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360 Grad: Was geht und was noch nicht

Seit ein paar Wochen läuft 360 Grad auch auf der BR24-App. Man kann damit buchstäblich neue Einblicke bekommen. Manchmal in Dinge, die wir in Bayern buchstäblich vor der eigenen Haustür haben. Manchmal in Dinge, die BR-Korrespondenten von überall in der Welt mitbringen. München, Würzburg, Tel Aviv – die Rubrik, die mit dem Release der Version 2.0 im Herbst an den Start ging, füllt sich von Woche zu Woche mehr. Können muss man dafür als User nichts und installieren auch nicht. Die App stellt die 360-Grad-Videos dar – und sie laufen einfach.

360 Grad: Angekommen im Medien-Alltag

Inzwischen sind 360-Grad-Videos (und natürlich auch Fotos) etwas, was in unserem digitalen Alltag angekommen ist. Das war zunächst gar nicht so einfach, weil es weder halbwegs vernünftige Hardware, wenig Software und letztendlich auch kaum 360-Grad-fähige Plattformen gab. Aber inzwischen? Kameras gibt es mittlerweile vom Einsteigermodell bis zur Profi-Ausführung. Nahezu alle Browser können 360 Grad mühelos darstellen, ebenso wie Apps von Youtube und Facebook. Und spätestens dann, wenn solche Entwicklungen auf den Mainstream-Plattformen angekommen sind – dann sind sie bereit für den Massenmarkt.

In der BR24-App gibt es inzwischen eine eigene Rubrik, in der 360-Grad-Videos gezeigt werden. Auch das ein Beleg dafür, wie selbstverständlich es inzwischen geworden ist, mit diesem Format zu arbeiten.

Kameras: High-End von Consumer bis High-End

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360 Grad-Dreh beim Auslandsstudio in Tel Aviv. (Foto: Salvan Joachim)

Das Thema 360 Grad ist lange Zeit an einer simplen Geschichte gescheitert: keine Kameras. Oder zumindest keine die halbwegs erschwinglich sind und zudem noch so bedienen, dass man dafür keine eigene Ausbildung braucht. Consumer-Kameras wie beispielsweise die Ricoh Theta S sind inzwischen für rund 400 Euro zu bekommen, ihr Handling ist denkbar einfach. Und nachdem man sie aufgrund ihrer kompakten Größe auch mühelos überall hin mitnehmen kann, spricht nichts dagegen, 360 Grad auch in den Alltag zu importieren.

Nachteil: Die Auflösung und die Bildqualität solcher Kameras ist meistens eher eingeschränkt. Das reicht für den semiprofessionellen Bereich oder auch mal dafür, wenn es schnell gehen soll und man hat gerade nichts anderes dabei. Das ist nicht weiter schlimm, man sollte nur vorher wissen, auf was man sich da in etwa einlässt.

Wer besseres Material haben will, muss etwas mehr Geld in die Hand nehmen (wie das halt immer ist). Von Kodak gibt es jetzt beispielsweise eine Kamera, die sich in einem „Dual Pack“ zu einem Würfel zusammen montieren lässt, der dann 360 Grad in 4k-Auflösung produziert. Macht tolle Bilder, kostet allerdings dann in dieser Ausführung auch rund 900 Euro. Was aber immer noch günstiger ist, als sechs GoPros zusammenzuschrauben. Die Bilder sind dann zwar ausgezeichnet, aber neben den Kosten spricht auch dagegen, dass man sie als Einzelkämpfer und semiprofessioneller Filmer kaum beherrschen kann.

Storytelling: Es muss nicht immer 360 Grad sein

Die Verlockung ist natürlich groß, wenn es plötzlich so viele schöne und trotzdem handsame Technik gibt: Man macht jetzt so viel 360 Grad wie möglich. Man wird aber sowohl als Journalist wie auch als Konsument schnell feststellen, dass das Unfug ist. Weil es einfache viele Motive gibt, in denen 360 Grad keinen Sinn macht. Nicht jeder Raum, nicht jede Landschaft und nicht jede Szene ist so wunderbar, dass man sie im kompletten Umfang sehen muss.

Sehen wir es also als das, was es ist: eine ziemlich tolle Option, mit der man Geschichten noch besser und eindrücklicher erzählen kann. Das ist ja, zur Seite gedacht, ohnehin das Tolle an diesem ganzen multimedialen Journalismus-Kram: Man kann sich plötzlich aussuchen, wie man eine Geschichte präsentiert.

Von Christian Jakubetz am 10. November 2016 um 6:35 Uhr

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