Neues TV: Mobil und sozial

Ist es eigentlich sehr gewagt, wenn man behauptet, dass das gute, alte Fernsehen sich in  den kommenden Jahren ein wenig auf den Rückzug begeben wird – und gleichzeitig die Bedeutung von bewegtem Bild trotzdem so hoch wie noch nie in der Geschichte des Journalismus wird? Was auf den ersten Blick widersinnig klingt, ist in Wirklichkeit eine Entwicklung, die sich jetzt schon abzeichnet. Und eine noch dazu, die nichts anderes ist als zwangsläufig, wenn man sich ansieht, wie Medien im Zeitalter der Digitalisierung so verwendet werden.

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Auch das ist „Fernsehen“: die Mediathek des BR.

Aber erst mal die Fakten (sie stammen aus der Studie ConsumerLab „TV & Media Report 2015„). Demnach hat sich in den vergangenen fünf Jahren die Zeit, die Menschen mit Video-on-demand-Inhalten verbringen, glatt verdoppelt. Mittlerweile sind es weltweit sechs Stunden pro Woche, die Menschen dazu nutzen, sich Filme oder Serien über Streaming anzuschauen. In den USA geht man mittlerweile sogar schon davon aus, dass rund 35 Prozent des gesamten Konsums von Filmen und Serien über On-demand-Angebote kommen.

Wenig überraschend, aber dennoch in Zahlen bemerkenswert: Die mobile Nutzung insbesondere von Bewegtbild ist in den letzten Jahren explodiert. Seit 2012 wird weltweit eine Steigerung von 71 Prozent registriert. Dass es insbesondere das jüngere Publikum ist, dass Videos auf Smartphones und Tablets nutzt, überrascht ebenfalls niemanden. Trotzdem: Über die Hälfte der 16-34jährigen nutzt für Bewegtbild-Inhalte inzwischen hauptsächlich ein mobiles Device.

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Der Untergang des Fernsehens also, was wir da rauslesen können? Kommt drauf an – was man unter Fernsehen versteht. Meint man damit jene Form des TV, die vor allem wir Älteren noch aus der eigenen Kindheit als die einzig wahre verstehen, dann wird es zweifelsohne an Bedeutung verlieren. Was nichts mit dem Inhalt, sondern mit den technologischen Entwicklungen zu tun hat.  Und die machen nun mal mobile Endgeräte zunehmend mehr zu dem Ort, an dem sich für Konsumenten nahezu alles abspielt. Da macht es keinen Unterschied, ob wir von Fernsehen oder Zeitungen sprechen. Am Ende wird dann doch alles digital und mobil.

Soll heißen: Kein Mensch interessiert sich plötzlich weniger für Nachrichten, für gute Dokus und Serien oder auch für gute Texte, nur weil er sie inzwischen anders nutzen kann. Der Bedarf ist also durchaus da, man muss die Angebote nur anders konfektionieren. Man muss sie auf die Bedürfnisse der Nutzer zuschneiden. Und wenn diese Bedürfnisse momentan in erster Linie „mobil und sozial“ heißen, dann muss man sich überlegen, wie man das ordentlich hinbekommt.

Die Idee des Projekts „BR24“ und der gleichnamigen App hat also genau damit zu tun. Modernen Nachrichtenjournalismus, basierend auf den Bewegtbild- und Hörfunkangeboten des BR so hinzubekommen, dass er auf diesen neuen Endgeräten funktioniert. (Der großartige Peter Lustig hätte jetzt gesagt: Klingt komisch, ist aber so).

Was nicht bedeutet, dass das, was User bisher unter dem Label und der App BR24 zu sehen bekommen, schon der journalistischen Weisheit letzter Schluss sein muss. Digitalisierung heißt eben auch: ständige Bewegung.

Beenden wir also diese kleinen Überlegungen so, wie sie begonnen haben – mit einer nicht allzu gewagten Prognose: In einem Jahr wird das BR24-Angebot schon wieder ein ganz anderes sein als heute.

Von Christian Jakubetz am 25. Februar 2016 um 1:25 Uhr

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