360 Grad und es wird noch heißer…

In der Theorie klingt die Sache ja einfach: 360 Grad-Videos und Virtual-Reality-Anwendungen sind im Massenmarkt angekommen. Eindeutige Indikatoren: Die Geräte sind halbwegs kostengünstig und Plattform-Riesen wie Facebook setzen zunehmend auf solche Anwendungen. Bei BR24 tun wir das auch. Allerdings im Wissen, dass die Integration von 360 Grad in die App nur ein erster Schritt sein kann…

360 Grad Christo
360 Grad bei BR 24: Was zunächst im Web begann, ist jetzt auch Bestandteil der App.

In der kommenden Woche beginnen die Münchner Medientage. Da wird viel mittelspannendes und gelegentlich auch mal spannendes Zeug erzählt. Sicher aber ist: Über 360 Grad und VR wird gesprochen werden und mit ein bisschen Glück gerät man auch mal in eine interessante Debatte zum Thema.

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, was der Tenor ist: 360 Grad und VR, das ist die Zukunft. Schließlich spricht ja auch reichlich viel dafür, dass es mit dem klassischen, zweidimensionalen Video alleine nicht mehr getan sein wird. Mit 360 Grad und virtuellen Realitäten lassen sich Menschen plötzlich an Orte mitnehmen. Man zeigt ihnen buchstäblich das ganze Bild. Und man kann Bilder und Eindrücke plötzlich mit etlichen weiteren Informationen anreichern. Was also soll dagegen sprechen, das auch zu tun?

Technisch und inhaltlich steht 360 Grad erst am Anfang

Natürlich spricht nichts dagegen. Solange man sich darüber im Klaren ist, dass man mit einer Form arbeitet, deren Entwicklung noch ganz am Anfang steht, sowohl inhaltlich als auch technisch. Was die Technik angeht, gibt es immerhin ziemlich schnelle Fortschritte. Immer mehr Browser und Apps sind in der Lage, 360 Grad ohne größere Probleme darzustellen (darunter auch die BR24-App). Auch Youtube gehört dazu – was naturgemäß eine wichtige Sache ist: Wenn die weltweit größte Videoplattform ein Format unterstützt, dann ist sie reif für den Massenmarkt. Das gilt auch für Browser, von denen zumindest bei den größeren nur noch Apples Safari nicht mitzieht (erstaunlich genug!).

Das gleiche Spiel vollzieht sich gerade auf Hardware-Seite. Immer mehr Hersteller bringen Kameras auf den Markt, die ersten Erweiterungen für das Smartphone gibt es auch schon. Sie sind inzwischen zu Preisen zu bekommen, die den klassischen Consumer ansprechen. Und das wissen wir ja nun aus ungefähr allen Entwicklungen zuvor. Wenn erst mal etwas auch auf Konsumenten-Seite angekommen ist, dann wird es für Medien relevant. 360 Grad, diese Prognose ist alles andere als gewagt, wird sich in den kommenden Jahren zu einem (privaten) Massenphänomen entwickeln. Journalisten, die keine entsprechenden Angebote haben? Schwer vorstellbar.

Trotzdem: Auf der inhaltlichen Seite gibt es noch genüg Rätselstoff. Was will man eigentlich mit 360 Grad erzählen, wenn man mehr bieten will als einen Rundumblick von Berggipfel oder in Flugzeug-Cockpits? Und wie das schon immer war mit (digitalem) Storytelling: content follows function. Wir werden sehen, was sich daraus machen lässt. Vorerst sind Medien bei diesem Thema mal wieder in der Lage, dass wir probieren und verwerfen. Wie so oft in den letzten 20  Jahren.

Virtuelle Realitäten

Wenn man das Thema Virtual Reality als einen Verwandten des Themas 360 Grad betrachtet, dann lässt sich über beide das Gleiche sagen: Man ahnt, welche Potentiale dahinter stecken und wie Journalismus, Medien und Kommunikation verändern könnten. Aktuell befinden wir uns – mal wieder – in der Trial-and-Error-Phase, weil wir ja erstmal herausfinden müssen, was Sinn macht. Und was nicht. Nicht alles, was man sich vorstellen kann, wird am Ende auch erfolgreich sein.

Aber klar ist auch: Zumindest die Voraussetzungen sind da, dass man mit VR Dinge erleben kann, wie sie zuvor noch nie möglich waren. Ein paar dieser Voraussetzungen müssen allerdings erst noch geschaffen werden. Vor allem dann, wenn wir über VR auf dem Smartphone reden. Flächendeckend wird erst dann ein Vergnügen daraus, wenn ebenso flächendeckend Bandbreiten da sind, mit denen man solche Anwendungen nutzen kann.  So ist das nun mal im digitalen Zeitalter: Die Technik treibt den Journalismus mehr als uns lieb ist…

Und was wird aus Augmented Reality?

Was man auch beim Thema „Augmented Reality“ sehen kann. Es ist so lange noch nicht her, dass man AR als das definitiv nächste große Dinge gesehen hat. Zumal man mit der Google-Brille auch eine Hardware hatte, die vermeintlich den Durchbruch für die erweiterten Realitäten bringen sollte. Die Sache mit der Brille erledigte sich dann allerdings schneller als erwartet…

Mittlerweile nimmt AR einen neuen Anlauf. Nicht zuletzt befeuert durch den zwischenzeitlichen Erfolg von „Pokémon Go“. Nun wird man im Journalismus sicher nicht weit kommen mit der Jagd auf kleine, hässliche Figuren. Aber das Spiel hat zumindest ein paar Sachen gezeigt. Nämlich, dass die technischen Umsetzung für Apps auf dem Smartphone machbar ist. Und dass Nutzer so etwas auch gerne mögen.  Das Problem der Datenbrille war ja weniger, dass man keine AR mag. Sondern dass man nicht wirklich wusste, was der Träger einer solchen Brille gerade macht – er könnte ja auch unbemerkt das Geschehen filmen wollen.

Wie auch immer: Man sei „high on AR“, sagt beispielsweise Apple-Chef Tim Cook. Und wenn ein Konzern dieser Größenordnung das Thema vorantreiben will, dann kann man sich leicht vorstellen, was das mittelfristig bedeutet…

Von Christian Jakubetz am 23. Oktober 2016 um 6:55 Uhr

Kommentieren:

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft. Links sind nicht gestattet.
Mehr in den Kommentarrichtlinien.