Wie wir sehen wollen…

Nur mal angenommen, wir hätten heute Wunschkonzert und wir dürften uns mal alles wünschen, was wir gerne von einem „Fernsehen“ der Zukunft hätten…bei mir käme dann das folgende raus.

Playlists statt linearem Programm

Klar schaue ich gerne noch „normales“ Fernsehen. Also das, das jeden Tag nach einem festen Programmschema ausgestrahlt wird und in dem ich manchmal was finde, was mich interessiert und manchmal auch nicht. Für mich und Millionen andere ist Fernsehen zudem immer noch etwas, was uns durch den Tag begleitet, mal intensiver, mal weniger.

mediathek

Aber natürlich wünsche ich mir vom Fernsehen im weitesten Sinne manchmal auch, dass ich sofort das bekomme, was ich gerade will. Da sind die Mediatheken, die inzwischen nahezu jeder Sender hat, eine schöne Sache. Aber auch durch die muss ich mich durchwühlen, muss wissen, was an welchem Tag gelaufen ist und wie die Sendung überhaupt heißt, die mich interessiert. Was toll wäre? Meine ganz eigene Playlist, jeden Tag. Wahlweise kuratiert vom Sender, von mir selber, von meinen Freunden und gerne auch von einem Algorithmus.

Vor allem letzteres klingt erst einmal leicht beknackt. Aber seit ich regelmäßig eine Spotify-Playlist nutze, bei der mir ein Algorithmus jede Woche 30 neue Titel serviert, von denen mir zuverlässig zwei Drittel gefallen, glaube ich zunehmend mehr daran, dass uns Daten (leider) sehr viel besser kennen als wir uns selbst.

Den Gedanken finde ich jedenfalls sehr verlockend: Abends nach Hause kommen und der BR sagt mir dann schon in einer App, was er heute für mich zusammengestellt hat. Muss übrigens nicht nur klassisches TV-Programm sein. Gerne auch andere Videos aus dem Netz, Podcasts, Radio-Beiträge. So in etwa, wie ich das ja heute auch schon in der BR24-App habe: Ich markiere in meinem personalisiertem Bereich alles, was mich interessiert, der Rest passiert von alleine.

Situative Playlists

Klar interessiert mich die Flüchtlings-Thematik. Und was in meiner alten niederbayerischen Heimat los ist, mag ich ab und an auch gerne wissen. Aber nicht immer. Manchmal bin ich gerade unterwegs mit dem Smartphone. Oder mir ist nach was Unterhaltsamen. Nach was…ach, was weiß ich denn noch. Wenn man sich anschaut, wie beispielsweise das Musikhören gerade zunehmend mehr vom Hören von Playlists bestimmt wird („Chillen am Sonntagabend“, „Heavy Metal für deinen Frühsport“), dann denke ich mir: Das hätte ich gerne auch für den BR. Ok, Heavy Metal könnte schwierig werden. Aber die Playlist „Altbairischer Humor für das Wochenende“ würde ich sofort abonnieren, echt jetzt.

Social TV

Klar ist es schön, dass es dieses Facebook gibt. Und dieses Twitter und Google und Pinterest und Snapchat und wie der ganze Krempel heißt. Ich würde mir beim Thema Medien, speziell Fernsehen und Radio, trotzdem gerne ein paar Leute aussuchen, mit denen ich mich ausschließlich über diese Themen austausche und von denen ich mir gerne auch mal ein paar Sachen empfehlen lasse. Ich muss mich ja nicht gleich standarisiert wieder über diese ganzen Katzenbilder aufregen, die es in anderen Netzwerken so gibt. Trotzdem: Ich mag mir nicht immer bei Facebook mühevoll meine Programmtipps- und Besprechungen raussuchen müssen. Ich muss auch gar keine Fantastilliarden an Followern und Freunden haben. Es reichen ein paar wenige, wenn es denn die richtigen sind.

Nicht falsch verstehen: Es ist völlig unsinnig zu glauben, ein TV-Sender könnte und sollte in Konkurrenz mit Facebook und all den anderen treten. Das ist nicht unser Job, als öffentlich-rechtlicher Sender schon gleich gar nicht. Aber im Netz und überhaupt in unserer digitalen Welt zählt das Prinzip der Vernetzung und der Kommunikation inzwischen zu den Grundfesten.  Ich muss ja nicht reden und teilen, wenn ich nicht will. Aber die Möglichkeit dazu zu haben, das wäre schon schön.

Video für jeden Kanal

Klar, wenn wir von Fernsehen reden, dann reden wir tatsächlich meistens noch von dem, was die meisten von kennen, seit sie gerade mal einigermaßen laufen können. Aber wenn man genau hin schaut, dann bemerkt man schnell, dass sich dieses „Fernsehen“ gerade ganz erheblich ausdehnt. Sein wesentliches Merkmal, nämlich das Bewegtbild, gibt es inzwischen auf jedem Kanal, vom 15-Sekünder bis zum potenziell nahezu unendlich langen Video bei YouTube.

BR24Handy

Für mich selbst verschwimmen die Unterschiede gerade ganz erheblich. Ich weiß nicht mehr so recht, wo für mich selbst der Unterschied in der Wahrnehmung ist, wenn ich vor einem Tablet, einem Smartphone, einem Laptop oder eben doch vor einem klassischen Fernsehgerät sitze (das aber mittlerweile selbstverständlich potenziell auch irgendwie Internet ist).

Und deswegen hätte ich gerne „Fernsehen“ für jeden Kanal. Nein, natürlich nicht einfach nur die Reproduktion eines Beitrags, der gerade eben im TV gelaufen ist; so sehr kann ich die Unterschiede zwischen TV und einem Smartphone schon noch wahrnehmen.  Sondern als eine Art vielfach konfiguriertes Fernsehen. Für jede Gelegenheit, für jede Plattform.

Und was wünschen Sie sich von einem Fernsehen der Zukunft? Vom klassischen TV bis hin zum Bewegtbild in sozialen Netzwerken? Meinungen gerne an beta@br24.de, hier in den Kommentaren und natürlich in unseren Social-Media-Auftritten.
Von Christian Jakubetz am 6. März 2016 um 7:32 Uhr

3 KOMMENTARE

  1. avatar Peter Jebsen sagt:

    Eine kuratierte Playlist ist eine klasse Idee. Ansonsten wünsche ich mir eine längere Verweildauer der von Rundfunkbeiträgen finanzierten Sendungen in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken.

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Peter, es gibt vermutlich keinen einzigen Kollegen bei den Öffentlich-Rechtlichen, die einer längeren Verweildauer der Beiträge in den Mediatheken nicht sofort zustimmen würde…

      • avatar Peter Jebsen sagt:

        Höchstens vielleicht freie Kollegen, denen das Honorar für eine längere Verweildauer nicht hoch genug ist und/oder die befürchten, dass eine längere Verweildauer schädlich für eine mögliche spätere Auswertung per Film, DVD o. ä. sein könnte.

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