Jeder nur ein Netzwerk!

Die Debatte gibt es seit Anbeginn der sozialen Netze schon, ungefähr also seit ein paar wenigen Jahren: Wer wird der nächste Killer eines sozialen Netzwerkes? Und, ganz neu: Ist Snapchat künftig das Maß aller Dinge?  Dass es so etwas immer wieder gibt, haben wir in diesen wenigen Jahren ja immer wieder erlebt.  MySpace kam und ging dann auch sehr schnell wieder, Second Life war eine nette Episode,  StudiVZ lebt nicht mal mehr in der Erinnerung fort. Seit wir auf dem blauen Planeten Facebook leben, gibt es immer wieder die Frage: Wer ist der Facebook-Killer? Das hat möglicherweise damit zu tun, dass man den Social-Media-Riesen zwar riesig, aber nicht unbedingt sympathisch finden muss. Und damit, dass sich Facebook schon erstaunlich lange auf dem Thron hält. Und damit, dass das Netz immer ein bisschen schneller (manche sagen auch: hysterischer) tickt als die analoge Welt.

social-lg Facebook-Killer oder einfach nur ein Netzwerk für eine sehr spezielle Zielgruppe? Snapchat und die Entwicklung auf dem Social-Media-Markt sorgen für Debatten.
Facebook-Killer oder einfach nur ein Netzwerk für eine sehr spezielle Zielgruppe? Snapchat und die Entwicklung auf dem Social-Media-Markt sorgen für Debatten.

Das ändert nichts daran, dass an der Aufgabe, Facebook vom Thron zu stürzen, schon einige gescheitert sind. Dass jemand in Sicht wäre, der das könnte, ließe sich jetzt auch nicht gerade…oh, wait. Da ist ja die Sache mit Snapchat, das nächste, aktuelle, superheiße Ding, das gerade unterwegs ist und von dem inzwischen auch weitgehend kenntnisbefreite Menschen ganz genau wissen, dass es demnächst mindestens die Welt regieren wird.

Tatsächlich scheinen die Zahlen auf den ersten Blick beeindruckend. Snapchat boomt und wächst ungebremst. Fast niemand lässt bei Debatten über die App unerwähnt, dass insbesondere das jüngere Publikum sich zunehmend von Facebook abwendet, schon alleine deswegen, weil man da ja seinen Eltern begegnen könnte.

Man kann umgekehrt darauf warten, wann endlich irgendjemand den nächsten Snapchat-Killer ausfindig macht. Oder den Killer des Snapchat-Killers. So ist das ist der digitalen Welt: immer schnell, immer erbarmungslos, immer auf der Suche nach dem nächsten großen Ding.

Womöglich werden auch die sozialen Netze gerade ein normaler Medien-Markt…

Dabei passiert auch in den soziale Netzwerken gerade nichts anderes als in allen anderen (Medien-)Märkten auch: Der Markt fragmentiert, es gibt zunehmend Angebote für alle möglichen Zielgruppen. Dass Snapchat dabei gerade der Favorit der Jüngeren ist, braucht also niemanden beunruhigen, wenn man nicht gerade Mark Zuckerberg ist und von der digitalen Weltherrschaft fantasiert. Snapchat für die Kids, Facebook für den Mainstream, Twitter für die Medienmeute, Flickr und Instagram für Foto-Affine – nicht unwahrscheinlich, dass man diese Liste demnächst erweitern wird können.

Was ja auch gar nicht schlimm ist, im Gegenteil. Der digitalen Welt würde es nicht schaden, wenn sie sich von dem einen General-Filter für alles (momentan: Facebook) verabschieden würde. Es hat dem Menschen noch nie gut getan, wenn seine Medien überwiegend aus einer Quelle stammen. Dass Facebook schon jetzt ein gigantischer Medien-Filter ist, mit mehr Macht als die meisten Medienhäuser überhaupt – wer wollte das bestreiten?

Ein General-Filter für alle ist keine wirklich gute Idee

Wenn es also eine vernünftige Entwicklung in diesem merkwürdigen Markt gäbe, dann  die: Menschen vernetzen sich wieder zunehmend nach ihren Interessen, nach ihrem Alter, nach ihren Lebensbedingungen. Es gibt wieder viele kleine und mittelgroße Netzwerke. Niemand muss mehr hyperventilieren, weil ein einziges Unternehmen ein bisschen an seinem Algorithmus schraubt.

Und eines würde damit auch verschwinden: diese ganzen unsäglichen  Debatten darüber, wer gerade wen killt und wo man unbedingt sein muss, um überhaupt noch digital existieren zu können. Und die Frage, was jetzt die Zukunft des Journalismus ist und was nicht…

Von Christian Jakubetz am 25. August 2016 um 11:52 Uhr

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