Vermutlich waren Medien und Journalismus noch nie so technikgetrieben wie heute. Irgendwas passiert im Zeitalter der Digitalisierung ja immer. Und ehe man es sich versieht, gibt’s wieder irgendeine neue App, eine Technologie und manchmal sogar Hardware, die uns zahlreiche neue Möglichkeiten eröffnet.

Die Frage ist nur: Welche?

Möglich ist inzwischen jedenfalls so gut wie alles. Wir können vom Handy aus live in alle Welt streamen, wenn es in der Nähe ein halbwegs brauchbares WLAN gibt. Wir können ganze Filmbeiträge über unser Handy machen, wir können über soziale Netzwerke ständig irgendwas erzählen. Was wir damit dann streamen, filmen oder einfach nur erzählen, steht dann wieder auf einem ganz anderen Blatt. Und über allem steht die Frage: Will unser Leser, Hörer, Zuschauer, User das alles überhaupt sehen und wissen? Ein journalistischer Selbstzweck soll es ja nicht sein, was wir da gerade machen. Niemand hat etwas davon, wenn wir uns innerhalb des BR ganz doll über eine neue App freuen, mit der nur leider die Nutzer draußen nicht sehr viel anfangen können.

Fürs erste kann man also festhalten, dass sich der Job von Journalisten vor allem in einer Hinsicht massiv gewandelt hat: Wir müssen für die zahllosen technischen Möglichkeiten, die es inzwischen gibt, die passenden Inhalte suchen und machen (neuerdings sogar für Uhren, aber das ist wieder eine ganz andere Sache).

Technik treibt Journalismus

Wir haben uns da beim BR übrigens was Witziges einfallen lassen (bitte denken Sie sich bei diesem Satz einen halbwegs ironischen Unterton): Wir haben Journalisten, Designer, Entwickler und alles andere, was irgendwie zu einer App beitragen könnte, einfach an einen Tisch gesetzt. Genauer gesagt: an ziemlich viele Tische, weil an einem solchen Projekt etwas mehr als zwei oder drei Menschen beteiligt sind. Das klingt für einen Außenstehenden erstmal nach normal und vernünftig. In der Praxis ist das allerdings, siehe oben, noch immer ziemlich ungewöhnlich (und das keineswegs nur beim BR). Früher war das so: Entweder teilten die Journalisten den Kollegen der Technik mit, was sie gerne hätten. Oder die Technik teilte den Journalisten mit, dass es jetzt etwas Neues gibt und wie dieses Neue zu bedienen ist. Es wird Sie vermutlich nicht überraschen, dass bei diesen Konstrukten häufig eine der beiden beteiligten Seiten eher unzufrieden war.

Das also ist beim Projekt BR24 schon mal grundlegend anders. Was Ihnen als Nutzer ziemlich egal sein könnte, weil Sie ja letzten Endes einfach nur guten Journalismus auf einer einwandfrei funktionierenden App haben wollen – und es Sie deshalb vermutlich wenig interessiert, ob danach die Mitarbeiter des Anbieters nur noch schriftlich miteinander kommunizieren.

Tatsächlich aber machen wir das in erster Linie, weil wir denken, dass das Produkt, das wir Ihnen anbieten, am Ende besser wird. Weil es nur besser werden kann, wenn Journalisten die Technik eines Produktes verstehen. Und Techniker kapieren, was Journalisten warum machen und brauchen. Zumal beide Seiten ein Schicksal eint: Die technologischen Entwicklungen in der digitalen Welt gehen so rasend schnell, dass uns gar nichts anderes übrig bleibt, als uns permanent mit ihnen auseinanderzusetzen.

Die „Digitale Garage“

Und weil das so ist, gibt es beim BR eine Abteilung, die vermutlich die einzige Abteilung auf der Welt ist, die niemand Abteilung nennt. Weil sie irgendwie so gar nicht wie eine Abteilung aussieht und schon gar nicht so tickt. Stattdessen sind die rund 60 Menschen in der „digitalen Garage“ (offizieller Name: „Softwareentwicklung und Plattformen“) allesamt leidenschaftliche Entwickler, die neugierig sind auf das, was die Technik dem Journalismus noch alles ermöglichen wird. Ihr Chef, Mustafa Isik, ist einer, der auflebt, wenn es richtig komplex wird (außer beim Kaffee, da bevorzug er schnöden löslichen). Betriebssysteme für Handys gibt es jedes Jahr neu? Wunderbar! Die Geräte können immer mehr? Ein Traum! Nichts bleibt so wie es war? Großartig! Wahrscheinlich muss man so gepolt sein, wenn man einer Hauptabteilung vorsteht, die viel eher einem Start-Up ähnelt als einer wie auch immer gearteten „Abteilung“.

Für Mustafa Isik jedenfalls ist klar: Nichts bleibt so, wie es ist. Was genau die Digitalisierung am Ende bewirken und mit uns machen wird, weiß niemand so genau. Auch er nicht. Das Motto ist trotzdem klar: Umarme die Veränderung!

Von Christian Jakubetz am 1. Mai 2015 um 2:16 Uhr

2 KOMMENTARE

  1. avatar Klaus Ries sagt:

    Habt Ihr darüber nachgedacht Euch bei Google Now zu integrieren statt der traditionellen Pushs? Die nerven nämlich leicht ohne Ende.
    Oder aber über IFTTT eine Integration zu machen?
    Oder aber in das neue Nachrichtenangebot von Google das die Springerpresse gleich mal zurückgewiesen hat?
    Oder aber in soziale Netzwerke? Facebook? Google plus mit Collections?
    Ist alle nahe beieinander.

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