Nachrichten für Bildschirme

Ganz ehrlich: Ich persönlich denke ja manchmal, gar kein Fernsehen mehr zu brauchen. Also, zumindest nicht das, was wir gemeinhin noch unter Fernsehen verstehen. Diese Zeugs, das eingesperrt in so einen Flimmerkasten einem Programmschema folgend versendet wird. Natürlich schaue ich gerne Nachrichten, Filme, Serien und natürlich auch Sport. Aber wenn es nicht gerade irgendwelche Live-Sachen sind, dann bevorzuge ich es, dann zu schauen, wenn es mir gerade passt. Und nicht, weil es jetzt 20.15 Uhr ist…

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Fernsehen ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Kein Wunder, dass auch der Relaunch einer (Nachrichten-)Sendung nicht mal eben in ein paar Tagen über die Bühne geht. (Foto: Jakubetz)

Das sind, zugegeben, etwas eigenartige Sätze in einem Blog einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Einer Anstalt, die sich zu einem beträchtlichen Teil über klassisches TV definiert, bei der Fernsehen sozusagen das Kerngeschäft ist. Diese Sätze muss man demnach als das sehen, was sie tatsächlich nur sind: die Beschreibung der Mediennutzungsgewohnheiten von irgendjemandem. Von denen gibt es mittlerweile unzählig viele, was schon alleine damit begründet ist, dass man inzwischen ja auch über unzählige Möglichkeiten verfügt. Da wäre es schön bescheuert zu glauben, dass alle auch künftig immer dasselbe machen. Und wie hat schon der frühere Kanzler Schröder mal sehr weise erkannt? Das Schöne an Optionen ist, dass man sie hat.

Natürlich gibt es weiterhin Fernsehen. Warum auch nicht?

Zu diesen Optionen gehört auch weiterhin das Fernsehen. Natürlich, warum auch nicht? Und nicht nur das: Nach wie vor ist Fernsehen das wichtigste und meistgenutzte Medium in Deutschland – und es deutet nicht sehr viel darauf hin, dass sich daran in den nächsten Jahren sehr viel ändern wird. Selbst dann, wenn man zugesteht, dass das Internet ungefähr alles verändern wird: Natürlich muss der BR das Fernsehen weiter hegen und pflegen, schon alleine wegen seines gesetzlich verankerten Auftrags.

Aber natürlich gibt es auch Zahlen und Fakten, die belegen, wie wichtig das gute, alte Fernsehen immer noch ist. Eine interaktive Grafik der Bundeszentrale der politischen Bildung stellt die Entwicklung der Mediennutzung in der Zeit zwischen 1990 und 2013 gegenüber – und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Auch wenn speziell die Generation der 14-29jährigen für einen rasanten Anstieg der Internet-Nutzung sorgt, TV bleibt immer noch das meist genutzte Medium (außer in der schon erwähnten Altersgruppe der 14-29jährigen).

Was sich auch nicht ausschließt. Schließlich haben Fernsehen und das Netz ein paar Sachen gemeinsam. Beide finden an einem Bildschirm statt – und beide adaptieren zunehmend mehr die Eigenschaften des jeweils anderen. Im Netz spielt das Bewegbild eine immer größere Rolle, während das Genre des Smart-TV das Fernsehen irgendwo ins Netz. Und dass der eine auf den anderen verweist, ist schon seit längerer Zeit Standard.

Davon abgesehen existiert seit geraumer Zeit auch der Begriff des „Second Screen“. Was bedeutet, dass beispielsweise ein Smartphone oder ein Tablet und ein Fernseher parallel genutzt werden. Jeder, der schon mal während eines „Tatort“ oder eines Fußballspiels bei Twitter unterwegs war, weiß, was damit gemeint ist. Und dass im Fernsehen natürlich immer wieder auch auf die entsprechenden Angebote im Netz verwiesen wird, ist mittlerweile so selbstverständlich, dass es eher erstaunlich wäre, würde man das nicht tun.

Fernsehen kann man nicht reformieren, ohne dabei auch an das Netz zu denken

Es ist also kein großes Wunder und auch keinerlei Geheimnis, dass der BR, wenn er sich jetzt gerade an die Überarbeitung seiner TV-Nachrichten macht, auch das Thema Netz mit denken muss. Ein Stück weit ist das bereits in den letzten Monaten passiert. Weil das Projekt und die App BR24 ja nicht einfach ein nettes Spielzeug sind, das wir uns ausgedacht haben, weil uns gerade etwas langweilig war. Vielmehr ist BR24 eben auch ein Stück Fernsehen, wie es im Jahr 2015 sein muss. De „Rundschau“ gibt es in allen denkbaren Darreichungsformen jetzt auch innerhalb dieses Projekts. Man kann die ganze Sendung schauen – aber natürlich auch einzelne Beiträge. Und, nie viel wichtiger: Fernsehnachrichten sind damit unabhängig geworden. Sowohl von Zeit als auch Raum und Gerät.

Umgekehrt müssen TV-Nachrichten der digitalen Gegenwart eben auch mehr sein, als das bloße Verlesen der Ereignisse des Tages. Das Netz bietet dazu unfassbar viele Möglichkeiten. Aber wie das eben so ist bei Dingen, von denen man sehr vieles zur Auswahl hat: Welche dieser unfassbar vielen Möglichkeiten ist geeignet, welche nicht? Zumal wir es inzwischen auch, wie erwähnt, mit einem Publikum extrem unterschiedlicher Bandbreite zu tun haben. Die einen sind tatsächlich die klassischen  TV-Zuschauer, die zu einer bestimmten Zeit den Fernseher einschalten, weil sie genau zu dieser Zeit wie an jedem Tag wissen wollen, was passiert ist (man sollte im Übrigen den Ritualcharakter von Fernsehen auf keinen Fall unterschätzen).

Aber es gibt eben auch die anderen, die immer mehr werden. Die „Fernweh“-Nachrichten eben nicht mehr als ein an einen Zeitpunkt gekoppeltes Ritual betrachten. Sondern die jederzeit wissen wollen, was gerade los ist. Das kann, zugegeben, ein Fernseher als Endgerät nicht leisten. Aber wie wir ja inzwischen wissen: Fernsehen kann man auch auf anderen Bildschirmen…

Trotzdem: Bei so viel unterschiedlichen Wünschen, Möglichkeiten und Geräten brauchen wir, wie schon in den vergangenen Monaten, Ihre Hilfe. Ihre Meinung. Ihre Kritik, ihre Anregungen. Was wünschen Sie sich von der Rundschau der Zukunft? Unter beta@br24.de, hier im Blog oder drüben in den sozialen Netzwerken wie bei Facebook oder Twitter gibt es reichlich Möglichkeiten, uns mit der Nase darauf zu stoßen.

Von Christian Jakubetz am 29. Oktober 2015 um 10:48 Uhr

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