Leben mit dem Netzwerk-Effekt

Heute dürfen Sie mal ein bisschen raten: In welchem sozialen Netzwerk können Sie mittlerweile ganze Geschichten erzählen? Mit welchem Messenger lassen sich auch Emojis, Videos, Fotos und andere digitale Anhängsel verschicken? Und in welchem Netzwerk lassen sich Videos anschauen, die sofort dann losgehen, wenn man sie in der Timeline erreicht? Und, Frage für später: schon mal was von Netzwerk-Effekt gehört?

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Der Netzwerk-Effekt: Jeder ist da, wo alle sind…(Foto: Norlando Pobre/licensed under creative commons)

Einfache Antwort: im Prinzip bei allen. Bei Twitter gibt es inzwischen die „Moments“, die so ähnlich sind wie die „Stories“ bei Instagram, die wiederum ein exaktes Plagiat der „Stories“ bei Snapchat sind. Und hallo, multimedialen Krempel mit Messengern verschicken? Kann jeder, ist Standard – und sogar Apple hat seinen bisher eher spröden Messenger mit der neuesten iOS-Version so gepimpt, dass er jetzt ein bissel nach Whatsappfacebookmessenger ausschaut…

Social Media: Immer mehr vom immer gleichen

Das mag man ein bisschen einfallslos finden, klar. Wenn mittlerweile im Netz noch mehr von more of the same existiert. Und wenn sich alle immer ähnlicher werden. Was aber auch bedeutet: Immer mehr folgen der selben Idee. Nämlich, dass sie zu einer Art hyperkonvergenten Kommunikationszentrale werden, in denen sich nicht nur Menschen einfach austauschen. Sondern in denen auch die Medien und der Journalismus der Zukunft stattfinden.

Das geht natürlich nicht ohne Inhalte, die solche Netzwerke nicht selbst herstellen. Also bitten sie nicht nur ihre Nutzer, sondern vor allem klassische Medien in den Zulieferer-Dienst: Erzählt uns eure Geschichten, teilt eure Momente bei uns! Aus Sicht der Konzerne und Netzwerke ist die Idee klar: je mehr Geschichten, desto besser. Im Web geht es um Masse. Netzwerk-Effekt nennt man das, the winner takes it all. Wer die meisten User bei sich versammeln kann, gewinnt auf Dauer.

Weil sich Netzwerke vor allem über ihre Größe definieren. Ein Netzwerk, in dem nichts passiert? Ein Messenger, den vermeintlich keiner nutzt? Tot! Was man am besten bei Whatsapp beobachten konnte und kann: erst die fehlende Verschlüsselung, dann die nahezu lückenlose Freigabe der Nutzerdaten an die große Konzernmutter Facebook. Die Aufregung war nur kurz, für ein paar Tage verzeichneten alternative Messenger ordentliche Donwloadzahlen – danach war wieder Ruhe. Ein Blick aufs eigene Smartphone: In meinem Threema-Messenger findet sich noch genau ein (!) wirklich aktiver Kontakt,  während Whatsapp irgendwo in der Nähe von einer Milliarde Nutzer weltweit agiert.

Der Netzwerk-Effekt will Inhalte – am besten nur bei sich

Der Journalismus, so heißt es schon seit ein paar Jahren, muss die Menschen da abholen wo sie sind. Das ist inzwischen meistens irgendwo im Netz und nicht ganz selten in einem sozialen Netzwerk. Weil man von da aus aber wieder zurücklinken kann auf die eigenen Angebote, fahren die Protagonisten von Social Media inzwischen eine eindeutige Strategie: Das Bereitstellen von originären Inhalten direkt auf den Servern wird belohnt, der Link nach draußen nur so mittelgerne gesehen. Um ein paar Anreize zu schaffen, macht man auch einiges: Man entwickelt Tools und Plattformen, auf denen es so simpel wie noch nie ist, Geschichten zu erzielen, Artikel zu schreiben und Momente zu teilen.

Das sind – natürlich – auch ein paar der guten Gründe dafür, warum das Projekt BR24 in diesen sozialen Netzwerken nicht nur vertreten, sondern auch aktiv ist.  Journalismus, der niemanden erreicht, das macht nur wenig Sinn.

Trotzdem, wir hätten da zumindest noch eine kleine Anmerkung: nämlich die, dass es Communitys, Austausch, Interaktion und spannende Geschichten nicht nur in den Netzen des Silicon Valley gibt. Das ist weit weg und interessiert sich für Bayern naturgemäß nur sehr eingeschränkt.

Und außerdem: Im echten Leben gehen Sie ja auch nicht immer in nur eine Kneipe…

Foto auf dieser Seite: Norlando Pobre, www.flickr.com, licensed under creative commons.
Von Christian Jakubetz am 19. Oktober 2016 um 5:59 Uhr

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