Das ist der Gipfel!

Für ein paar Tage ist Bayern der Mittelpunkt der politischen Welt – und das ist zumindest für Journalisten gerade ein veritables Problem. Weil sich die Berichterstattung über ein Großereignis wie den G7-Gipfel und all seinen Begleitumständen im digitalen Zeitalter kaum mehr auf das klassische lineare Programm beschränken kann. Schon gleich gar nicht, wenn beim Treffen hochrangiger Staatschefs und den entsprechenden Protestveranstaltungen ständig Dinge passieren könnten, bei denen die Intervalle aus der früheren analogen Zeit heute wie eine kleine Ewigkeit wirken.

ichtet aktuell auf seiner Webseite mit einem Liveblog vom G7-Gipfel. Und das ist nur eine von vielen Möglichkeiten, mit denen User mittlerweile Informationen konsumieren. (Screenshot: BR.de/Nachrichten)
Der BR berichtet aktuell auf seiner Webseite mit einem Liveblog vom G7-Gipfel. Und das ist nur eine von vielen Möglichkeiten, mit denen User mittlerweile Informationen konsumieren. (Screenshot: BR.de/Nachrichten)

Mediennutzer sind, Sie verzeihen uns bitte diese offenen Worte, manchmal merkwürdige Wesen. Sie wollen alles und zwar am besten sofort, beklagen aber gerne auch mal die Hektik unserer Zeit und die Tatsache, dass man vor lauter Information manchmal gar nicht mehr mitkommt. Journalisten sind aber im Gegenzug ebenso merkwürdig: Sie beklagen, dass sie vom User förmlich zu diesem Echtzeitjournalismus gedrängt werden, bringen aber auf der anderen Seite nicht den Mumm auf, diesem User gelegentlich zu sagen, dass man für eine vernünftige Einordnung mancher Dinge auch mal ein bisschen Zeit brauchen könnte.

Aber es hilft ja alles nichts, zumal die technischen Möglichkeiten heute da sind. Und weil es ja auch ein zutiefst menschliches Bedürfnis ist, spannende und wichtige Dinge möglichst schnell zu erfahren – und nicht erst irgendwann, wenn ein Journalist oder sonstwer ausreichend darüber nachgedacht hat. Diese technischen Möglichkeiten sorgen aber auch noch für etwas anderes, was – zumindest uns Journalisten – erst wieder so richtig klar wird, wenn ein solches Großereignis wie der Gipfel ansteht: Es gibt inzwischen etliche „Übertragungswege“ – und es existieren mittlerweile etliche potenzielle Situationen, in denen Menschen Medien konsumieren. Leicht überspitzt ausgedrückt: Das ideale Medienangebot besteht aus einer Kombination, in der Menschen zu jeder Zeit auf jedem Kanal und jedem Endgerät Zugriff haben. Das ist, wenn man so will, die neue Anforderung an einen Begriff wie Grundversorgung. Schließlich sind Smartphones mittlerweile bald schon so verbreitet wie Fernseher oder Radios. Und zumindest theoretisch steckt ja in jedem Smartphone auch ein Fernseher und ein Radio, auch wenn das den meisten Usern gar nicht klar ist und Smartphones ja auch gar nicht wie Fernsehgeräte oder Radios genutzt werden und…ach, ist das alles kompliziert!

Dieser Gipfel ist also auch eine kleine Generalprobe für das Projekt BR 24. Weil die App mittlerweile in den Startlöchern steht, die Redaktion bereits arbeitet und wir jeden Tag ausprobieren, wie das werden könnte mit diesem kleinen Ding auf dem Smartphone. In den USA beispielsweise kommen 39 von 50 Usern auf einer Nachrichtenseite inzwischen über ein Smartphone oder ein Tablet und nicht mehr über stationäre Rechner. 58 Prozent der 30 bis 39jährigen gehen mobil ins Netz; bei den 14- bis 19jährigen sind es sogar 97 Prozent. Nun sind wir hier in Bayern und nicht in den USA. Aber vernünftige Zweifel daran, dass sich diese Zahlen auch bei uns diesen Werten annähern, gibt es nicht.

Also arbeiten wir daran, was sich ja auch anbietet, wenn man mal so etwas wie einen G7-Gipfel vor der Haustür hat. Beim nächsten Großereignis gibt es unsere App dann schon in den Stores, versprochen.

Muss ja nicht erst beim nächsten G7-Gipfel sein…

Von Christian Jakubetz am 6. Juni 2015 um 8:14 Uhr

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