Video, Audio, Text? Und alles hübsch nacheinander? So funktionieren Medien im Jahr 2016 nicht mehr...(Foto: BR)

Unlogik ist die neue Logik

Wenn man sich gelegentlich als Mensch fernab der Jugendlichkeit anschaut, was Menschen, denen man diese Jugendlichkeit eindeutig noch zugestehen muss, so alles mit Medien treiben, es könnte einem schwindlig werden.  Zu einem einzigen Thema werden Texte gelesen, werden Videos gehrt, Animationen genutzt und weiß der Geier sonst noch was alles gemacht. Kreuz und quer. Ohne eine erkennbare Logik. Ohne irgendetwas, was nach erkennbarem Muster aussieht. Und vor allem: Meistens ganz ohne Reihenfolge, zumindest ohne eine feste. Das ist für Menschen, die wie ich aus einer eher ordnungsliebenden Generation kommen, erstmal schwer zu begreifen. Macht man es nicht seit jeher schon so, dass man einen Text am Anfang beginnt und am Ende aufhört?

Video, Audio, Text? Und alles hübsch nacheinander? So funktionieren Medien im Jahr 2016 nicht mehr...(Foto: BR)
Video, Audio, Text? Und alles hübsch nacheinander? So funktionieren Medien im Jahr 2016 nicht mehr…(Foto: BR)

Nein. Nicht mehr.

Möglicherweise ist ja genau das der eigentlich größte Schritt der Veränderung, wenn wir heute über die Digitalisierung reden: dass Medien kein geordnetes Nacheinander, sondern ein assoziatives Nebeneinander sind. Einfacher gesagt: Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn Menschen Informationen querbeet, über alle Kanäle und ganz nach eigenem Gusto konsumieren. Und selbst wenn man das schlimm fände, es wird nicht zu ändern sein. Weil dieses Nebeneinander inzwischen eher die Standard-Nutzung und nicht die große Ausnahme ist. Weil digitale Medien genauso ticken: Nimm dir, was die gefällt.  Linear, das ist ist irgendwie so 2010. Das mediale Patchwork ersetzt also die Linearität, weswegen es übrigens nur konsequent ist, dass beispielsweise die BR24-App nicht auf Ressorts und andere Strukturen setzt, sondern dem Nutzer genau diesen Freiraum lässt, den er für das Patchwork braucht.

Wahrscheinlich müssen wir alle uns einfach daran gewöhnen: Mediennutzung im digitalen Zeitalter hat alle Fesseln abgestreift. Es gibt kein gut und schlecht, kein richtig und falsch mehr (falls es das überhaupt einmal gegeben haben sollte).

Es ist also ein ziemlicher Unfug, im Jahr 2016 noch irgendwelche Mediengrenzen zeigen zu wollen. Darüber zu reden, was wichtiger sei, Text, Videos oder vielleicht doch Social Media. Dem User sagen zu wollen, was er zu mögen und zu nutzen hat.

Das weiß er mittlerweile selbst am allerbesten.

Von Christian Jakubetz am 4. August 2016 um 8:38 Uhr

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