10 Minuten Roger Cicero

Der Musiker Roger Cicero ist tot. Als uns diese Meldung gestern vormittag erreicht hat, haben wir mal wieder einiges gelernt darüber, wie sich die Dinge im Netz gerade ändern. Vor allem dann, wenn es um Bewegtbild geht…

Die Sache war nämlich die: Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Roger Cicero am 18. März im Bayerischen Fernsehen absolviert. Das Video aus der BR-Mediathek hatte also plötzlich einen völlig neuen Wert bekommen. Nämlich den eines Dokuments.

Und klar war uns vergleichsweise schnell auch etwas anderes: Das Netz erhöht auch für TV-Sender und sein Bewegtbild den Aktualitätsdruck ganz enorm.  Wir mussten also zusehen, schnell mehr zu liefern als die reine Meldung von Cicero Tod. Klar, es gab Tweets von BR24, die auf die Mediathek und den dortigen Beitrag verwiesen. Aber natürlich mussten und wollten wir den Beitrag auch im Original nochmal zur Verfügung stellen.

Das Problem: Der Auftritt des Musikers dauerte im Original gute zehn Minuten. Eine Länge, von der man normalerweise sagen würde, dass sie im Netz nicht geht, im sozialen Netz schon gleich gar nicht. Aber wäre es nicht zum einen eine Respektlosigkeit gegenüber einem großen Musiker gewesen, seinen Auftritt für unsere  Auftritte in sozialen Netzwerken auf 90 Sekunden einzudampfen? Und es nicht zum anderen einer der größeren Trugschlüsse im digitalen Journalismus, dass wir glauben, die Aufmerksamkeitsspanne der User reiche nur noch von hier bis jetzt?

Also haben wir den Auftritt gepostet. Im Original und in voller Länge. Das Ergebnis: überdurchschnittlich viele Abrufe, überdurchschnittliche Verweildauern. Was uns mal Wieder zeigt: Schön und gut, wenn man versucht, den (Video-)Journalismus im Netz in Regeln, Formate und Umfänge zu packen. Am Ende ist es dann aber doch wieder der Inhalt, der zählt. Er ganz alleine. (Bei Rückfragen dazu wenden Sie sich gerne auch an die Kollegen von Extra3 im NDR).

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Mit dem Fernsehen ist das ja so eine Sache: Es ist, so wie es ist, immer noch das meistgenutzte Medium in Deutschland. Und es ist eines, dass sich trotzdem verändern muss. Weil Bewegtbild im digitalen Zeitalter sehr viel mehr und auch sehr viel anders ist als das TV, das wir kennen. Weswegen wir gerade ein bisschen tüfteln. In einem hübschen, kleinen Labor.

Bei dem setzen wir uns vor allem mit einer Frage auseinander: Wie sieht Bewegtbild der Gegenwart und vor allem der Zukunft aus? Wie kann man Videos auf den inzwischen etlichen Kanälen einsetzen, welche Voraussetzungen braucht es dafür? Und wie sehr muss man Videos für die einzelnen Kanäle konfektionieren, dass sie dort auch funktionieren?

Und wie nutzen Sie Videos? Und auf welchen Kanälen? Feedback und Anregungen wie immer gerne hier in den Kommentaren, in den sozialen Netzwerken oder per Mail an beta@br24.de.

Von Christian Jakubetz am 30. März 2016 um 10:39 Uhr

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