B5aktuell: Der Info-Komplex

Betrachtet man die Sache mit sanfter Ironie, man könnte sagen: Für niemanden ändert sich die Medienwelt so wenig wie für die Kollegen von B5 aktuell. Newsstreams? Gibt´s beim Nachrichtenradio schon seit 25 Jahren (Nachrichten im 15-Minuten-Takt). Sofort reagieren, wenn irgendwo was Wichtiges auf der Welt passiert? Liegt quasi in der DNA des Senders. Und interagieren mit dem User? Heißt dort „Call in“ und ist etwas, was es seit dem ersten Sendetag gibt.

Es ist also womöglich gar nicht verwunderlich, dass Max Stocker ziemlich gelassen bleibt, wenn man mit ihm über diesen neuen, irgendwie digitalen Journalismus spricht. Dass B5aktuell eine tragende Säule der digitalen Newsmarke BR24 sein würde, stand von Anfang an fest. Alles andere wäre ja auch absurd gewesen: BR24 und B5aktuell sind sozusagen Verwandte im Geiste. Auch wenn die Ausspielkanäle unterschiedlich sind, das Prinzip ist das Gleiche: immer auf Augenhöhe mit dem, was gerade passiert. Max Stocker also, Chef dieses Senders, ist nicht nur entspannt. Sondern auch ziemlich sicher, dass diese beiden Projekte sich wunderbar ergänzen. Das muss man manchmal ausdrücklich dazu sagen. Debatten um die Medienzukunft drehen sich schließlich gerne auch mal darum, ob nicht der eine den anderen auffrisst.

Tatsächlich fällt eines auf, wenn man auf die diversen Statistiken und Untersuchungen schaut: Das Radio hat den bisherigen Medienwandel bisher nahezu unbeschadet überstanden. Daran soll sich – auch darin sind sich die meisten einig – nicht viel ändern. Was mit einer Besonderheit des Mediums zu tun hat: „Informationen für die Ohren“ nennt Max Stocker das. Information, die man dann konsumiere, wenn nur die Ohren aufnahmefähig sind. Morgens in der Küche, im Bad – oder auch beim Autofahren.

Das Radio, die App – und ein Archiv

Trotzdem weiß auch Max Stocker, dass sich die Welt weiterdreht. Und dass sich auch ein vermeintlich krisenfester Sender wie B5aktuell in der digitalen Welt neu positionieren muss. Dass viele Inhalte inzwischen auch ihren Weg in die App finden, ist ein Anfang. Aber das Info-Radio der Zukunft muss vermutlich noch anderes bieten. Abrufbar sein beispielsweise, eine Art „Radio on demand“. Und durchsuchbar. Nach Schlagworten, nach Themen, nach Daten, nach Schlagworten. Ein komplexes Info-Angebot also, bei dem die linear-analoge Ausstrahlung eines Programm ein Bestandteil ist.

Ein ziemlich wichtiger, zugegeben – aber eben auch nur einer von mehreren.

Von Christian Jakubetz am 7. Dezember 2015 um 5:26 Uhr

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