Warum wir stolz auf Bayern sind…

In diesem Blog ist – notwendigerweise – viel die Rede von der App von BR24. Klar, sie ist ja schließlich das Herzstück des Projekts. Man kann allerdings nicht richtig gut von neuen journalistischen Wegen reden, ohne nicht auch einen klaren Fokus auf das Thema „soziale Netzwerke“ zu legen. Und weil das bisher auf dieser kleinen Seite ein bisschen arg wenig der Fall war, nutzen wir doch mal die Tatsache, dass es Sonntag ist und sich an einem solchen Tag ja auch mal entspannter plaudern lässt…noch dazu an einem, an dem Bayern unter dem Eindruck von Nachrichten steht, die man nicht so ganz emotionslos hinnehmen kann.

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Reden wir also darüber, dass das mit den sozialen Netzwerken so eine Sache ist, zumindest dann, wenn man es richtig machen will. „Richtig machen“ bedeutet in diesem Fall natürlich mehr, als dass man eine Facebook-Seite unterhält, auf der man wahlweise Links zu neuen Beiträgen oder irgendwelches vermeintlich lustiges Geplapper los wird. Soziale Netzwerke sind zumindest in dieser regen Ausprägung für den Journalismus immer noch etwas Neues. Und zugegeben: Für den BR als öffentlich-rechtlicher Sender gilt das ganz besonders.  Schließlich stand in den Aufgabenstellungen eines solchen öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den Gründerzeiten der Bundesrepublik noch nichts darüber, wie man sich in einem solchen Netzwerk zu verhalten hat. Genau genommen stand da nicht mal, dass wir uns da aufhalten sollen.

Was wir natürlich müssen. In unserer Bezeichnung steckt ja schließlich vor allem auch der Begriff „öffentlich“. Da wäre es ziemlich unsinnig, nicht dort vertreten zu sein, wo sich ein beträchtlicher Teil der (digitalen) Öffentlichkeit aufhält. Zumal wir ja nun auch nicht völlig naiv sind und wissen: Die Zeiten, in denen diese Öffentlichkeit ihre Neuigkeiten um 20 Uhr aus der „Tagesschau“ oder aus TV und Radio des BR bezieht, sind vorbei. Soziale Netzwerke sind eben auch zu Nachrichtenplattformen geworden. Dass Facebook und Co. ihre Nachrichten nicht selber machen, sondern letztendlich aus den dort gerosteten Inhalten beziehen, ist auch klar. Also sind wir da. Da wo sich die Menschen virtuell treffen und natürlich auch den Anspruch haben, all das mitzubekommen, was wahlweise in der Welt oder eben auch in ihrem ganz persönlichen Umfeld wichtig ist.

Der eine oder andere wird es mitbekommen haben: Für BR24 gibt es eine eigene Facebook-Seite und beinahe wäre man geneigt, diese Feststellung mit dem Attribut „selbstverständlich“ zu versehen. Natürlich machen wir dort das, was man im weitesten Sinne als „Nachrichten“ bezeichnet. Trotzdem ist die BR24-Seite bei Facebook (ebenfalls selbstverständlich!) nicht einfach ein Nachrichten-Kanal. Es gibt dort viele Dinge, die im Fernsehen nicht wirklich funktionieren würden, weil TV einfach ein anderes Medium ist.

Wir haben beispielsweise heute dort einen 80-Sekünder gepostet. Einen, in dem einfach die berührenden Bilder der letzten Tage von der Ankunft der Flüchtlinge auf dem Münchner Hauptbahnhof zu sehen sind. Ohne Kommentare, ohne Off-Texte. Ohne all das, worauf ein klassischer TV-Beitrag nicht verzichten kann. Aber das hier ist eben kein Fernsehen, das hier ist das Netz. Und über 500 Likes in wenigen Stunden, etliche tausend Abrufe zeigen: Man kann auch ohne das ganze TV-Gedöns ganz wunderbar Informationen und Emotionen transportieren.

Und ja, speziell in diesem Posting haben wir etwas getan, was in einem Nachrichten-Format ebenfalls nicht denkbar wäre. Wir haben ganz subjektiv Stellung bezogen. Nämlich so:

„An alle: Freiwilligen Helfer, Polizisten, Busfahrer, Bahnbeamte, Sanitäter, Spender, Ärzte, Sicherheitsleute und und und … Einfach mal von Herzen: Dankeschön für Ihren grandiosen Einsatz!“

Nein, das ist natürlich nicht „journalistisch“. Zumindest nicht, wenn man die strengen und klassischen Regeln anlegt. Aber in einem sozialen Netzwerk geht es eben nicht immer journalistisch zu. Und eine Gefühlslage auszudrücken, die eine Redaktion ebenso bewegt wie wahrscheinlich eine überwältigend große Mehrheit von Zuschauern, das kann man auf einer Facebook-Seite nicht nur – man muss es womöglich sogar ab und zu mal.

Von Christian Jakubetz am 6. September 2015 um 5:44 Uhr

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