Nachrichten-Zukunft

Es ist nicht so ganz einfach, wenn man mal eben mit Markus Beckedahl über die Zukunft der Nachrichten im digitalen Zeitalter sprechen will. Dabei ist der Kopf hinter netzpolitik.org ein umgänglicher Mensch frei von allen Allüren. Trotzdem gibt es in den Tagen der #rp15 noch genügend andere, die mit Beckedahl sprechen wollen. Und Co-Veranstalter der drei Tage in Berlin ist er ja auch noch nebenher.

Man kennt Markus Beckedahl also und man muss dafür nicht mal ein Nerd sein, der sein Leben weitgehend in den Tiefen des Netzes verbringt. Kaum ein größeres Medium, dass ihn nicht schon mal portraitiert hätte, wenn man sich des Themas Netzpolitik annimmt. Schließlich ist der 38jährige einer von denen, die man etwas salopp als einen der Klassensprecher der Netzgemeinde bezeichnet. Und er ist einer von denen, die beispielhaft für eine Entwicklung in Medien und Kommunikation steht: Natürlich schreibt er schon auch mal ganz klassisch für die FAZ. Mit seinen knapp 200.000 Followern bei Twitter und seiner Seite „Netzpolitik.org“ erreicht er aber auch auf Kanälen eine enorme Reichweite, die man vor einigen Jahren noch kaum für relevant gehalten hätte.

Wenn man also so will, dann sind es eben auch die Beckedahls und Lobos dieser Welt, die den Journalismus im Allgemeinen und damit natürlich auch die öffentlich-rechtlichen Sender dazu bringen, sich ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen. Darüber, wie ein zeitgemäßer Journalismus in einer digitalen Gesellschaft auszusehen hat beispielsweise. Wie man Inhalte transportiert und – etwas weiter gefasst – wie der Begriff „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ in Zukunft zu definieren ist. Soll er wirklich bei Radio und Fernsehen und ein paar sendungsbegleitenden Inhalten enden? Und wie bekommt man es hin, im Zeitalter des andauernden Newsstreams Menschen mit den relevanten Dingen zu informieren und gleichzeitig dennoch dafür zu sorgen, dass sie nicht überfordert werden? Schließlich hat sich auch im und durch das Netz eines nicht geändert: Der Mensch kann nur eine bestimmte Menge von Informationen verarbeiten.
Es wäre also vergleichsweise einfach zu sagen: Dann soll sich jeder seine Nachrichten personalisieren und nur noch lesen, was für ihn relevant ist. Markus Beckedahl beispielsweise könnte auf Fußball in den Nachrichten jederzeit verzichten, so wie viele andere vermutlich auch. Was nur zu menschlich ist: Jeder Mensch hat Themen, die ihm schlichtweg egal sind, weswegen er sie schlicht und ergreifend ausblenden muss, weil, siehe oben: Irgendwann ist der Kopf voll.

Die Filter-Bubble

Allerdings: Was erst einmal so naheliegend klingt, kann auch Risiken bergen. Wer nämlich nur noch das konsumiert, was ihn interessiert, läuft möglicherweise auch Gefahr, andere wichtige Dinge auszublenden. Oder, leicht philosophisch gesprochen: die Welt nur noch so zu sehen, wie er sie sehen will. Dafür gibt es sogar einen Begriff: Filter bubble“ – also eine Blase, in der man lebt und die deshalb gefiltert ist, weil man eben nichts mehr durchlässt, was der eigenen Weltsicht widerspricht.

Dieses Dilemma sieht natürlich auch Beckedahl – dessen Wunsch danach, fußballfreie Nachrichten zu sehen, dennoch ungebrochen ist. Die Frage lautet also womöglich: Wie bekommt man es hin, Nachrichten anzubieten, die zwar eine Art „Kanon“ relevanter Dinge abbilden, dennoch aber gleichzeitig so viel Personalisierung zulassen, dass man dennoch nicht alles konsumieren muss, was einen nicht interessiert (im Falle Fußball wäre das ja auch eine lässliche Sünde).

Mobil, sozial, in Echtzeit

Klar ist aber auch: Der Konsum von Nachrichten wird sich massiv wandeln in den kommenden Jahren. Schon jetzt steigen die Zugriffe von mobilen Endgeräte aus massiv an. Das Smartphone gilt vielen Experten als das Device der Zukunft. Das ist, wenig überraschend, auch ein Grund für den BR, das Projekt BR24 an den Start zu bringen. Die Nachrichten der Zukunft haben möglicherweise ein völlig anderes Aussehen als das, das wir bisher kennen. Dass sie mobil konsumiert werden, zeichnet sich jetzt schon massiv ab. Dass soziale Netzwerke dabei eine zusätzliche große Rolle spielen werde ebenfalls.  Womöglich wird sich auch das ohnehin schon verschärfte Tempo, in dem Nachrichten inzwischen publiziert werden, nochmals erhöhen. Wenn also künftig Nachrichten mobil, sozial und nahezu in Echtzeit verbreitet und konsumiert werden, muss man dann nicht auch das Verständnis von „Rundfunk“ neu definieren? Ja, sagt auch Markus Beckedahl – und schränkt ein: Dafür seien die öffentlich-rechtlichen Sender – auch medienpolitisch – noch nicht aufgestellt.

Klar ist aber auch: Die Dinge werden sich ändern, vermutlich sehr schnell sogar. Fünf Jahre sind schließlich im digitalen Zeitalter eine kleine Ewigkeit.

Von Christian Jakubetz am 14. Mai 2015 um 12:00 Uhr

3 KOMMENTARE

  1. […] Da fordert einer, der sich für Meinungsfreiheit und Netzpolitik und all das einsetzt, eine Möglichkeit, dass Nachrichten personalisiert und individualisiert erscheinen. Wenn quasi irgendein Nutzer kein Interesse an Technik-Themen hat (was ja durchaus nachvollziehbar […]

  2. avatar chris sagt:

    die frequenz der news-veroeffentlichung steigt, aber nicht deren inhaltliche dichte und relevanz: immer schneller immer mehr das selbe. ich wunesche mir fuer die zukunft einen filter, der wiederholungsmuell beseitigt.

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Das wird – zugegeben – das größte Problem werden. Relevanz ist leider nicht immer sofort erkennbar…aber wir tun natürlich, was wir können. Und das Problem haben wir erkannt, klar.

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