Was mit Fernsehen…

Ganz ehrlich, es war schön mal einfacher, das Berufsbild von jemandem zu bezeichnen, der irgendwas mit Fernsehen zu tun hat. Man macht halt „Fernsehen“ und im Regelfall konnte man davon ausgehen, dass jemand, dem man das als Berufsbezeichnung hingeworfen hatte, im Groben wusste, um was es dabei gehen könnte.

Bisher.

Klassisches Fernsehen ist zwar technisch komplex, aber einfach zu erklären und zu verteilen. Neues Bewegtbild ist technisch einfach, aber sehr viel komplexer zu erklären und zu verteilen...(Foto: Jakubetz)
Klassisches Fernsehen ist zwar technisch komplex, aber einfach zu erklären und zu verteilen. Neues Bewegtbild ist technisch einfach, aber sehr viel komplexer zu erklären und zu verteilen…(Foto: Jakubetz)

Inzwischen ist die Sache nicht mehr ganz so einfach. Natürlich macht der BR auch in Tagen des digitalen Medienwandels immer noch klassisches TV. Daran wird sich, dem einen oder anderen Unkenruf zum Trotz, auf absehbare Zeit nichts ändern. Schließlich gibt es nach wie vor kein Medium, dass die Reichweite und die Nutzungszeit des Fernsehens erreicht.

Aber natürlich ist die Sache nicht ganz so einfach wie man jetzt denken könnte. Aus mehreren Gründen. Einer davon ist auf den ersten Blick paradox: Die Nutzung und die Popularität von Bewegtbild im Netz steigen zwar weiterhin rasant an. Aber: Bewegtbild ist im Zeitalter der digitalen Zersplitterung nicht einfach Bewegtbild. Was wiederum bedeutet, dass wir nicht mal eben Beträge aus dem Fernsehen nehmen und dann nochmal auf digitale Kanäle kopieren können.

Aus einem einfachen Grund: Fernsehen ist nicht YouTube, YouTube ist nicht Facebook, Facebook ist nicht Instagram und Instagram ist nicht Twitter. Genau genommen ist kein Kanal wie jeder andere, weswegen es auch bei der Verteilung und Produktion von Bewegtbild eine gute Idee wäre, sich für jeden Kanal den passenden Inhalt einfallen zu lassen.

Zwei Trends, die sich auf den ersten Blick ausschließen

Aber schauen wir erst einmal auf die Zahlen, die tns-Infratest jetzt vorgelegt hat. Demnach gibt es zwei Trends, die sich auf den ersten Blick ausschließen. Oder zumindest auf den ersten Blick nicht richtig zusammen passen wollen. Der eine: Fernsehen ist bleibt wie eh und je und wird (fast) so viel genutzt wie früher. Der andere: Videonutzung im Web wird immer populärer. Auch die Formate, die mit klassischem TV fast nichts zu tun haben. In Zahlen gepackt sieht das dann so aus:

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Quelle/Grafik: tns-infratest

Konkret: Im Gesamtpublikum beträgt der zeitliche Anteil der Videonutzung im Netz inzwischen 17 Prozent. Im Jahr zuvor waren es noch 12 Prozent. Noch deutlicher wird der Trend, wenn man nur die Altersgruppe zwischen 14 und 29 rausnimmt. Dann liegt der Anteil schon bei 24 Prozent. Muss man sich nochmal vor Augen führen: In dieser Altersgruppe wird ein Viertel der Onlinezeit mit Videos und anderem Bewegtbild verbracht. Auffällig ist in diesem Kontext zwar auch, dass die Videonutzung auch eine Sache des Alters ist – je jünger, desto mehr. Trotzdem ist zumindest klar: Videos spielen im Netz eine immer größere Rolle.

Und das Fernsehen? Ist nach wie vor so beliebt und wichtig, dass es unsinnig wäre, würde man jetzt alle Energien auf bewegtes Bild im Netz setzen. Obschon es auch da einen eindeutigen Trend gibt. Das ältere Publikum mag nach wie vor die lineare Nutzung des klassischen TV, das jüngere Publikum steht zwar ebenfalls auf Bewegtbild-Inhalte, weniger aber auf die lineare Nutzung. In Zahlen und Grafiken sieht das dann so aus:

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Quelle/Grafk: tns-Infratest

Einfach gesagt: Die Gesamt-Sehdauer von Fernsehen ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr nur minimal – um zwei Minuten pro Tag – zurückgegangen. Bei den 30-49Jährigen ist sie sogar gestiegen. Das aber wiederum bedeutet, dass die Verluste vor allem auf die Kappe des jüngeren Publikums gehen. Und tatsächlich: Rund 11 Minuten weniger als im Vorjahr stehen dort zu Buche. Gleichzeitig, und das zeigt den Trend dann doch überdeutlich, hat sich die Zeit für Videos über das Netz bei dieser Zielgruppe nahezu verdoppelt. Was sich auf einen Nenner bringen lässt: Junges Publikum mag unverändert gerne das bewegte Bild – nur die Kanäle und auch die Art der Nutzung verändern sich.

Das heißt, eigentlich ist diese Schlussfolgerung nicht so ganz richtig.  Weil, siehe oben, Bewegtbild eben nicht einfach Bewegtbild ist.

Was also heißt das künftig für einen Fernsehsender? Und was ist das in Zukunft überhaupt noch, dieses „Fernsehen“? Müsste man sich nicht darauf einigen, dass es der Auftrag des öffentlich-rechtlichen TV einfach sein müsste, den Beitragszahler mit Bewegtbild zu versorgen? Ist es wirklich nur dann „Fernsehen“, wenn es ein Programmschema gibt?

Das sind schon mal eine Menge eher theoretischer Fragen. Inhaltliche kommen dazu. Beispielsweise so simple wie die, was zum Teufel man eigentlich überhaupt sinnvoll erzählen kann in einem 15-Sekünder bei Instagram. Oder die nach Sinn und Zweck von Apps, mit denen man live irgendwas ins Netz streamen kann.

 

Natürlich findet Bewegtbild auch auf unserer App statt. Alles andere wäre ja widersinnig. Bisher handelt es sich dabei um Beiträge aus den Fernseh-Nachrichten. In diesen Tagen kommen aber auch die BR24-Köpfe hinzu. Und andere Dinge womöglich auch. Solche, über die wir momentan noch nachdenken…

Von Christian Jakubetz am 15. September 2015 um 11:03 Uhr

1 KOMMENTAR

  1. avatar Christian sagt:

    „Solche, über die wir momentan noch nachdenken…“….genau, Christian. Da freue ich mich drauf, denn wenn man die Nutzer von Bewegtbild-Inhalten befragt, WAS sie dort sehen möchten, dann wächst unsere To-Do-List ordentlich…und womit? Mit Recht! 😉

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