Die Welt – ein Smartphone

Vermutlich gibt es kein Gerät, das in den letzten 50 Jahren unseren Alltag so beeinflusst hat wie das Smartphone. Es geht ja schon lange nicht mehr darum, dass wir jetzt auch mobil telefonieren können, das kann man mit jedem 30-Euro-Tastenhandy auch. Tatsächlich telefonieren wir auch immer weniger mit unseren Mobil-Telefonieren. Im Gegenteil: Das Telefonieren ist zu einem netten Nebeneffekt geworden. Schön, wenn man es kann, muss aber nicht sein.

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Man kann mit einem Smartphone nahezu alles machen. Wie die Statistik zeigt, machen User von diesen Möglichkeiten auch reichlich Gebrauch…(Grafik: Statista.de)

Man sieht also schnell: Mit dem Smartphone machen wir im Regelfall nichts weniger als unser Leben zu organisieren und alle Formen der Kommunikation abzuwickeln. Und: Medien zu nutzen.

Womit wir schnell beim Kern wären: Wenn tatsächlich das Surfen im Netz, das Lesen vom Nachrichten, das Anschauen von Videos oder das Hören von Audiobeiträgen einen beträchtlichen Teil des Medienalltags ausmachen, dann bleibt Journalisten kaum etwas anderes übrig, als Journalismus für das Smartphone zu machen. Zugegeben: Das liest sich erst einmal etwas ungewohnt und vor allem die Älteren unter uns (Hinweis: Der Autor gehört selbst in diese Kategorie) haben womöglich erst einmal Schwierigkeiten sich vorzustellen, was das sein soll: Journalismus für das Smartphone. Kann man Journalismus für ein Telefon machen?

Vermutlich ist daran schon die Fragestellung falsch. Weil sie impliziert, dass das Smartphone ein „Telefon“ ist, das man quasi betexten müsse. Tatsächlich ist das Smartphone die kleinste und mobile Variante der Gerätegattung Computer. Würde uns die Idee, Journalismus für einen Computer zu machen, heute, im Jahr 2016, noch irgendwie abwegig vorkommen? Na also.

Aber natürlich handelt es sich beim Smartphone um einen sehr speziellen Computer. Weswegen es wenig Sinn macht, einfach alle Digital-Inhalte unverändert zu lassen. Das hat nicht nur, aber auch mit der Display-Größe zu tun. Selbst wenn man heute ein „Phablet“ benutzt, der Bildschirm ist mit den Größen anderer Geräte schlichtweg nicht zu vergleichen. Und auch die Nutzungssituation und die Motivation sind unterschiedlich. Kurz gesagt: Wenn wir von Journalismus für mobile Endgeräte sprechen, dann kommen wir nicht daran vorbei, neue Formen des Journalismus zu kreieren. Was im Übrigen nicht überraschend ist, wenn man einen Blick auf die Mediengeschichte wirft. Bisher hat noch jedes neue Medium und jedes neue Endgerät auch neue inhaltliche Formen mit sich gebracht. Und wer wollte bestreiten, dass Smartphones ein neues Endgerät sind?

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Journalismus für das digitale Zeitalter: BR24 auf dem Smartphone. (Foto: BR)

Beim Thema „Mobile“ kommt man nicht daran vorbei, auch über Apps zu sprechen. Weil auch sie inzwischen ein fester Bestandteil in der täglichen Mediennutzung sind, so wie Radio und Fernsehen eben auch. Nach den neuesten Zahlen der ARD-ZDF-Onlinestudie nutzen inzwischen 58 Prozent der Deutschen täglich Apps auf den Smartphone, wobei das natürlich Apps aus den unterschiedlichsten Kategorien sein können. Trotzdem, für Journalisten sind Apps inzwischen zu einem extrem wichtigen Kanal geworden. Allerdings gilt auch hier wieder: Journalismus für Apps folgt anderen Gesetzmäßigkeiten als der für beispielsweise eine klassische Webseite.

Und auch darüber muss man sich beim Entwickeln für zukunftsfähige Strategien im Klaren sein: Speziell wenn es um die Nutzung von Medien geht, existiert in Deutschland ein tiefer digitaler Graben. Der im Regelfall weder in die eine noch in die andere Richtung überschritten wird. Natürlich ist es utopisch zu glauben, man könne den, sagen wir, 60jährigen klassischen TV-Zuschauer plötzlich dazu bringen, begeistert mit ein paar Apps durch das Tagesgeschehen zu navigieren (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Umgekehrt ist allerdings auch kaum zu erwarten, dass die Generation der „Digital Natives“ plötzlich anfangen wird, den Reiz analoger und linearer Medien zu entdecken. Wenn Journalisten also überhaupt eine Chance haben wollen, an dieses Publikum zu kommen, müssen sie ihre Inhalte dorthin bringen, wo sich diese Generation aufhält.

Und das ist schon lange nicht mehr „das Internet“. Es ist – das Smartphone.

Von Christian Jakubetz am 26. November 2015 um 5:53 Uhr

2 KOMMENTARE

  1. avatar Julius Kolb sagt:

    Ja, so schnell kann’s gehen. Auch zeigt uns die Geschichtslehre, dass kaum ein totgesagtes Medium komplett von der Bühne abgetreten ist. Theater, Kino, Konzerte – alles noch da trotz TV, Radio und Internet. Gewiß: teils stark subventioniert. Aber warum auch nicht? Als ÖR-Sender geht das.
    Jetzt noch zu meiner Liebllingsfrage und dem digitalen Graben: wie schaut’s aus mit BR24APP für windows-fone? Schon weiter gekommen damit? Wäre ja eine tolle Weihnachtsüberraschung! Hohoho!

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Wir arbeiten natürlich dran, ich glaube aber leider nicht, dass sie schon unterm Weihnachtsbaum liegen wird. Zumal die Kollegen, die sich damit beschäftigen, in den letzten Monaten noch irre viel anderes Zeug auf den Tisch bekommen haben, unter anderem den kompletten Relaunch der Bayern3-Webseite.

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