Foto: Christian Jakubetz

Leben mit dem Smartphone

Es schadet nicht, wenn man sich ab und mal mit Menschen unterhält, die mit Medien nicht sehr viel mehr zu tun haben, als dass sie sie einfach nutzen. Beispielsweise lernt man dann schnell, wie sehr man sich wie selbstverständlich auf Dinge konzentriert, die für einen selbst aus beruflicher Sicht völlig normal erscheinen, obwohl sie das für den Nutzer ganz und gar nicht sind. Unlängst also habe ich mich mal mit so einem ganz normalen Nutzer unterhalten. Der wiederum fand es zwar ganz ulkig, dass so viele Journalisten und auch der BR jetzt bei Facebook und all den anderen vertreten sind, stellte aber gleichzeitig auch die Frage, ob wir alle zu viel Zeit hätten. Schließlich, so seine grundsätzliche Vermutung, ist Facebook vielleicht eine ganz nette Plauderei mit vielen lustigen Fotos – aber was zur Hölle machen Journalisten da, noch dazu öffentlich-rechtliche?

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Mobil und sozial: Mediennutzung im Jahr 2016. (Foto: Jakubetz)

Wie das so ist mit den ganz einfachen Fragen des Lebens, auf die man vordergründig sofort eine Antwort weiß: Sie sind dann doch komplizierter zu beantworten als man eigentlich denkt. Aber natürlich gibt es für uns mehr Gründe dort vertreten zu sein, als nur plaudern zu wollen. Vielmehr hat das auch sehr viel mit dem anderen großen Medientrend zu tun: Mobilität. Schließlich gibt es ja auch für die App und das Projekt BR24 sehr viel mehr Gründe, als einfach nur eine App für das Smartphone anbieten zu wollen.

Was also ändert sich bzw hat sich schon geändert?

  • Das browserbasierte Netz verliert auf mobilen Endgeräten erheblich an Bedeutung. Genauso wichtig sind Kommunikation und Inhalt über und mit Apps geworden. Apps wiederum sind potentiell erheblich mehr als ein in eine kleine Applikation gegossenes Abbild einer Webseite. Stattdessen passen sie sich inhaltlich wie konzeptionell an die Möglichkeiten eines mobilen Endgeräts an.
  • Soziale Netzwerke werden für Medien und Kommunikation noch bedeutender. Weil sie bevorzugt auf mobilen Endgeräten genutzt werden und weil dort Nutzungssituation und Inhalt ganz besonders gut zusammenpassen. Wer also auf mobilen Endgeräten sein Publikum erreichen will, wird am Thema „Soziale Netzwerke“ auf keinen Fall vorbeikommen.
  • Kommunikation und Inhalteverbreitung werden insbesondere durch Messenger noch kleinteiliger, noch individueller. One-to-one-Kommunikation hingegen wird vielleicht nicht gerade die Regel (insbesondere für Massenmedien ist das kaum zu leisten), dennoch aber deutlich häufiger als bisher. Bei Messengern wiederholt sich sich das, was wir beim Smartphone schon beobachten konnten: die Verdichtung einer sehr komplexen Angelegenheit auf einem einzigen Gerät. Was möglich gemacht wird durch das Thema schlechthin, das die Digitalisierung seit Anbeginn bestimmt: Konvergenz. Der Messenger kann alles sein, vom Nachrichten-Versender bis hin zur Unterhaltungsmaschine, die Videos, Fotos und Audios abspielt. Ein eigenes Internet in klein, sozusagen.
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Facebook ist immer noch eine große Nummer. Allerdings: Die aktive Nutzung geht zurück. (Quelle/Studie: Faktenkontor.de)

Smartphones haben für digitale Kommunikation einen unschätzbaren Vorteil: Sie begleiten ihre Benutzer durch den ganzen Tag – im wahrsten Sinne des Wortes. Man muss keine Studien dazu heranziehen (obwohl es sie natürlich in großer Zahl gibt), um zu ahnen: Für viele ist es selbstverständlich, den Tag mit einem Blick auf den digitalen Alleskönner zu werfen. So, wie man diesen Tag auch mit einem abschließenden Check von Mails, Nachrichten und Postings beendet. Wer also darauf verzichten will, auf Handys gut und erkennbar präsent zu sein, schließt sich also zu einem beträchtlichen Teil aus dem Alltag des digital und mobil lebenden Menschen aus. Das kann man natürlich schon machen.

Man muss sich nur darüber im Klaren sein: Diese Lebensform ist schon heute eher die Regel als die Ausnahme.

Von Christian Jakubetz am 17. Januar 2016 um 7:55 Uhr

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