Der Kopf, das beste Netzwerk

Na, auch gerade gefangen im Prinzip Netzwerk? Oder fangen Sie gerade an darüber nachzudenken, dass der eigene Kopf vielleicht doch die bessere Maschine ist als ein Algorithmus?

Es gibt eine Kommunikationsmaschine, die so riesig ist wie noch eine zuvor auf der Welt. Sie heißt Facebook Inc., zu ihr gehört Facebook und zu ihr gehören noch so viele andere große Angebote, dass man zusammengerechnet mühelos zu dem Schluss kommen kann: Facebook dominiert die Welt des sozialen Netzes. Und dass irgendwo eine Ende dieser unglaublichen Dominanz absehbar wäre, ließe sich beim besten Willen nicht behaupten.

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Ein paar Zahlen zur Verdeutlichung: Die drei größten Netzwerke bzw. Messenger kommen aus dem Hause Zuckerberg, Instagram landet auf Platz 6. Würde man die Zahl der User addieren, käme man auf 4 Milliarden Nutzer. Die Rechnung ist natürlich irreführend, weil unter diesen 4 Milliarden etliche sind, die mehrere dieser Dinge nutzen. 4 Milliarden Nutzer sind also nicht euch bedeutend mit 4 Milliarden (unterschiedlichen) Menschen. Trotzdem: Rechnet man diese User-Zahl zusammen, werden alle anderen zu Zwergen. Selbst das in letzter Zeit so gehypte Snapchat bringt es „nur“ auf rund 300 Millionen Nutzer. Was ziemlich beachtlich ist auch angesichts der Kürze der Zeit, in der Snapchat gewachsen ist, aber dennoch: Damit ist man noch nicht mal richtig in Schlagweite zu Facebooks kleinstem Netzwerk „Instagram“.

Eine Machtposition ungeahnten Ausmaßes für das soziale Netzwerk

Das alles kann man ganz pragmatisch sehen und nicht ganz wenige tun das auch: Dann sollen doch die etablierten Medien, die ohnehin irgendwie so gestrig sind, ganz einfach dahin gehen, wo auch die Menschen sind. Kann ja so schwer nicht sein und außerdem schadet es den journalistischen Betonköpfen ohnehin nicht, wenn sie sich mal ein bisschen bewegen. Das ist ein verständlicher Reflex und zudem auch der Bequemlichkeit geschuldet: Wo man gerade so schön bei Facebook unterwegs ist, wäre es da nicht praktisch, wenn es dort Medien gleich noch mit dazu gäbe?

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Logik nach Zahlen…(Foto: Wikipedia/Andreas Preuß/Der Urheberrechtsinhaber dieser Datei hat ein unentgeltliches, bedingungsloses Nutzungsrecht für jedermann ohne zeitliche, räumliche und inhaltliche Beschränkung eingeräumt.)

Und weil das so ist, sind sie alle dabei (notabene, der BR ebenfalls). Man ist bei Facebook und all den anderen, weil es gar nicht mehr anders geht. Diese Machtposition sozialer Netzwerke, insbesondere von Facebook, muss man sich mal vorstellen: De facto kann es sich kein Medienunternehmen der Welt mehr leisten, auf das große Reich des Mr. Zuckerberg zu verzichten. So viel (mediale) Macht in einer Hand gibt es ansonsten nur in Reichen, in denen man auf Gewaltenteilung nicht den allergrößten Wert legt. Schon gut, klar: der Vergleich hinkt. Schließlich sind wir ja alle freiwillig bei Facebook. Und der Konzern bietet seinen Usern auch was Feines, kostenlos noch dazu.

Ein Netzwerk will nicht weniger als: alles

Trotzdem, auch wenn sich der Autor selbst dazu bekennt, soziale Netzwerke halbwegs intensiv zu nutzen und regelmäßig auch Medien dort zu konsumieren: Bitte denken Sie bei Gelegenheit darüber nach, dass Sie in einer Maschinerie Platz nehmen, die nicht weniger will als: alles. Und jeden. Soziale Netzwerke haben keinen Anfang und erst recht kein Ende. Wer mag, kann sich zu jeder Zeit dort einloggen und den ganzen Tag dort verbringen. Dass – beispielsweise -Facebook alles dafür tut, jedem Nutzer die Illusion von ständigen Neuerungen und Veränderungen zu suggerieren, ist Teil des Plans. Wer das Gefühl hat, es tue sich andauernd irgendetwas interessantes, wird viel eher wiederkommen als jemand, der der Realität ins Auge blickt: So viel Neues, wie die Windmaschinen des sozialen Netzes uns Glauben machen wollen, passiert nicht. Man muss sich dazu nur einmal auf ein kleines Experiment einlassen: einen Tag lang Mails und soziale Netze kappen. Am nächsten Morgen wird mal feststellen: In 99 Prozent der Fälle ist so wenig passiert, dass ein einfacher Besuch pro Tag auch gereicht hätte.

Warum das hier steht? Bevor Sie auf die falsche Spur kommen: Nein, keineswegs weil ein paar ewiggestrige Rundfunker und Fernsehleute nicht begriffen haben, wie diese neue digitale Welt tickt. Oder weil man den Riesenkonzernen den Erfolg nicht gönnt und weil man moralisieren will darüber, wie schädlich der Einfluss dieser digitalen Welt auf unser Leben ist. Der Hintergrund ist ein anderer: In Zeiten des digitalen Overkills ist es wichtiger denn je, die richtigen Filter anzulegen. Man kann sich mühelos in eine Falle begeben, die man in den USA so schön overnewsed and underinformed nennt.

Der beste Filter: Personalisierung

Es gibt also vermutlich sehr gute Gründe dafür, warum eine der beliebtesten Funktionen in der BR24-App die der Personalisierung ist. Sich selbst heraussuchen, was in einem Newsstream von Relevanz sein könnte, hat im Zeitalter der Algorithmen eine ganz besondere Bedeutung. Weil man sich das Denken nicht von einem Algorithmus abnehmen lässt und weil man sich vor allem nicht in die Abhängigkeit von einem Algorithmus begibt. Der eigene Kopf als das Netzwerk, ist das nicht mal ein ebenso simpler wie guter Gedanke?

Und ganz davon abgesehen: Wenn man sich wieder aus den Klauen der Giganten begibt, ist das bestimmt kein Schaden. Zuviel Macht bei einem war noch nie eine sonderlich gute Idee…

 

 

Von Christian Jakubetz am 20. Juli 2016 um 5:58 Uhr

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