Ahnungslos im Store-Land

Für das tiefere Verständnis des nun folgenden Beitrags muss der Autor zwei an sich unverzeihliche Sünden begehen: Erstens in die Ich-Form wechseln und zweitens ein paar Episoden aus dem eigenen Leben erzählen. Bevor Sie jetzt die Augen rollen und sich der nächsten Webseite zuwenden, bleiben Sie doch bitte noch einen Moment. Könnte sich lohnen …

Die Sache ist nämlich die: Ich arbeite seit nunmehr genau 29 Jahren als Journalist. In dieser Zeit hat sich vieles verändert, genau genommen sogar: alles. Und natürlich kann man nach beinahe drei Jahrzehnten auch mit gutem Gewissen von sich behaupten, dass es nicht mehr sehr viel gibt, was man noch nicht erlebt hätte. Trotzdem hält das Projekt BR24 gerade eine Premiere für mich bereit: Es ist das erste Mal, dass ich am Launch eines Projektes beteiligt bin und dem geneigten Publikum nicht präzise sagen kann, wann es eigentlich erscheint.

br24beta

Nein, nein, bitte jetzt keine insgeheimen Mutmaßungen darüber, wie unstrukturiert diese Herrschaften bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sind. Das liegt nicht an uns (ganz ehrlich nicht, das ist keine flache Ausrede), sondern an den App-Stores bei Apple und Google. Dort nämlich reichen wir unsere BR24-App ein. Dann wird sie geprüft,  da machen die Gewaltigen des Netzes keine Ausnahme zwischen uns und irgendeiner Klitsche. Nicht, dass der BR noch irgendwelchen Schweinskram veröffentlicht. Nachdem das nicht der Fall sein wird, sind wir guter Hoffnung, dass wir die Prüfung durch Google und Apple irgendwie bestehen werden. Aber wann das genau sein wird und ab welchem Tag genau man die App downloaden kann, das wissen nicht mal wir selbst. Und wir fürchten: Bei Apple und bei Google wissen sie es auch nicht so ganz genau.

Was bedeutet das jetzt konkret? Zum einen, dass wir Ihnen die Mitteilung, wann genau die App da ist, erst machen können, wenn sie da ist. Zweitens wäre es natürlich ein bisschen unbefriedigend, wenn wir jetzt sagen würden: Schauen wir mal, dann sehen wir es schon. Bisher also gehen wir davon aus, dass Ende Juni die App in beiden Stores erhältlich sein wird, vermutlich allerdings nicht zeitgleich (auch das haben wir leider nicht in der Hand). Wenn hier die Rede von zwei Stores ist, dann beantwortet sich übrigens eine ab und an gestellte Frage gleich mit: Nein, eine Version für Windows-Phones wird es vorläufig nicht geben.

So, und nach rund 400 Wörtern habe ich jetzt mal noch eine Premiere hinter mich gebracht: So umständlich habe ich den Start eines neuen Produkts wirklich noch nie erklären müssen…

Von Christian Jakubetz am 24. Juni 2015 um 7:28 Uhr

10 KOMMENTARE

  1. avatar Jan Minnesänger sagt:

    Schon etwas frustrierend, wenn man als öffentlich-rechtlicher Verwaltungsbeamter die Gestaltungshoheit verloren hat, oder?

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Ja, stimmt. Wir werden bei den Verhandlungen zum nächsten Rundfunkstaatsvertrag deshalb fordern, dass Apple und Google der ARD angegliedert werden.

  2. avatar Clemens sagt:

    Ihr schaltet den Link ja nicht frei, sondern prüft ihn ja nur, daher als kollegialen Hinweis:
    http://appreviewtimes.com/
    Ihr müsst zurzeit voraussichtlich ca. 10 Tage (Kalendertage) warten … 🙂
    Beste Grüße aus Mainz

  3. avatar Aus meinem Kochtopf sagt:

    Sehr schön erfasst.
    Wir kennen diese Erfahrung auch in unserem Haus.

    Gruß aus Nürnberg
    Peter G. Spandl

  4. avatar Hermann R. sagt:

    Schade dass bei der Entwicklung der App nur iOS und Android berücksichtigt wurden. Hat man übersehen, dass da ein großer Markt mit Windows 10, das ja bekannterweise in Bälde auf jedem Microsoft Gerät laufen wird, ausgelassen wird? Wer sich mal ein Windows Phone „antut“ wird nach anfänglichen Umstellungsschwierigkeiten merken, wie fortschrittlich das Konzept ist. Deshalb wird es sich auch durchsetzen. Ich hoffe, ich kann zukünftig die B24 App auch auf meinem Smartphone, auf meinem Laptop und auf meinem Surface nutzen.

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Die Frage nach Windows taucht, gemessen an der Verbreitung des Systems, erstaunlich oft auf 😉

      Aber sei´s drum: Also, wir haben bei der Entwicklung der App eine größtmögliche Abdeckung der potentiellen User im Blick gehabt. Dabei ist für uns nicht so wichtig gewesen, welche Zukunftsaussichten man einem Betriebssystem zuschreibt, zumal man da ja auch unterschiedlicher Meinung sein kann. Wichtig war für uns im ersten Schritt eine möglichst hohe Marktabdeckung und da spielt – sorry for that – Windows erstmal eine nur untergeordnete Rolle. Aber wir sagen ja nicht, dass es nie eine Windows-Version geben wird. Nur für den Einstieg sind iOS und Android nunmal das Maß aller Dinge…

  5. avatar Jürgen sagt:

    Guten Tag,

    also ich finde das schon erstaunlich wie Windowsnutzer als „untergeordnette Rolle“ abgetan werden – auch mein Geld fliesst in die Rundfnkgebühren!
    Schade BR – so ist es nicht gut!

    Gruß Jürgen

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Hallo Jürgen, bitte nicht missverstehen: Der BR will keineswegs Windows-User „abtun“ oder schlechter stellen. Aber Tatsache ist nun mal, dass der Markt der Betriebssysteme eindeutig von Android und iOS beherrscht wird und wir erst einmal schauen müssen, bei einem solchen Projekt eine größtmögliche Abdeckung zu schaffen. Was nicht bedeutet, dass das für alle Zeit so bleibt. Aber das ist überall auf der Welt so. Die Produkte für die Nische kommen später. Und noch ist Windows mobil eine Nische…

  6. avatar Manfred Härtl sagt:

    Ich finde es auch nicht gut, dass Windows Nutzer nicht berücksichtigt werden. Wir bezahlen auch unsere Rundfunkgebühren und haben damit auch die App finanziert. Es gibt jetzt Millionen Windows 10 Nutzer und dort kann man auch eine App installieren – muss nicht nur ein Handy sein. Ich benütze Windows 10 auf dem PC, auf dem Tablet und auf dem Smartphone. Meine Tochter und Ehefrau auch. Wir sind damit sehr zufrieden und es ist besser als Andoid – hatten wir vorher.

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