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Was wirklich „smart“ ist…

Das Smartphone als solches hat in den letzten Wochen nicht gerade seine beste Zeit erlebt. Bei Samsung flogen sie den Usern teilweise brennend um die Ohren, was dann beispielsweise bei Lufthansa-Flügen zu der bizarren Durchsage führte, man dürfe selbstverständlich sein Smartphone an Bord benutzen – außer es handle sich dabei um ein Galaxy Note.

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Das Smartphone als zentrale Sammelstelle – ergänzt durch viele andere smarte Geräte…

Bei Apple gingen sie nicht ganz so weit, nach allem, was man weiß. Allerdings fielen die Resonanzen auf das iPhone 7 auch nur so mittelprächtig aus. Die Tatsache, dass man im kommenden Jahr zum zehnten Geburtstag des Begründers des Begriffs „Smartphone“ ein runderneuertes Modell erwartet, bewahrte Apple vor noch mehr Kritik. So aber denkt man sich: Ok, war ja nicht anders zu erwarten – aber 2017, da zählt es dann. Auf der anderen Seite ist es gut möglich, dass die Latte für das nächste Modell so hoch gelegt wird, dass Apple gar nicht anders kann als sie zu reißen.

Ist die Geschichte vom Smartphone also auserzählt?

So, wie wir sie jetzt kennen: ja, ganz sicher. Schon die Neuerungen der letzten Jahre waren ja eher etwas für Kenner und Nerds. Aber ob eine neue Kamera nun ein paar Pixel mehr hat und die entsprechende App ein paar Effekte mehr beherrscht – dem Normalnutzer ist das eher wurscht. Ebenso wie die Schnelligkeit von Prozessoren oder die Helligkeit von Displays. In den letzten Jahren jedenfalls galt: Smartphone bleibt Smartphone. Ein Gerät, das man mehr oder weniger haben muss. Aber unter uns: Vor kurzem habe ich mal wieder ein Samsung S3 und ein iPhone 5 in der Hand gehabt. Geht auch.

Niemand braucht mehr ein Smartphone, das unwesentlich mehr kann als sein Vorgänger

So könnte man ewig weitermachen. Aber weil Unternehmen, die smarte Handys bauen, vermutlich ganz schön schlau sind, wird es dabei nicht bleiben. Schon alleine deswegen, weil es zunehmend schwieriger wird, selbst Technik-Enthusiasten klar zu machen, dass sie nahezu jedes Jahr unbedingt ein neues Teil brauche, das nicht wesentlich anders ist als das Vorgängermodell. Beim iPhone 7 ist das ganz besonders auffällig. Da hat sich Apple nicht mal mehr die Mühe gemacht, am Design auch nur ein bisschen was zu verändern.

Aber das alleine ist es nicht. Das Smartphone soll in den kommenden Jahren zu mehr werden als ein Gerät, mit dem man telefonieren kann und surfen und bei Facebooken und den ganzen anderen Kram. Nicht mal mehr der gängige Begriff von der „Fernbedienung für das Leben“ trifft es noch. Weil das Smartphone künftig unser persönlicher Assistent wird, der mehr kann, als mehr oder weniger unsortierte Informationen auszuwerfen. Dieser Assistent ist eine ständig lernende Einheit, eine künstliche Intelligenz in Telefonform sozusagen.

Das ist erst mal schön für die Hersteller – das Smartphone in der jetzigen Form muss sich ja schließlich weiter entwickeln. Aber auch für uns, die wir wahlweise als Journalisten oder auch als Konsumenten mit den Inhalten solcher Geräte zu tun haben, ändert sich dadurch einiges. Es wäre ja auch ein zu absurder Gedanke: Da hatte man endlich ein wirklich smartes Gerät in der Hand – und dann spielt es so stupide die immer gleiche Inhalte für alle aus wie schon in der Steinzeit des Web. Es ist also schon alleine deswegen kein großes Wunder, dass bei der Entwicklung der BR24-App das Thema „Personalisierung“ eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Medien und Journalismus sind bald für jeden etwas anderes

Gleichzeitig steht jetzt aber schon wieder die nächste Herausforderung an: Wer personalisieren will, muss das immer noch zu einem erheblichen Teil selber machen. Wie aber bekommen wir Hardware, Software und Inhalte so hin, dass sie wirklich smart und individuell ausgespielt werden? Wie schaffen wir es, Inhalte nicht nur nach Themen, sondern auch nach Kontext und Endgerät zu kategorisieren?

Sieht man von dieser eher technikgetriebenen Frage ab, ändern sich gerade auch noch ein paar andere essentielle Dinge. Das erste: Noch ist es das Smartphone, über das wir zentral unser (mediales) Leben steuern und organisieren. Das wird sich ändern: Geräte werden genauso individuell sein wie Inhalte. Das Smartphone könnte der zentrale Knotenpunkt bleiben. Aber schon jetzt ist absehbar: Drumherum entwickelt sich gerade eine Infrastruktur, in der Brillen genauso eine Rolle spielen können wie Uhren. Oder ein Lautsprecher, den man sich ins Wohnzimmer stellt und der alle Fragen beantwortet, die man ihm stellt.

Auch wenn bei vielen dieser Geräte gerade mal erst der Beweis erbracht worden ist, dass sie so halbwegs funktionieren: Wirklich Nutzen für das Alltags-Leben bieten sie noch nicht. Was auch der Grund dafür ist, warum es nicht mal Apple bisher geschafft hat, eine Smartwatch im Massenmarkt zu etablieren.

Bald werden wir über das doofe Smartphone lachen

Die zweite Veränderung: Journalismus und Medien, das ist künftig für jeden etwas anderes. Gegen das, was noch ansteht, ist die jetzige Fragmentieren der Märkte ein loser Witz. Gibt es dann so etwas wie eine Zeitung für jeden einzelnen, einen Rundfunk, den trotzdem jeder ganz für sich alleine nutzt? Massenmedien, die bei jedem anders ankommen?

Sicher ist nur: Wir werden den Tag erleben, an dem uns jemand wegen unseres trostlosen Lebens belächelt, in dem man für jeden Blödsinn mühevoll auf dem Smartphone herumhacken musste – um dann nicht mal vernünftige Resultate zu bekommen.

Und er ist gar nicht mehr so fern, dieser Tag…

 

 

 

Von Christian Jakubetz am 1. November 2016 um 2:31 Uhr

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