maschine

Deutschlands digitaler Graben

Wie ist das eigentlich mit diesem Internet? Sind jetzt dann endlich mal alle drin und nutzen so wie sie sollten? Die diesjährige Studie der Initiative D21 zeigt vor allem eines: Es werden zwar immer mehr, die „drin“ sind – aber ein digitaler Graben durchzieht nach wie vor das Land. Auch wenn er allmählich kleiner wird…

7037886017_6965ddf34c_k
Digitaler Graben 2016: Nur noch in der Generation 70plus sind die Nonliner in der Überzahl. (Foto: Jakubetz)

Mobile: Ein Trend – aber noch lange nicht für jeden

Wenn sich Medienmenschen und Digitalmenschen treffen, dann gilt die Sache als ausgemacht: Medien, Journalismus, Informationen, das ganze Netz eigentlich – alles wird mobil (der Verfasser dieses Beitrags nimmt sich hiervon auf gar keinen Fall aus). Das ist, wirft man einen vordergründigen Blick auf die Zahlen, offenkundig.  Die Zahl der Smartphone steigt beständig an. Wer heute noch – so zumindest der Eindruck – ein „normales“ Handy benutzt, ist ein exotischer Außenseiter. Und natürlich nutzen wir alle unsere Apps, unsere sozialen Netzwerke, unsere Mails, Videos, Fotos, Texte auf irgendwelchen hübschen Displays.

Wenn man genauer hinsieht, stellt man allerdings schnell fest: Das ist ein Trend und auch eine Wette auf die Zukunft. In der Gegenwart zeigt sich fast nirgendwo so deutlich wie beim Thema Mobile, dass der digitale Graben noch lange Zeit Realität bleiben wird:

screenshot-2016-11-24-20-27-56 Digitaler Graben
Grafik: Initiative D21

Die Erkenntnis daraus (zugespitzt Variante): Mobiles Internet muss man sich leisten können und wollen.

Die Erkenntnis daraus (komplexere Variante): Für die Nutzung von mobilen Internet sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. Würde man den typischen Nutzer charakterisieren wollen, er wäre männlich, gut ausgebildet, gut verdienend, in einer Stadt lebend. Weil die folgenden Faktoren auffällig sind:

  • Alter (je jünger, desto mehr)
  • Geschlecht (eher Männer als Frauen)
  • Bildung (je gebildeter, desto mobiler)
  • Beschäftigung (Bei Nicht-Berufstätigen sinkt die mobile Nutzung spürbar)
  • Einkommen (je mehr, desto mobiler)
  • Ortsgröße (in den Städten etwas mehr als auf dem Land)

Digitaler Graben wird im „normalen“ Netz langsam zugeschüttet

Dagegen gleichen sich die Dinge im „normalen“, sprich stationären Netz allmählich etwas an. „Normales“ Internet, zuhause an einem Rechner bzw. über den eigenen Router: Das ist inzwischen zu einem Standard geworden, bei dem nur noch zwei Dinge auffallen.

screenshot-2016-11-28-17-25-33 Digitaler Graben
Grafik: Initiative D21

Erstens: Der digitale (Alters-)Graben beginnt mittlerweile erst bei der Generation 70 plus. Das ist insofern bemerkenswert, weil es noch nicht so lange her ist, als man die Altersgrenze für potentielle Verweigerer auf 50 taxiert hatte. Das ist hinfällig geworden. Und sogar bei den Menschen zwischen 60 und 69 Jahren nutzen inzwischen über zwei Drittel das Netz. Erst bei den über 70jährigen kommt der Knick: Hier sinkt der Anteil der Nutzer auf ein gutes Drittel.

Digitaler Graben? Schon noch. Aber zunehmend weniger.

Das Netz ist also spätestens jetzt, am Ende des Jahres 2016, buchstäblich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es ist fester Bestandteil von ungefähr allem. Es ist die vermutlich gravierendste Erfindung seit der Erfindung der Dampfmaschine. Was das alles irgendwann mal bedeuten könnte, wird man aber erst irgendwann in den nächsten Jahren herausfinden können. Weil sich die Auswirkungen einer Technologie, die von nahezu allen genutzt wird, auch erst in den nächsten Jahren komplett zeigen werden…

Von Christian Jakubetz am 28. November 2016 um 5:37 Uhr

Kommentieren:

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft. Links sind nicht gestattet.
Mehr in den Kommentarrichtlinien.