Wir machen mobil

Immer, wenn ich mir und anderen vor Augen führen will, wie rasant die Entwicklung des Themas „Mobile“ gegangen ist, dann frage ich gerne, wie viele Fotos eigentlich bei der Sommermärchen-WM 2006 in Deutschland mit dem iPhone gemacht wurden. Als Antworten habe ich schon die abenteuerlichsten Schätzungen erhalten, ganz selten aber die korrekte Antwort: kein einziges. Weil es 2006 noch gar kein iPhone gab.

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Die Welt, ein Smartphone…(Foto: Jakubetz)

Es sind also gerade mal acht Jahre vergangen, seit sich diese neue Gerätegattung Smartphone entwickelt hat. Zugegeben, im Zeitalter der Digitalisierung sind acht Jahre eine Ewigkeit. Aber weil wir als Menschen ja gottlob in anderen Kategorien denken und fühlen, muss man nochmal festhalten: acht Jahre, gerade mal ganze acht Jahre. Und trotzdem aber auch: acht Jahre, die alles verändert haben. Natürlich auch für uns Journalisten, aber auch für ungefähr jeden anderen. Glauben Sie nicht? Dann gehen Sie doch einfach mal an eine Bushaltestelle oder einen Bahnhof Ihrer Wahl und schauen dort, was die Menschen so machen. Und wenn Sie es dann immer noch glauben, dann versuchen Sie doch mal, einen kompletten Tag auf dieses kleine Ding zu verzichten, dass jetzt im Moment garantiert irgendwo in Ihrer Nähe rumliegt (wenn Sie es nicht eh gerade in der Hand haben).

Natürlich muss man sich dann auch mal Gedanken über Journalismus und Medien für diese Smartphones machen. Weil es naheliegt, dass sich mit einem neuen Endgerät und daraus resultierenden neuen und sehr unterschiedlichen Nutzungssituationen auch neue Ansprüche an Inhalte ergeben.

Nur welche?

Vor ein paar Jahren noch waren es eher schlichte Gedanken, die bei dieser Debatte vorgeherrscht haben. Am Handy, so die damalige Argumentation, nutze man nur die ganz kurzen, knackigen Sachen, für lange und anstrengende Stücke sei da weder Bedarf noch die Umgebung vorhanden. Das mag im Zeitalter von Mini-Displays und vergleichsweise teurer Online-Nutzung mit dem Handy zutreffend gewesen sein.

Aber heute? Mit einem Phablet neuerer Prägung kann man theoretisch seinen gesamten Medienkonsum vergleichsweise bequem abwickeln. Man kann ganze Bücher damit lesen, Serien schauen, TV-Programm konsumieren und ganz nebenher auch noch sein halbes Leben organisieren. Müsste man dann nicht auch konsequent davon ausgehen, dass Smartphones mehr und mehr der Mittelpunkt des alltäglichen Lebens werden und somit auch der Medienkonsum hauptsächlich eben dort und nicht mehr wie früher an Fernseher, Radio oder mit der Zeitung stattfindet?

Wir werden uns schlau machen. Und selber Input dazu liefern. Beim Mobile Media Day 2015 am 24. November in Würzburg. Christian Daubner, Leiter der digitalen Informationsstrategie des BR, wird darüber berichten, wie das so war und ist mit der neuen App von BR24. Aber wir werden ganz sicher auch gut zuhören. Weil die Entwicklung mobiler Medien erst ganz am Anfang steht.

Das Smartphone gab es schließlich bei der WM 2006 noch nicht. Mal schauen, was wir bei den nächsten Weltmeisterschaften mit den Dingern alles anstellen werden.

Von Christian Jakubetz am 7. Oktober 2015 um 2:50 Uhr

2 KOMMENTARE

  1. avatar Jens Arne Männig sagt:

    Das Smartphone gab es im Jahr 2006 durchaus. Sie hießen damals nur noch PDA. Man hatte damals einen Palm Treo 650 in der Tasche. mit dem man durchaus ins damals not etwas anspruchslosere Internet gehen und zumindest auch Standbilder machen konnte, wenn auch in einer Auflösung, die man heute als bescheiden empfinden mag. Texte und Bilder per FTP hochzuladen war kein Problem.

    Und wenn man sich beim Bayerischen Rundfunk mit den neuesten Nachrichten versorgen wollte, rief man mit dem Gerät irgendwo unterwegs einfach die Adresse http://www.br-online.de/news/pda/pda_news.shtml auf. Und jetzt müsst ihr ganz stark sein: Das funktioniert auch heute noch mit einem iPhone. Das mag man lediglich um 90 Grad drehen, damit die Schriftgröße gerade noch lesbar ist.

    Übrigens: Wenn man nur kurz mal eine Übersicht über die aktuellen Informationen will, ist man mit dieser Methode auch heute noch weit schneller, als wenn man sich durch die endlose Symbolbild-Wüste einer BR24-App scrollt. Wo war jetzt nochmal der Fortschritt?

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Ich gehöre leider zu der Generation, für die der PDA nur eine kurze Übergangserscheinung war. Der Charme und der Nutzen dieses Dingens haben sich mir ne so richtig erschlossen, um ehrlich zu sein. Hatte ich halt noch ein Gerät in der Tasche…

      Aber davon abgesehen: Videos schauen, über eine Karte navigieren, Offline-Leseliste und personalisiertere News-Streams – das konnte dein PDA damals alles schon ;-)?

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