Abgesang auf das Tablet (leider)

Ein Geständnis vorweg: Ich mag Tablets. Mein iPad nehme ich nach wie vor nahezu täglich in die Hand und sogar auf Reisen habe ich es gerne dabei.  Man muss mit solchen Äußerungen inzwischen allerdings etwas vorsichtig sein, weil man in der digitalen Insider- und Firstmover-Szene dann auch genauso gut sagen könnte, man schreibe seine Texte am liebsten immer auf seiner Reiseschreibmaschine, Typ Monica. Tablet? Das ist irgendwie so voll 2013.

7037886017_6965ddf34c_k
Foto: Jakubetz

Das muss man sich wohl vor Augen halten, wenn man versucht, einen Journalismus zu entwickeln, der sich an der Erfordernissen der Jahres 2016 einigermaßen orientiert. Dabei ist sehr viel die Rede vom Smartphone, vor allen dann, wenn wir von diesem ganzen neuen mobilen Kram sprechen. Das ist insofern einigermaßen neu, weil es tatsächlich noch gar nicht so lange her ist, dass man von Smartphones und Tablets gleichermaßen sprach, wenn es um mobile Medien und die entsprechenden Endgeräte ging. Heute ist das Tablet schon weder eine langsam aussterbende Art, zumindest, wenn man die aktuellen Zahlen als eine Art sich manifestierenden Trend bewerten darf.

Infografik: Amazon trumpft zu Weihnachten auf | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Interessant ist dabei vor allem eine Zahl: nämlich der Rückgang um 17 Prozent der verkauften Tablets im letzten Quartal des Jahres 2015 (Maßstab ist das Vorjahresquartal). 17 Prozent weniger, das bedeutet beispielsweise beim Immer-Noch-Marktführer Apple ein Minus von rund 5 Millionen weniger verkauften iPads im Vorjahresvergleich. Kein Wunder also, dass man bei Apple vergleichsweise wenig Energie in die Weiterentwicklung von Tablets steckt, während man dort und auch bei der Konkurrenz tunlichst Wert darauf legt, jedes Jahr ein neues Handy auf den Markt zu bringen. Selbst dann, wenn die tatsächlichen Neuerungen überschaubar sind.

16800237373_4ad85b6945_k
Foto: Jakubetz

Was aber eben auch bedeutet, dass Medien und Journalismus sich ebenfalls auf das Handy als das Gerät der Gegenwart und vor allem der Zukunft einstellen müssen. Weil das Tablet zunehmend mehr zu einem Luxus-Zusatzgerät mutiert, das man sich leisten können will und muss. Nicht nur, weil so ein Gerät Geld kostet, sondern weil man in der digitalen Welt des Jahres 2016 immer wieder mit der Frage konfrontiert wird, wie viele Geräte und Gadgets man eigentlich noch mit sich rumschleppen will. Man kann es kaum jemandem verdenken, wenn er zu der Auffassung kommt, dass so ein Tablet ja auch nicht sehr viel mehr ist als ein überdimensioniertes Handy, mit dem man nicht telefonieren kann. Und auch die Idee, das Tablet könnte das Notebook ablösen, hat sich nicht so richtig durchgesetzt.

Gewöhnen wir uns also langsam an den Gedanken, dass das Tablet zu einem Minderheitengerät wird. Eine Nische, kaum mehr massenfähig. Vom nächsten heißen Scheiß zum Auslaufmodell: So schnell geht das inzwischen. Manchmal reichen darf gerade mal fünf Jahre.

Von Christian Jakubetz am 28. März 2016 um 1:58 Uhr

3 KOMMENTARE

  1. avatar Günter Benning sagt:

    Könnte es sein, dass die Produkthaltbarkeit bei Tablets deutlich länger ist als bei Smartphones? Das würde ja erklären, warum ich mir nicht jede Jahr ein neues kaufen will.

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Klar, auch das spielt sicher eine Rolle. Aber ich glaube trotzdem, dass wir in erster Linie das Smartphone als das entscheidende Mobile Endgerät sehen werden. Schon alleine deswegen, weil man mit Phablets inzwischen ebenfalls gut lesen und auch noch halbwegs passabel arbeiten kann. Und weil vermutlich nur eine Minderheit immer zwei Geräte mit sich rumtragen und letztendlich auch pflegen will.

  2. avatar St. Rumpizill sagt:

    Ja, das ist eine sehr gute Analyse, genau so ist’s.

    Manche haben diese temporäre (Fehl-)Entwicklung auch gleich übersprungen und sich zuvor ein 700 g leichtes Ultrabook gekauft, auf dem auch heute noch problemlos die neueste Version von Windows 10 läuft.
    Und wenn’s mal mehr Leistung braucht, kann man das einfach via TeamViewer auf einem leistungsfähigen PC erledigen.
    Jo, jo, war schon teurer damals, aber in der Folge entstanden keine Folgekosten für immer neue Folge-Tablets, mancher kann sich’s eben nicht leisten zu sparen 😉 …

Kommentieren:

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft. Links sind nicht gestattet.
Mehr in den Kommentarrichtlinien.