Foto: Christian Jakubetz

Hauptsache Smartphone!

Was zum Teufel machen wir hier eigentlich? Vermutlich gibt es ungefähr keinen Journalisten, der sich das nicht schon mal gefragt hat. Man traut sich nur nicht, das auch öffentlich zuzugeben, weil: Man steht dann schnell mal als zukunftsverweigenderer Ignorant da, und wer will das schon? Also finden wir das alles ziemlich cool, wir snappen, chatten, whatsappen, twittern und facebooken, wir halten uns das Smartphone vor die Nase (hochformatig!) und machen das, was die digitale Welt von uns verlangt.

Foto: Christian Jakubetz
Foto: Christian Jakubetz

Ich hab´die Tage mal nachgefragt. Bei einem, der deutlich jünger ist als ich, er studiert nämlich und ist gerade in einem meiner Kurse gelandet. Also, frage ich ihn: Wo, bitteschön, bekommen Sie denn jetzt Ihre ganzen Nachrichten und den anderen Kram, der irgendwie wichtig sei könnte, wo bekommen Sie den her?

Kurze Pause.

Kann er mir auch nicht so genau sagen.

Das finde ich als Antwort etwas unbefriedigend und hake deswegen, ganz Journalist und in dem Fall gottlob auch Autorität als Dozent, etwas nach: Geht´s nicht etwas präziser?

Yoa, sagt er, so wie Menschen seines Alters inzwischen immer sagen, yoa, also: aus dem Handy halt. Aus den ganzen Seiten und Netzwerken, die es da so gibt. Facebook, das würde ich ja wohl kennen (für die Bemerkung gibt´s Punktabzüge, junger Mann!). Und dieses Snapchat und YouTube, von überall her halt.

Bei meiner nächsten Nachfrage muss der junge Mann lachen: Ob er denn nicht irgendeine Homepage bevorzuge , so eine Art Nachrichten-Basislager?

Er sagt es nicht, aber ich ahne, was er denkt: Homepage? Sie sind aber mal ein lustiger Dozent. Weil er nicht noch weitere Punktabzüge riskieren will, verpackt er das etwas freundlicher: Homepage, sowas schaue doch niemand mehr an. Wenn er denn so etwas halbwegs ähnliches wie eine Homepage nutze, dann sei das am ehesten noch Facebook. Aber irgendwie auch nicht so richtig.

Wenn er denn Chefredakteur von irgendwas wäre, was würde er dann machen, frage ich ihn.

Ja, also: Facebook als Homepage. Und den Rest halt dahin packen, wo es gerade passt und wo die Leute sind. Punkt.

Das alte Internet stirbt gerade

Bevor Sie sich aufregen: Der junge Mann bekommt natürlich keinerlei Punktabzüge, sondern eher ein dickes Lob, für ein spannendes Gespräch. Zugegen, ich hab´s immer noch nur in der Theorie kapiert, weil es für mich persönlich und vermutlich auch für viele andere meiner Alters-Leidensgenossen einfach nicht meine Welt ist. Wir kommen aus einer Zeit, in der das Internet ein paar Homepages waren , die dann irgendwann mal mit mehr oder weniger bedeutenden Ablegern erweitert wurden. Diese Struktur löst sich gerade vollständig auf. Wer sich immer noch darauf verlässt, dass die User auf seine Homepage kommen, wird vermutlich lange warten.

Stattdessen: Das Netz und überhaupt dieser ganze Journalismus-Kram, das wird zunehmend zur Summe von sehr vielen und manchmal sehr kleinen Teilen. Das muss keineswegs schlecht sein, es ist nur so ganz anders.

Und davon abgesehen: Wenn es denn wirklich so ist, das jetzt und künftig Inhalte da platziert werden, wo es den Nutzern am besten behagt, dann sind selbst für uns Homepage-Neandertaler die Aussichten gar nicht so schlecht.

Man kann nämlich schon jetzt ungefähr alles tun, ohne irgendwas anderes bleiben zu lassen.

Von Christian Jakubetz am 8. Juni 2016 um 2:47 Uhr

4 KOMMENTARE

  1. avatar Michael P. sagt:

    Zusammenfasst: Die Homepage bleibt durchaus, nur der Zugang zu ihnen vollzieht sich wenig direkt, sondern vor allem via Netzwerken. Was eben dem Netzcharakter des Netzes entspricht.

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Ich glaube zwar auch, dass sie bleiben wird. Aber tatsächlich geht man doch von einem Netzwerk aus nur zu einem einzelnen Beitrag, als gleich die gesamte HP zu nutzen. Oder?

  2. avatar Michael P. sagt:

    Ja, das meinte ich. Wobei auf Homepages ja mit Related Links meist zu weiteren Artikeln verführt wird, was ich ziemlich häufig nutze. Im übrigen klicke ich einige ausgewählte Homepages durchaus auch noch direkt an, vor allem meine Heimatzeitung. Aber schon viel weniger. Man kommt ja schon kaum hinterher, das Zeug aus den Netzwerken zu lesen – das ist ja schon eine Zeitfrage, und die Netzwerke dienen vor allem der zeitlichen Rationalisierung der Mediennutzung.
    Im übrigen bleibt noch eine Leib- und Magenhomepage, die auch direkt angesteuert wird. Bei den meisten dürfte das SPON sein, sowie BILD, Focus, ZEIT u.ä.

  3. avatar Stephan sagt:

    Sehr guter Artkel – alles absolut korrekt.
    Es muss keine Homepage mehr sein, nowthisnews.com hat das sehr schön auf seiner „Homepage“ formuliert:
    HOMEPAGE.
    EVEN THE WORD
    SOUNDS OLD.
    WE BRING THE NEWS
    TO YOUR
    SOCIAL FEED.

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