Mobile: Eine Sache des Vertrauens

Darüber, dass Journalismus und Medien mehr und mehr auf mobilen Geräten stattfindet, streitet sich mittlerweile beim besten Willen niemand mehr. Allerdings: Durch diese Entwicklung ändern sich nicht nur Endgeräte und Inhalte, sondern auch das Verhältnis von Medien und Nutzern zueinander. Und das sogar massiv…

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Nachrichten und Angebote des BR gibt es mittlerweile auch bei Whatsapp.

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Natürlich ist es – wieder einmal – nicht möglich, langfristige Prognosen über die Entwicklung der Endgeräte und ihrer Möglichkeiten zu geben. Zumal es nicht wenige Experten keineswegs ausschließen, dass sich auch das Endgerät Smartphone so weiterentwickelt, dass es mit dem, wie wir es bisher kennen, nicht mehr sehr viel zu tun hat.

Und weil diese Entwicklung schon begonnen hat und bei jüngeren Medienkonsumenten inzwischen auch zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, sind auch das bisherige Denken, die bisherigen Gewohnheiten gerade im Wandel. Medien sind inzwischen immer und überall nutzbar. Auch aus technischer Sicht bedeutet Mobilität schon lange nicht mehr eingeschränkte Qualität. Display guter Smartphones können es mühelos mit den Screens zuhause aufnehmen. Dass die Bildschirme kleiner sind, ist ebenfals kein Manko mehr. Im Gegenteil: Beobachtet man inzwischen die Digital Natives, dann bemerkt man schnell, dass sie die vermeintlich kleinen Screens auch dann gerne benutzen, wenn ihnen theoretisch auch ein größerer zur Verfügung stünde.

Insofern führt der Begriff „Mobile“ eigentlich auf die falsche Spur. Weil er impliziert, dass es sich dabei um Geräte und Inhalte handelt, die man nur dann nutzt, wenn man irgendwie unterwegs ist. Dabei gehört das Smartphone auch zuhause wie selbstverständlich zu den Geräten, mit denen man Medien nutzt. Warum auch nicht, wenn man es ohnehin gerade in der Hand hat?

Für Journalisten bedeutet dies zunächst einmal, dass wir es mit verhältnismäßig vielen Unbekannten zu tun haben. Über das Nutzungsverhalten der Konsumenten wissen wir ähnlich wenig wie über die geeigneten Inhalte, Plattformen und Formate, mit denen wir sie anbringen können. Wir wissen, dass wir es kleiner und kompakter machen müssen und dass wir es mit Menschen am anderen Ende zu tun haben, deren Zeit- und Aufmerksamkeitsbudget limitiert sind.

Messenger, Videos und Social Media sind die groben Mobil-Themen

Das hat vor allem damit zu tun, dass sich die Dinge gerade beim Thema Mobile schnell und massiv ändern. Mittlerweile beispielsweise gehen wir davon aus, dass insbesondere die Themen Bewegtbild, Social Media und Messenger die großen Wachstumstreiber im mobilen Markt sind. Die Erfahrungswerte dazu sind allerdings naturgemäß nicht ausreichend, als dass man daraus schon mittelfristig gültige Schlussfolgerungen ziehen könnte.

Dazu kommt, dass nach wie vor nahezu jedes Jahr neue Kanäle, neue Plattformen, neue Trends entstehen. Wie lange sie bestehen, wie nachhaltig sie sind – auch das kann man naturgemäß erst mit einigem zeitlichen Abstand halbwegs beurteilen. Das allerdings interessiert den Nutzer nicht sonderlich. Das bedeutet, dass auch weiterhin regelmäßig die Frage auftauchen wird, ob man sich an einen neuen Kanal anhängt oder nicht. Das Prinzip „Trial and Error“ dürfte also noch für etliche Jahre Bestand haben.

Daraus lässt sich zumindest im Groben ableiten, dass wir für diese wirklich ganz neue Form von Medien auch tatsächlich neue, plattformgerechte Inhalte produzieren werden müssen. Das gilt für die Inhalte genauso wie für die äußere Form. Und auch hier gilt: Es gibt nichts, was sich nicht in Frage stellen lässt.

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Trotzdem, es gibt natürlich ein paar Dinge, die sich jetzt schon absehen lassen, auch wenn das mit den Prognosen im Stil von „5 Dinge, über die wir demnächst dann mal reden werden“, immer so eine Sache ist. Am Thema „Messenger“ kommt man beispielsweise nicht mehr vorbei. Schon alleine wegen der nackten Zahlen nicht. Mit „WhatsApp“ und dem Messenger von Facebook kommt man alleine schon auf eine – vorsichtig geschätzte – weltweite Nutzerzahl von rund 1,5 Milliarden Menschen.

Aber ganz egal, welche Zahlen gerade wo kursieren: Man muss sich darauf einstellen, dass dieses Internet in klein, diese komprimierte Kommunikationszentrale zum Standard der Mobilnutzung werden wird. Anders gesagt: Wer nicht auf die Messenger-Kanäle der Nutzer kommt, hat als Anbieter ein mittelfristig nicht zu unterschätzendes Problem. Umgekehrt werden sich Nutzer bewusst oder unbewusst auf die Suche nach denen machen, von denen sie sich den journalistisch-inhaltlichen Teil ihres Messenger befüllen lassen wollen.

Das ist eine Entscheidung, die vermutlich mehr als alle anderen bisher mit dem Thema Vertrauen zu tun hat. Mit dem Vertrauen, dass Nutzer in den Medienanbieter ihrer Wahl haben (oder eben auch nicht). Weil es zum ersten Mal überhaupt nicht mehr darum geht, eine fremde Webseite zu besuchen oder in einem dann doch mehr oder weniger öffentlichen Raum wie einem sozialen Netzwerk zu kommunizierten. Stattdessen muss man Zugang in die intimsten Kommunikationsräume der Nutzer bekommen, will man in ihren Messengern reüssieren. Was aber könnte dafür wichtiger sein als die Frage, wem man soweit vertraut, dass man ihn zwischen verteilten Bussis und Herzchen und anderen Sachen auftauchen lassen will?

Das bedeutet aber auch: Wer Angebote für Messenger zusammenstellen will,  muss sich mehr denn je auf eine sehr kleinteilige Kommunikation einlassen. Ein Messenger ist schließlich kein RSS-Reader 2.0, auf dem man einfach mal irgendwelche lieblosen Feeds reinlaufen lässt. Man kann sich leicht vorstellen, dass eine solche Nähe, wie sie ein Messenger nun mal suggeriert,  dazu verführt, dass man mit einem Absender auch kommunizieren will. Gerade weil Messenger eben keine kommunikative Einbahnstraße sind.

Man kann daraus eine ganze Menge über die potentielle Zukunft von Medien und Kommunikation ablesen. Vor allem, dass Journalismus zunehmend kleinteiliger wird. Dass es Aufgabe von Journalisten sein wird, Menschen unmittelbar durch den ganzen Tag zu begleiten und dass sie dabei mehr und mehr auch Empfänger statt lediglich Sender werden.

Was ja, um im Bild zu bleiben, nur zu verständlich ist: Wenn man auf das Telefon ein anderen will, muss man womöglich auch bereit sein, ab und an zu telefonieren.

Von Christian Jakubetz am 26. Januar 2016 um 11:48 Uhr

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