Durchschnittlicher Papierberg nach einem durchschnittlichen Wochenende des Autors. (Foto: Jakubetz)

Weil wir es können…

Ich wundere mich manchmal ja selbst über meinen komplett unlogischen Umgang mit Medien. Gelegentlich kaufe ich mir beispielsweise eine komplette Ausgabe der „Zeit“ und freue mich mich dann königlich über den Haufen Altpapier, der dann, langsam wachsend, am Rande der Wohnzimmer-Couch auf den Boden sinkt. Mit Logik ist das nicht zu erklären, weil es von der „Zeit“ etliche gute Digital-Angebote gibt. In anderen Phasen wiederum mag ich es nicht, mir eine ganze „Zeit“ zu kaufen, weder analog noch digital. Dafür liebe ich es dann, das Blatt im Online-Kiosk „Blendle“ zu filetieren und mir nur die Stücke zu kaufen, die mich gerade interessieren. Wobei die Frage, was mich gerade interessiert, auch nicht
nach logischen Maßstäben zu beantworten ist. Was mir halt gerade so über den Weg läuft…

Durchschnittlicher Papierberg nach einem durchschnittlichen Wochenende des Autors. (Foto: Jakubetz)
Durchschnittlicher Papierberg nach einem durchschnittlichen Wochenende des Autors. (Foto: Jakubetz)

Umgekehrt habe ich keinerlei Hemmungen, gedruckte Bücher ebenso zu kaufen wie digitale Ausgaben. Ich lese Nachrichten in der BR24-App genauso wie ich klassische TV-Nachrichten anschaue. Und ich amüsiere mich über die Medienwissenschaftler, die, wie der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, versuchen, das Phänomen Podcasts zu ergründen. Warum hören Menschen plötzlich wieder lange Wortbeiträge, wenn sie doch mittlerweile alles sehen, multimedial und in 360 Grad und in virtuellen Realitäten erkunden könnten?

Die vermutlich einfache Antwort: weil wir es können.

Etwas komplexer gesagt: Die Tatsache, dass es gefühlte Millionen Möglichkeiten gibt, Medien zu konsumieren, ist eben erst einmal nur ein Angebot. Das Gute an Optionen sei ja, dass man sie hat, postulierte der Altkanzler Gerhard Schröder mal – und hat recht damit. Angebote kann man nutzen, man kann es ebenso gut bleiben lassen.

Und mittendrin in diese Überlegung platzt dann die folgende Meldung:
Infografik: Mobile Only ist (noch) kein großes Thema | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Das ist einigermaßen lustig, weil das ja andersrum bedeuten würde, dass es künftig eine bevorzugte Möglichkeit geben müsste, mit der jemand seine Nachrichten konsumieren müsste. Was aber nicht der Fall ist – und was auch nie jemand geglaubt hat: Eine App wie die von BR24 oder anderen Nachrichtenanbietern wird ja nicht entwickelt, um irgend etwas abzulösen, sondern im Gegenteil: Man will ergänzen, zusätzliche Wege und Möglichkeiten anbieten. Alles andere ist in einem (Achtung, das Wort beinhaltet was!) multimedialen Zeitalter absurd. Mobil ist ja einigermaßen nett. Aber eben nur eine von vielen Möglichkeiten.

Fernsehen, App, Radio, Podcast? Haben wir, können wir, wollen wir. Am besten alles zusammen.

Von Christian Jakubetz am 22. Mai 2016 um 2:23 Uhr

1 KOMMENTAR

  1. […] 22.5. der unlogische Umgang mit Medien: Weil wir es können …  (blog.br24.de) […]

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