Medienzukunft, dringend gesucht

zukunft
So war es schon auch nett. Dumm nur, dass es so nicht mehr werden wird…(Foto: Jakubetz)

Ziemlich genau ein Vierteljahr lang gibt es jetzt dieses Blog. Keine Sorge, jetzt kommt nichts in der Art von „Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen“ oder sowas. Nicht mal ein schnöder Dank an Sie, die Sie bisher als Leser durchgehalten haben, ist drin (wir wollen ja nicht nach ein paar Wochen gleich pathetisch werden).

Weswegen dieser Beitrag dennoch mit dieser Plattitüde eingeleitet wird, hat natürlich einen Grund. In diesem Fall den, dass dieses Projekt BR24 ja irgendwann mal mehr sein soll als „nur“ eine App und ein paar neue Social-Media-Auftritte. Mittelfristig müssen wir uns auch Gedanken darüber machen, wie Journalismus im BR generell aussehen soll. Wir sind zwar weder Propheten noch sonstwie hellseherisch veranlagt, aber zumindest haben wir eine Ahnung, dass es irgendwann schon ziemlich bald nicht mehr so weitergehen wird wie bisher.

Nicht, dass wir den Journalismus, wie er sich über viele Jahrzehnte dargestellt hat, plötzlich blöd fänden. Oder dass wir auf einmal in die Midlife-Crisis kommen und mit Brachialgewalt irgendwas anderes machen wollen, was irgendwie hip ist. Es ist, wir geben es gerne zu, einfach eine Notwendigkeit. Würden wir darauf beharren, dass Fernsehen und Radio in Zukunft genauso auszusehen haben, wie das bisher der Fall ist, dann ist das in etwa so, als würde VW immer noch den guten, alten Käfer bauen. Der ist zwar immer noch irre toll und wenn man mal noch einen auf der Straße sieht, dreht man sich auch immer danach um. Dauerhaft fahren wollen würde man ihn aber trotzdem nicht mehr.

Auf der Suche nach so etwas wie Zukunft

Klar, richtig cool wäre es, wenn wir uns jetzt vor Sie hinstellen und sagen könnten: Warten Sie mal bitte noch ein paar Wochen, wir schrauben gerade die Zukunft des Journalismus zusammen. Natürlich schrauben wir gerade. Ganz gewaltig sogar. Es gibt auch konkrete Ideen und Pläne. Was gar nicht anders geht, wenn der Umbau und der Umzug des Senders in ein trimediales Zentrum nach Freimann irgendeinen Sinn machen soll. Aber den digitalen Journalismus der Zukunft zu entwickeln, das hat immer auch sehr viel mit Ausprobieren zu tun. Das ist auch für den BR ein Paradigmenwechsel, weil wir ja bisher eher nach der Maxime vorgegangen sind, ein Produkt, eine Sendung, einen Beitrag erst dann zu veröffentlichen, wenn er auch wirklich fertig ist. Der Begriff „fertig“ ist allerdings im digitalen Zeitalter leider nur noch von theoretischer Bedeutung.

Das heißt: In diesem Blog wird es in nächster Zeit natürlich auch weiter um BR 24 gehen. Aber nicht mehr ausschließlich. Die journalistische Zukunft wird schließlich (und Gottseidank) nicht nur in einer App und bei Facebook verhandelt. Zur  Entwicklung dieser journalistischen Zukunft gehört schließlich auch noch jemand anderes – und niemand ist wichtiger: Sie als unsere Zuschauer und Hörer und User. Auch das ist ein Grund für dieses Blog. Wenn Sie also ein paar Ideen und Anregungen und Kritikpunkte bei dieser Suche nach der journalistischen Zukunft haben, freuen wir uns, wenn Sie dabei sind. Gerne unter beta@br24.de, hier in den Kommentaren oder in den diversen sozialen Netzwerken.

Von Christian Jakubetz am 2. August 2015 um 1:28 Uhr

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