Sind dann bald mal alle im Netz?

Nur mal angenommen, jemand würde sich hinstellen und sagen: Dieses Internet, das erlebt jetzt gerade den ganz großen Durchbruch – man würde ihn vermutlich für ein wenig aus der Zeit gefallen halten. Zumindest dann, wenn man sich nur ein ganz kleines bisschen mit dem Thema beschäftigt hat. Internetnutzung und Durchbruch? Im Jahr 2016? Wie albern, denkt man sich, wirft einen Blick auf die Smartwatch, und macht dann via Messenger die nächsten Termine aus.

Internetnutzung
Immer gegenwärtig: Das Netz auf allen möglichen Geräten. 2016 ist schon jetzt das Jahr, in dem die Internetnutzung in Deutschland den größten Schub seit Jahren erlebt hat. (Foto: Jakubetz)

Dabei – und das müssen sich wahrscheinlich alle First Mover, Nerds und Geeks in irgendeine App schreiben – ist das gar nicht mal so falsch. Zumindest dann nicht, wenn wir vom Netz als Massenphänomen reden. Da stellt sich dann beispielsweise plötzlich heraus, dass es in diesem Jahr den größten Zuwachs an Netznutzung seit langem gegeben hat. Inzwischen sind es fast 84 Prozent der Deutschen ab 14, die täglich im Netz sind. Das kann mal viel oder auch eher wenig finden. Tatsache aber ist: Im vergangenen Jahr waren es „nur“ 79,5 Prozent. In absoluten Zahlen: Das sind mal eben zwei Millionen Menschen mehr, die zu den täglichen Nutzern des Webs gehören.

Ein solcher Schub ist mehr als Zahlenspielerei oder Statistik. Er zeigt nämlich, dass es immer noch ein paar „Verweigerer“ gibt, die das Netz wenig bis gar nicht nutzen. Gleichzeitig widerlegt diese Zahl aber auch eine alte Theorie, die eher aus den Anfangstagen des Webs stammt. Damals dachte man, dass es immer einen Anteil von rund 25 Prozent geben werde, die das Netz nie und nimmer betreten werden. Zumindest diese Annahme hat sich überholt.  Dass sich also die Netznutzung in den kommenden Jahren den 100 Prozent annähern werden, ist demnach gar nicht mal unrealistisch (schon klar, 100 Prozent sind natürlich immer ein theoretischer Wert).

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Da wäre es ein Wunder, wenn sich das nicht auch au die Nutzung niederschlagen würde. Nicht nur, dass inzwischen der Netz-Zugang über das Smartphone zum Standard geworden ist. Dazu kommt: Die Deutschen sind immer länger im Netz. Durchschnittlich werden jetzt 128 Minuten pro Tag gemessen (an dieser Stelle kann der Nerd von heute natürlich nur müde lächeln). Auch das ist ein verblüffender Schub:  Innerhalb eines Jahres ist damit die durchschnittliche Nutzungsdauer um 20 Minuten nach oben gegangen.

Internetnutzung 2016: Noch immer gibt es einen digitalen Graben

Wenn man allerdings wirklich an der Theorie eines digitalen Grabens festhalten will: bitte sehr, hier kommt der ultimative Beleg. 14 bis 29jährige sind demnach mehr als vier Stunden pro Tag online. Schon bei der nächsten Altersgruppe (30 bis 49) halbiert sich der Wert der Internetnutzung nahezu. Und bei den Menschen ab 70 sinkt er dann auf gerade mal noch  auf eine knappe halbe Stunde. Was allerdings auch zeigt, dass die 14 bis 29jährigen er eigentliche Treiber des digitalen Wachstums sind. Vor allem dann, wenn es um richtig intensive Nutzung geht.

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Von Christian Jakubetz am 24. Oktober 2016 um 4:42 Uhr

2 KOMMENTARE

  1. avatar Mordred sagt:

    Was genau wird denn als Internetnutzung verstanden?
    Nur privat oder auch beim Arbeiten?
    Werden Internetspiele mitgerechnet?
    Was ist mit Apps wie Google Maps als Navigationssystem?
    Wird Internetradio oder Streaming mitgezählt?

    Aus dem Alltag eines 37jährigen:
    – kurz Mails checken beim Frühstück: 5 minuten
    – Navigation Arbeitsweg, hin und zurück 120 Minuten
    – Arbeitsplatz: Via Remotedesktop auf Firmenserver, also Mails, Dokumente etc.; dazwischen Gespräche mit Kollegen: ca. 420 Minuten
    – Freizeit: IP-TV/Streamingdienste, ggf. Shopping o.ä.: ca. 120 Minuten

    • avatar Christian Jakubetz sagt:

      Gute Fragen, die ich nur eingeschränkt beantworten kann (hab die Studie ja nicht gemacht. Ich vermute mal, dass berufliche Nutzung grundsätzlich eher nicht dazu gehört, auch wenn das im digitalen Zeitalter altüblich immer schwerer zu trennen ist. Radio/Streaming: ja, ganz sicher, taucht auch in der Sektion „Audionutzung“ nochmal explizit auf. Navi oder überhaupt IoT: denke ich eher nicht. Müsste man aber, wenn as mal eine kritische Masse erreicht hat, sicher auch irgendwie abbilden.

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