Ressorts: Wir nennen es Filter

Wie sehr soziale Netzwerke unser Leben und unsere Gewohnheiten verändern, merkt man spätestens dann, wenn man Nachrichten im Netz liest.

Wie bitte?

Ja, tatsächlich, das ist wohl so. Natürlich verändern soziale Netzwerke auch eine ganze Menge anderer Sachen im täglichen Leben. Aber die Art, wie wir Medien konsumieren, Nachrichten lesen, das verändert sich durch soziale Netzwerke gerade massiv. Das Gemeine daran: Wir merken das noch nicht mal so richtig. Dabei ist die Sache vergleichsweise einfach erklärt. In der guten alten Zeitung und auch noch auf sehr vielen Webseiten (br.de ist da keine Ausnahme) werden Nachrichten rubriziert. Sie werden eingeteilt in Ressorts. Wer also wissen will, was es im Sport Neues gibt, der schaut sinnigerweise nicht nur auf die Startseite, sondern auch im entsprechenden Ressort.

BR24_Rubriken_Navigation

Soziale Netzwerke haben dieses Prinzip aufgehoben. Sie sind per se anders aufgebaut, sie sind nichts anderes als ein fortwährender Nachrichten-Stream, der keinen Anfang und kein Ende hat. Und demzufolge auch keine Ressorts: Bei Facebook oder Twitter sucht man nach solchen Einordnungen vergebens.

Wenn man das nur lange genug macht, dann gewöhnt man sich daran. Dieses gelernte Verhalten sorgt dafür, dass man es potentiell auch woanders anwenden kann. Beispielsweise auch bei klassischen Nachrichenseiten. Die Debatte gibt es deshalb schon seit geraumer Zeit: Brauchen wir im (Netz-)Journalismus überhaupt noch Ressorts?

Natürlich gab es die Debatte bei der Entwicklung der BR24-App auch. Es gibt schließlich gute Gründe dafür, warum die Einteilung nach Ressorts über Jahrzehnte hinweg gut funktioniert hat. So wie es überhaupt für beide Varianten ganz gute Gründe gibt. Bei der App haben wir uns deshalb für ein herzhaftes „sowohl als auch“ entschieden.

Konkret heißt das: Als Standard-Einstellung erhalten Sie alle Meldungen, den kompletten Stream. Einziger Kriterium: Aktualität. Das heißt, die Beiträge werden so dargestellt, wie sie eingelaufen sind, in zeitlicher Reihenfolge sozusagen. Wem das zu viel ist, der kann in der Navigation einen Filter drüberlegen: „Das Wichtigste“ ist zum Beispiel ein solcher Filter. Oder Sport. Die klassischen Ressorts dann halt doch wieder.

Weil wir niemanden bevormunden wollen und weil uns natürlich klar ist, dass zu jeder Form des Journalismus auch die Möglichkeit der Selektion gehört. Trotzdem haben wir die Zahl der Filter und Ressorts bewusst gering gehalten. Damit der Blick auf das Wesentliche unverstellt bleibt und Sie als User sich nicht erst lange überlegen müssen, in welchem Ressort sich eine Meldung jetzt wohl befinden könnte. Schließlich geht es gerade bei einer App auf dem Smartphone in erster Linie um Schnelligkeit und Übersichtlichkeit.

Von Christian Jakubetz am 30. Juni 2015 um 10:25 Uhr

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