Die Kraft der Vielen…

Wer diese ganze Geschichte mit BR24 ein wenig mitverfolgt, der kann sich leicht ausrechnen: Das ist auch für den BR eine ziemlich neue Sache, die wir hier machen. Und zugegeben, manchmal fühlt es sich schon ein bisschen komisch an. Wenn man Jahrzehnte lang eine Rundfunk- und Fernsehanstalt war, dann ist es nicht so ganz einfach, wenn man plötzlich irgendwas mit Multimedia und ganz vielen Kanälen sein soll.

Bevor Sie sich jetzt amüsieren und sich denken, dass das diesen öffentlich-rechtlichen Rundfunkbeamten gleich sieht , dann überlegen Sie sich einfach für einen kurzen Moment, wie es wäre, wenn Sie, sagen wir, von Beruf Koch sind – und man sagt Ihnen auf einmal, dass Sie fortan auch für die artgerechte Aufzucht sowie das spätere Zerlegen Ihres Schweinebratens zuständig sind und sich außerdem noch gelegentlich ums Kellnern kümmern sollen. Danke sehr.

Aber wir schweifen gerade etwas ab und jammern wollen wir ja auch nicht. Tatsache ist jedenfalls, dass es eine einigermaßen große Truppe namens „Webaktualität“ schon seit geraumer Zeit gibt, die (Überraschung!) sich um alles kümmert, was irgendwie digital und aktuell ist. Oder überhaupt journalistisch. Also, die BR-Truppe für den digitalen Journalismus sozusagen. Dazu gehört natürlich auch die App von BR24 – und alles andere, was unter diesem Label jetzt schon firmiert und es in Zukunft noch tun wird.

Von der Radiofrau zur Vize-Digitalchefin

Auch für die stellv. Leiterin Gudrun Riedl hieß der Umbau erst einmal: Umstellung. Die gelernte Radiofrau findet es inzwischen aber spannend, in diesen digitalen Welten zu arbeiten; gemeinsam mit TV-Leuten, originären Onlinern oder auch Webdesignern. Die Abläufe und die Ergebnisse in der „Webaktualität“ nennt sie „überraschend gut“. Was man vermutlich nur dann richtig einschätzen kann, wenn man die Ahnung davon hat, wie strikt journalistische Tätigkeiten bis noch vor wenigen Jahren voneinander getrennt waren.

Aber natürlich hat der Umbau des BR zu einer trimedialen Informationseinheit nicht nur handwerkliche Aspekte. Und nicht nur wir Journalisten sind davon betroffen. Auch für den User ändert sich inzwischen einiges, auch wenn der darüber naturgemäß nicht ganz so viel nachdenkt wie wir das tun müssen. Trotzdem:  Die enormen Mengen an Information, die sozialen Netzwerke und die mobilen Endgeräte mit all ihren beinahe unendlichen Möglichkeiten lassen auch für den Nutzer als solchen gerade eine völlig neue Welt entstehen. Dazu gehört auch das Thema Interaktion. Der berühmte Satz von Paul Watzlawick, dass man nicht nicht kommunizieren könne, hatte vermutlich noch nie so viel Gültigkeit wie in diesem digitalen Zeitalter.

Für Gudrun Riedl spielt aber auch ein anderer Aspekt noch eine Rolle: Nicht jeder fühlt sich in der manchmal etwas ruppigen digitalen Welt sofort wohl. Dabei seien gerade die manchmal etwas empfindsamen Menschen diejenigen mit den interessantesten Ansichten – und die wolle man ganz gezielt dazu ermutigen, sich zu Wort zu melden.

Ob die Radiofrau Gudrun Riedl die alten Radiozeiten manchmal vermisst, habe ich sie dann nicht mehr gefragt. Warum auch? Sie kommen ja eh nicht mehr zurück. Und ein Zukunftsprojekt wie BR24 anzutreiben, ist ja jetzt auch nicht gerade der schlechteste aller Jobs.

Von Christian Jakubetz am 27. Juli 2015 um 3:03 Uhr

1 KOMMENTAR

  1. avatar Eva Corell sagt:

    Ich finde, Ihr macht das ganz gut. Für mich gehört der Blick auf die App jedenfalls schon zur täglichen Routine.

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