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So digital ticken wir

Die Welt wird digital. Was aber nicht heißt, dass alle damit gleich gut umgehen können. Im Gegenteil: Die Initiative D21 kommt bei ihrem Digital Index 2016 zu einem verblüffenden Ergebnis: Die Zahl der Nutzer steigt, ihre Kompetenzen gehen dagegen zurück…

Und auch das fällt auf: Durch Deutschland läuft immer noch ein ziemlich tiefer digitaler Graben. Sieht nicht so aus, als könnte man ihn in absehbarer Zeit zuschütten.

Digital 2016: Von Vorreitern und Außenstehenden

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Wenn man sich mit Medienschaffenden und manchmal auch ganz normalen Leuten unterhält, dann bekommt man die unterschiedlichsten Einschätzungen. Die einen halten das Netz und den ganzen anderen Kram, der irgendwie digital ist, für eine Art Schnupfen. Ist lästig, geht aber wieder weg. Für die anderen hingegen: die größte Revolution seit der Dampfmaschine.  Das führt im Übrigen manchmal zu lustigen Debatten. Im kleinen privaten Kreis genauso wie auf Panels, auf denen beispielsweise Medienmenschen sitzen.

Tatsächlich ist das – ganz normal. Weil sich der digitale Riss quer durch die Bevölkerung zieht. Der D21-Report kommt zu folgender Aufschlüsselung (grob gesagt):  ein knappes Drittel sind „digital Vorreitende“, 39 Prozent gehören zu einer Art Mainstream, der irgendwie schon mithält – und immerhin ein Viertel der Deutschen gehören  zu denen, die die Studie vorsichtig „abseitsstehende Skeptiker“ nennt.

Das ist immerhin eine mögliche Erklärung dafür, warum sich auch Medien und Journalismus gerade in so viele unterschiedliche Formen und Ausspielwege auflösen: Man wird den Skeptiker kaum dazu bringen, eine App wie beispielsweise BR 24 zu nutzen. Und umgekehrt ist für den digitalen Vorreiter eine Rückkehr zu linearem Fernseh- oder Radioprogramm kaum vorstellbar. Klar, Nachrichten wollen sie vermutlich beide. Die Frage ist nur: wo und wie? Mögliche Antworten: siehe die Studie und dort das Kapitel zu den Nutzertypen…

Abschied von PC und „normalen“ Handys

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Wie sehr sich die Gesellschaft digitalisiert und wie stark dadurch der Medienwandel ausfällt, lässt sich auch an den Geräten ablesen, die die Menschen nutzen. Und da bestätigt sich etwas, was sich unlängst schon abzeichnete: 2016 ist das erste Jahr, in dem Digital vor allem Smartphone heißt. Zwei Drittel der (digitalen) Deutschen nutzen den Alleskönner, 62 Prozent hingegen noch das Notebook bzw. einen Laptop. Der einstmals alles dominierende PC ist dagegen weiter auf dem Rückzug. Ihn nutzen nur noch 55 Prozent. Zum Vergleich: Noch vor zwei Jahren gaben 62 Prozent den PC als genutztes Gerät an. Woraus sich leicht der Rückschluss ziehen lässt, dass immer mehr Menschen einen veralteten PC, den sie früher noch ersetzt hätten, nicht mehr durch einen neuen ersetzen.

Noch heftiger fällt der Rückgang im selben Zeitraum bei „normalen“ Handys aus: 2014 waren es immerhin 52 Prozent, heute nur noch 39 Prozent. Der Markt für Tablets ist in Deutschland hingegen gerade in der Stagnation.

Und diese Wearables, von der zumindest die digitalen Vorreiter so viel und gerne sprechen? Mit 5 Prozent ein Nischenmarkt. Aber möglicherweise einer mit Potential.

Paradoxes Phänomen: Mehr Zugang, weniger Kompetenz…

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Man muss mit der freihändigen Interpretation von Zahlen ja immer etwas vorsichtig sein. Trotzdem fällt eine Entwicklung auf: Die Nutzung der digitalen Geräte nimmt immer weiter zu. Die Kompetenzen hingegen sinken und auch die Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen.

Was zumindest rein theoretisch eine teilweise Erklärung dafür sein könnte, warum es zwar immer mehr Inhalte und Nutzer in der digitalen Welt gibt, wir uns aber anscheinend mehr und mehr in das Zeitalter des „Postfaktischen“ begeben (Grüße in die USA übrigens!). Wer bestimmte Kompetenzen in der Mediennutzung nicht hat, tut sich wahrscheinlich auch schwer, in dieser verwirrenden digitalen Welt zwischen richtig und falsch zu unterscheiden.

Was ist eigentlich dieses IoT?

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Bei der breiten Masse der Deutschen jedenfalls sind viele dieser noch vergleichsweise neuen Dinge nicht angekommen. Zwar wissen rund drei Viertel etwas mit dem Begriff „Apps“ anzufangen. Aber was ist Big Data, was das Internet der Dinge? Für die ganz große Mehrheit sind das komplett unbekannte Dinge.

Von Christian Jakubetz am 16. November 2016 um 7:48 Uhr

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