Hauptsache Smartphone!

Sie lesen diesen Text hier auf dem Smartphone? Obwohl der Screen vergleichsweise klein ist und obwohl Sie gerade irgendwo unterwegs sind? U-Bahn, Wartezimmer oder sonstwo? Oder womöglich doch auf der Couch daheim, obwohl es daheim irgendeinen Computer mit einem deutlich größeren Bildschirm gäbe?

Herzlichen Glückwunsch! Das ist nicht unlogisch, sondern exakt: Mainstream. Weil das, was Sie da vermutlich jeden Tag machen, vor ein paar Jahren noch ein wenig gewöhnungsbedürftig gewesen wäre. Heute machen es, naja, nicht alle, aber eben doch sehr, sehr viele so.

Das muss man in dieser Form wahrscheinlich erstmal festhalten, weil es den Endpunkt einer Entwicklung markiert, die man nicht unbedingt so absehen hat können. Smartphones, dieses kleinen Teile, die ein gewisser Steve Jobs vor nicht mal zehn Jahren der staunenden Öffentlichkeit präsentierte, sind das Endgerät schlechthin geworden. Das Ding, auf dem sich unser aller digitales Leben zu einem beträchtlichen Teil abspielt. 2007 vorgestellt  – heute das meist genutzte Online-Gerät überhaupt. 2016 ist das Jahr, das diesen Schritt endgültig markiert, wie die ARD-ZDF-Onlinestudie herausgefunden hat.

In ein paar Zahlen gepackt: Danach befragt, mit welchem Gerät sie ins Netz gehen, nennen inzwischen mittlerweile ziemlich zwei Drittel der Deutschen das Smartphone. Diese Entwicklung war absehbar, weil die Zuwachsraten in den letzten Jahren konstant war. Und dennoch ist sie auch wieder überraschend: Im vergangenen Jahr waren es „nur“ 52 Prozent – da ist die Steigerung auf 66 Prozent innerhalb von 12 Monaten schon beachtlich. Aber wie auch immer: Das Smartphone ist nun endgültig im Mittelpunkt unserer digitalen Welt angekommen.

Was natürlich nicht bedeuten muss, dass alle anderen Geräte bedeutungslos werden. Bei der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich. Laptop beispielsweise halten sich seit Jahren konstant, lediglich der stationäre PC verliert immer mehr an Bedeutung. Nachdem aber auch – auf niedrigerem Niveau – Tablets an Beliebtheit zulegen, lässt sich zudem ein zweiter Trend ausmachen: Hauptsache halbwegs beweglich. Aber an einen festen Platz, womöglich noch an einen Schreibtisch gebunden zu sein, wenn man ins Netz will: Das ist zunehmend mehr ein Relikt aus den grauen Vorzeit-Tagen des Webs.

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Quelle/Grafik: ARD-ZDF-Onlinestudie 2016.

Smartphone, Tablet, Laptop: Hauptsache beweglich!

Auch dieser Trend ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Das Netz ist bei uns. Immer und überall. Wenn es das mal nicht wäre, würden wir es schmerzlich vermissen. Es ist also nur noch wenig überraschend, wenn mittlerweile 68 Prozent der Deutschen von sich sagen, dass sie wenigstens ab und an mal mobil ins Netz gehen. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 55 Prozent. Täglich mobil im Netz sind demnach 33 Prozent (Vorjahr: 23 Prozent).

Wäre man Skeptiker, man könnte aus diesen Zahlen herauslesen, dass es immer noch einen nicht unerheblichen Prozentsatz  „Verweigerer“ gibt.  Man muss allerdings kein Prophet sein, um zu ahnen: Auch das wird sich noch ändern in den kommenden Jahren. Weil es beim Thema mobile Netznutzung/Smartphones wie so oft im Web einen digitalen Graben gibt, der vor allem mit dem Alter zu tun hat. Ganz einfach gesagt:  Die Generation der Millenials kann sich vermutlich gar nichts anderes mehr vorstellen. Bei den Älteren, vor allem der Generation 65 +, ist dagegen ein massiver Abfall an digitalen Lebensweisen zu beobachten.

Nachrichten, Medien und Smartphones – das geht gar nicht mehr anders

Natürlich, so ein Smartphone kann als eine Art digitales Schweizer Taschenmesser gar nicht anders als vielfältig. Man macht alles mögliche damit. Aber eben auch das: Medien nutzen. Das klingt auf der einen Seite komplett logisch. Auf der anderen Seite hat aber diese vermeintliche Selbstverständlichkeit etliche massive Auswirkungen auf Journalismus und Medien, von denen wir das eine oder andere heute noch gar nicht vorhersehen können. Zumindest aber ahnen wir: Da entsteht gerade etwas völlig Neues, was wir nicht mit den Rezepten aus der analogen Zeit lesen können.  Und bei manchem sitzen wir dann auch einfach mal da und staunen und überlegen uns dann anschließend, ob wir das jetzt eigentlich richtig finden sollen oder eher nicht. Heute früh beispielsweise gab es bei den diversen Streamingdiensten Live-Bilder aus Mossul zu sehen. Die gerade begonnene Offensive gegen den US, rasselnde Panzer und kämpfende Bodentruppen, live zum Frühstück aufs Handy: Als Journalist muss man da erst mal lange nachdenken, wie man das eigentlich finden soll.

Was uns auf der anderen Seite aber zeigt, dass wir unseren Journalismus eher gestern als heute an diese neuen Gegebenheiten anpassen müssen. Anpassen bedeutet nicht: Wir müssen das jetzt genauso machen. Aber wenn auf Smartphones plötzlich Live-Bilder aus den Krieg zu sehen sind und wenn jeder potenziell alles sofort essen und debattieren kann, dann sehen wir mit einem analogen Radio- und TV-Programm erst mal ein bisschen alt aus. Vor allem dann, wenn man als öffentlich-rechtlicher Rundfunk ja auch einen gesetzlich verankerten Informationsauftrag hat.

Wir sehen uns also alle auf dem Smartphone wieder. Ob in Apps, auf mobilen Webseiten, in Livestreams: Hauptsache mobil!

Von Christian Jakubetz am 17. Oktober 2016 um 10:41 Uhr

2 KOMMENTARE

  1. […] das Smartphone also mittlerweile das zentrale Mediengerät geworden ist, dann handelt man mit Google Pixel exakt richtig: Inhalte und Funktionen so gestalten, dass sie auf […]

  2. […] würden): Immer mehr Menschen gehen mobil ins Netz. 2016 war sogar das Jahr, in dem erstmal die mobile Nutzung die stationäre überholte. Ohne echte Mobil-Strategie und Angebote, die sich auf Smartphones und Tablets nutzen lassen, ist […]

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