Frag mich was!

Wir lesen etwas und manchmal schreiben wir auch selbst etwas. Beispielsweise einen Kommentar oder eine Suchanfrage. So nutzen wir bisher Apps: lesen und schreiben, read and write. Übertragen auf den Journalismus bedeutet das: Journalistische Apps sind meistens wie Mobil-Versionen der konventionellen Webseiten. Mit mehr oder weniger vielen Nachrichten, die von einer Redaktion vorsortiert und in Rubriken gepackt sind.

BR24_Display

Aber seien wir mal für einen Moment (sowas kommt vor, wenigstens einmal im Jahr) ziemlich visionär – und gehen davon aus, dass read and write künftig eine eher veraltete und langweilige Form der Mediennutzung insbesondere auf Smartphones ist. Weil Smartphones ja schon seit geraumer Zeit sehr viel mehr sind als reine Lesegeräte. Sie reagieren auf Berührungen mit dem Finger, mehr und mehr auch auf Gesten und natürlich auch auf Sprache. Gut, das alles ist noch nicht endgültig perfektioniert – und gerade die Spracheingabe bei Smartphones erzeugt immer wieder mal noch eher lustige Ergebnisse.

Nehmen wir aber trotzdem mal an, es wird mehr und mehr Standard werden, dass User auf einem Smartphone nicht einfach nur lesen und schauen und klicken  – sondern sich zunehmend mehr auch der Gesten und der Sprache bedienen. Müsste Journalismus auf einer App dann nicht sehr viel mehr sein als ein paar gute Lesestücke, versetzt mit Videos und Audios? Könnte es dann nicht sein, dass wir nicht einfach noch mehr Apps (more of the same) brauchen, sondern schlichtweg andere, intelligentere, angepasste Software?

Dann müsste App-und Smartphone-basierter Journalismus der Zukunft noch ein paar zusätzliche Anforderungen erfüllen:

  • Antworten geben, wenn ein User eine Frage stellt (z.B.: Wie ist das Ergebnis der Landtagswahlen in Bayern ausgefallen?)
  • Seinen Nutzer ständig besser kennenlernen (nach mehreren Fragen weiß er, dass sich der Nutzer für die bayerische Landespolitik interessiert)
  • Nachrichten in einen geographischen, persönlichen Kontext setzen
  • Automatisierte Fortschreibung von Nachrichten, die den Nutzer interessieren
  • Am Ende steht die Herausforderung: aus einem vorhandenen Daten-Set eine möglichst treffende Personalisierung und Automatisierung zu bauen

nachrichtenzukunft

Schon klar, das klingt alles wieder einmal nach Zukunftsmusik. Nach Dingen, die weit entfernt und utopisch sind. Auf der anderen Seite weiß man ja auch ein paar Dinge aus Erfahrung. Zum Beispiel, dass Utopien in diesem digitalen Zeitalter dann doch viel schneller Realität werden als man glaubt. Beispielsweise auch, dass sich in den letzten 15 Jahren keine einzige Form des Medienkonsums länger als zwei, drei Jahre unverändert gehalten hat.

Wir wissen inzwischen aber auch, welche Bedeutung gerade das Thema Personalisierung hat. Nicht ganz umsonst ist schon bei der Entwicklung der aktuellen BR24-App ein beträchtlicher Teil Gehirnschmalz auf dieses Thema verwendet worden. Weil Nachrichten in irgendwelchen Ressorts lesen schon ganz ok, aber sicher nicht mehr zukunftsträchtig ist. Und weil es widersinnig ist, auf einem Gerät, dass heute zum unmittelbarsten persönlichen Lebensbereich eines Nutzers gehört, Standard- und Massenware platzieren.

Das Smartphone, so viel scheint sicher, wird zunehmend mehr zum täglichen  Begleiter des Menschen. Zu einem Begleiter, der mehr ist als ein digitales Helferlein. Sondern eines, das jeder für sich selbst konfiguriert, das so einmalig ist wie der Nutzer selbst. Was läge also näher, als auch „lernende“ Nachrichten anzubieten?

Spannende Tage für den Journalismus also. Die nächste Stufe hat begonnen, ohne dass wir es bisher überhaupt in dieser Form realisiert haben.

Von Christian Jakubetz am 8. Februar 2016 um 4:12 Uhr

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