social-lg

Von Aufsteigern und Langweilern

Wo erreichen wir sie denn jetzt eigentlich am besten – jene jungen Menschen, die irgendwie alle haben wollen, weil sie am Ende ja dann doch nicht weniger verkörpern als die Zukunft? Im linearen Radio und Fernsehen immer weniger, so viel ist klar. Im Internet? Naja, das Internet ist groß. Und nach allem, was man weiß, finden die Mediennutzer von morgen das konventionelle Internet von heute eher langweilig. In sozialen Netzwerken? Heißer Tipp – sofern man darunter nicht gerade Facebook, sondern eher Snapchat versteht. Weil Facebook bei Jugendlichen des Jahres 2016 schon ein bisschen müffelt. Nach 2013 oder womöglich sogar noch schlimmer. So erwachsen und langweilig jedenfalls.

social-lg Snapchat
Keine echte Überraschung: Snapchat ist das Netzwerk, das bei Jugendlichen im Jahr 2016 den stärksten Zuwachs hatte.

Die Lösung ist wenig überraschend. Zumindest für die, die sich damit intensiv beschäftigen. Snapchat ist bei der Generation von 2016 das aktuelle heiße Ding, zumindest fürs Spaßhaben und manchmal wohl auch für die Information. Dass in der JIM-Studie für 2016 „WhatsApp“ als das beliebteste Netzwerk dieser Altersgruppe genannt wird, hat einfache Gründe. Vor allem pragmatische. Weil WhatsApp inzwischen zu einer Art SMS-Ersatz geworden ist. Mit einer Marktmacht versehen, von der man als Anbieter nur träumen kann. Es wer vermutlich ein interessantes Experiment, würde man Jugendliche fragen, welche anderen Messenger sie kennen. Es wäre nicht erstaunlich, würde eine Mehrheit antworten: Es gibt auch andere Messenger?

Was Kids zum Überleben brauchen: WhatsApp, Instagram, Snapchat

Dabei ist es natürlich nicht mehr als eine nette Ironie, dass das neue Facebook zum alten Facebook gehört. Mark Zuckerberg jedenfalls dürfte diese Entwicklung halbwegs entspannt sehen. Zumal er mit seinem Großkonzern auch noch ein anderes Ding im Rennen hat, das bei Jugendlichen ausgesprochen populär ist. Instagram liegt im Ranking der Deutschen Kids ebenfalls vor Facebook. Demnach wird Instagram von genau der Hälfte der Jugendlichen regelmäßig (laut Definition: mindestens einmal pro Woche) genutzt. Snapchat kommt „nur“ auf 44 Prozent, ist aber im Vergleich zum Vorjahr das Netzwerk, das seine Popularität am stärksten steigern konnte.

Und Facebook? Und Twitter? Diese Netzwerke, die gefühlt schon immer da waren und die Medienmenschen nahezu automatisch nennen, wenn man sie nach den wichtigsten sozialen Netzwerken befragt? Facebook spielt natürlich immer noch eine Rolle, kommt aber nur noch auf 43 Prozent regelmäßiger Nutzung. Das ist immer noch viel, natürlich. Der Trend ist dennoch unübersehbar: Man ist schon noch da, irgendwie. Weil eben alle da sind. Der Coolness-Faktor von Facebook ist in dieser Altersgruppe dennoch überschaubar.

Richtiggehend demoralisierend ist die Lage dagegen für Twitter:  Der Dienst wird in der Studie gar nicht erst erwähnt.

Die JIM-Studie wird heute ausführlich in Mannheim vorgestellt.

Von Christian Jakubetz am 25. November 2016 um 9:13 Uhr

Kommentieren:

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft. Links sind nicht gestattet.
Mehr in den Kommentarrichtlinien.