WhatsApp: Reine Privatsache?

Glaubt man ungefähr jedem halbwegs ernstzunehmendem Medienwissenschaftler, dann steht die nächste Änderung im Nutzerverhalten schon wieder unmittelbar bevor. Wenn sie nicht schon längst Realität ist. Demnach wären Netzwerke wie „Facebook“ eigentlich schon wieder eine Sache von gestern (was schade ist, wir haben uns gerade erst so halbwegs an sie gewöhnt). Weil die Nutzer der Zukunft nicht mehr unbedingt alles an die ganz große Glocke hängen und alle Welt an ihrem Leben teilhaben lassen wollen. Deswegen, so schreibt beispielsweise das renommierte „Nieman Lab“, spielen Tools wie „WhatsApp“ demnächst eine noch viel größere Rolle als wie sie das jetzt ohnehin schon tun.

messenger
Überall auf dem Vormarsch: Messenger sind inzwischen so bedeutend wie soziale Netzwerke.

Klare Sache, hat man sich dabei in etlichen Redaktionen gedacht, da müssen wir dann natürlich auch hin. Kollegen der BBC oder des Schweizer Fernsehens experimentieren mit eigenen „WhatsApp“-Kanälen herum, auch der BR hat beispielsweise bei „Bayern 3“ oder auch im Studio Franken Erfahrungen damit gemacht.

Trotzdem bleibt eine Grundsatzfrage, die man sich bei der Entwicklung eines Projekts bei BR24 stellen muss: Gehören wir da auch hin? Bevor jetzt alles laut „Natürlich!“ rufen – ganz so einfach ist die Sache dann doch wieder nicht. Weil eine Frage bisher noch nicht wirklich zufrieden stellend beantwortet ist: Will man in einem Kanal, in dem man sich in allererster Linie privat unterhält, wirklich mit harten Nachrichten bespielt werden? Und wäre es nicht ein unzulässiges Eindringen in einen privaten Bereich, wenn dort der BR plötzlich Nachrichten pusht?

Diese Bedenken hatten andere natürlich auch schon. Die Kollegen des „Standard“ in Wien beispielsweise schrieben in ihrer Mitteilung zur Einführung des neuen Dienstes, sie würden nicht mehr als maximal drei Nachrichten am Tag schicken – und natürlich nur wirklich Wichtiges. Die Befürchtung, den Nutzer zu nerven, klang mehr als deutlich durch zwischen den Zeilen.

Nun ließe sich einwenden: Niemand wird ja gezwungen, ein Abo eines solchen Dienstes ist  freiwillig. Trotzdem – geht die Frage an die verehrte Userschaft: BR24 auch in Messenger – wäre das etwas, was wir weiterverfolgen sollten? Beiträge wie immer gerne in den Kommentaren, in den sozialen Netzwerken oder unter beta@br24.de.

Von Christian Jakubetz am 20. August 2015 um 5:43 Uhr

2 KOMMENTARE

  1. avatar Thomas Stock sagt:

    Welche Nachrichten sollen das denn sein? In der Tat: der Nutzwert muss schon außerordentlich hoch sein, bevor man News via WhatsApp abonniert. Eben weil über WhatsApp in erster Linie privat „One-to-One“ oder in einer eine kleinen Gruppe kommuniziert wird.

    Erfolgreich wurde WhatsApp für kommunikative Zwecke eigentlich immer dann eingesetzt, wenn es sich um eine begrenzte Aktion handelte (Heilbronner Stimme). Oder wenn der Kanal in der bestimmten Lebenssituation besonderen Nutzen verhieß (z.B. persönliche Beratung). Auch bei besonderen Umständen (Katastrophen-Fall) könnte WhatsApp nützliche Dienste leisten.

    Als Kanal für die Regelkommunikation ist WhatsApp m.E. aber nicht geeignet.

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Also, wenn ich das richtig verstehe: Eventbezogen? Nur in Einzelfällen, aber nicht als dauerhafte Einrichtung?

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