Und den Kopf in der Welt…

Man müsste eigentlich (versprochen: das ist das letzte Mal, dass dieser Begriff im Jahr 2016 auf dieser kleinen Seite auftaucht) – man müsste also eigentlich mal sein Verhältnis zur Welt und zur Heimat überdenken. Keine Sorge, das wird jetzt hier kein Besinnungsaufsatz und auch kein krampfiges Feuilleton. Sondern eher eine praktische Überlegung, die sich darum dreht, was man eigentlich wissen will von der Welt. Was will man im volldigitalisierten Informationszeitalter überhaupt noch wissen, was kann man überhaupt aufnehmen? Und wie wichtig und relevant ist so etwas wie Heimat noch, wenn man doch inzwischen gefühlt die ganze Welt zur Heimat haben kann?

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Heimat: Bayern. (Foto: Jakubetz)

Darüber denkt man als Nutzer ab und an vielleicht mal nach – ganz sicher aber müssen es Journalisten, die irgendwas mit Nachrichten machen. Weil Nachrichten etwas sind, was uns inzwischen nahezu unbeschränkt zur Verfügung steht. Man versteht aber die Welt nicht besser, wenn man einfach das Pensum erhöht. Und man wird kein klügerer oder interessanterer Mensch, weil man plötzlich den Begriff Heimat als etwas irgendwie Piefiges versteht. Im Gegenteil, gerade dann, wenn man sich zumindest perspektivisch die ganze Welt zur Heimat machen kann, ist es vermutlich ganz gut, wenn man auch etwas hat, was man als Ursprung seiner eigenen Identität begreifen kann.

Was bedeutet es eigentlich für uns, wenn irgendwo in der Welt etwas passiert?

Im Falle der BR-Rundschau spielt das Thema „Heimat“ eine besondere Rolle. Weil sie seit jeher den Spagat zwischen der großen Welt und unserem gemessen an diesem Maßstab dann doch wieder kleinen und beschaulichen Bayern schaffen muss. Ab April, so viel ist sicher, wird sie „bayerischer“ werden – ohne plötzlich zu einer „lokalen“ Fernsehsendung zu werden.

Das hat in erster Linie mit genau diesen Veränderungen zu tun, die die Digitalisierung in die Gesellschaft gebracht haben. Früher (ok, zugegeben, schon etwas länger her) waren Nachrichten, insbesondere die im Fernsehen, oft das einzige Fenster in die Welt. Die einzigen Bilder, die man von der Welt bekam. Die einzigen Einschätzungen, wie dieser Planet wohl gerade ticken könnte. Und ja, vermutlich auch das: eine Art Sehnsuchtsort. Zumal in Zeiten, in denen man sich man nicht mal eben in einen Flieger nach New York oder Dubai gesetzt hat…

Vorbei. Heute absolvieren 16jährige ihr Auslandsjahr irgendwo in Australien. Man hat (virtuelle) Freunde auf dem ganzen Planeten und über gefühlte hundert Kanäle im Netz weiß man über die Dinge in dem Moment Bescheid, in dem sie passieren. Oder man glaubt es zumindest.  Eine Nachrichtensendung, die am Abend das Versprechen abgibt, kompakt darüber zu informieren, was heute in der Welt los ist? Tempi passati.

Neben den Themen Einordnung, Analyse und Hintergrund spielt für eine Nachrichtensendung im BR also auch die Frage „Und was ist mit Bayern?“ eine entscheidende Rolle. Das geht über die reine Berichterstattung aus Bayern ein gutes Stück hinaus. Mindestens genauso wichtig ist: der Kontext. Also die Einordnung eines möglicherweise globalen Themas: Was bedeutet das für uns? Hier, in unserem unmittelbaren Umfeld?

Dazu kommt, dass die „Rundschau“ ab April prominente Unterstützung bekommt: die 20-Uhr-Tagesschau. Mit ihr deckt das Programm des BR sozusagen die Nachrichten-Grundversorgung ab. Das bedeutet allerdings ausdrücklich nicht, dass künftig alle überregionalen Themen in der“Tagesschau“ abgehandelt werden und die „Rundschau“ zu reinen Bayern-Nachrichten werden. Mehr Details und eine grundsätzliche Einschätzung dazu kommen von Anja Miller, der Chefin der Sendung:

Anja Miller jedenfalls ist sich sicher: „Die Rundschau ist ein Kosmopolit, der beide Beine in Bayern hat – und den Kopf in der Welt.“

Von Christian Jakubetz am 16. Januar 2016 um 1:30 Uhr

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