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Unser paradoxes Netzleben…

Mit der Logik hat es die Welt im Jahr 2016 nicht so sehr. Da ist zum Beisein diese Sache mit dem gewählten US-Präsidenten. Befragt nach solchen Eigenschaften wie Kompetenz, für ein solches Amt nicht ganz ohne Bedeutung, sagt selbst unter den Trump-Wählern nur eine Minderheit: Ja, wir halten ihn für so kompetent, dass er dieses Amt ausfüllen kann. Was natürlich die Frage aufwirft, warum man jemandem seine Stimme gibt, dem man an Kompetenz nur so mittelmäßig viel zuschreibt,  überhaupt seine Stimme gibt. Aber weil es rund um die Präsidentenwahl in den USA viel zu viele unbeantwortete Fragen gibt, soll das hier einfach mal so stehen bleiben.

Man redet im Zusammenhang mit dieser Wahl und dem President elect ziemlich gerne auch über eine Medienwelt, die sich dramatisch verändert hat und dies wohl auch weiterhin tun wird. Dabei geht es immer wieder um das Thema „Social Media“. Schon alleine deswegen, weil dort immer wieder Geschichten auftauchen, die als Fake News gezielt für Verwirrung sorgen. 

Wenn man dann mal gezielt die Menschen nach der Zuverlässigkeit von sozialen Netzwerken fragt, bekommt man eine verblüffende Antwort:
Infografik: Wie zuverlässig sind soziale Medien? | Statista
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Für Deutschland bedeutet das: Gerade mal 24 Prozent betrachten Facebook und Co. als zuverlässig. Umgekehrt: Drei Viertel der Deutschen hegen ihre Zweifel daran, ob das alles so korrekt ist, was man dort liest und sieht.

Das ist gar nicht verblüffend, finden Sie? Weil man doch ohnehin weiß, dass sich in diesen sozialen Netzen neben vielen großartigen Sachen eben auch eine ganze Reihe hanebüchene Dinge abspielen. Schon wahr, aber ein eklatanter Widerspruch zwischen Nutzung und Ansehen besteht dennoch. Logisch wäre es ja demnach, Netzwerke mit einem ausbaufähigen Glaubwürdigkeitsgrad eher zu meiden.

Unser Umgang mit dem Netz ist ein einziger Widerspruch

Widersprüchlich und unlogisch, klar. So wie nahezu alles, was wir mit dem (sozialen) Netz so machen. Wir ahnen, dass man bei weitem nicht alles glauben sollte, was da des Wegs kommt, nutzen Facebook und all die anderen aber weiterhin mit wachsender Begeisterung. Uns missfällt die Marktmacht von Google, trotzdem stammen in Deutschland nach wie vor deutlich über 90 Prozent aller Suchanfragen von Google.

Wie wir überhaupt die monopalartigen Strukturen an manchen Stellen des Netzes nicht sonderlich schätzen, dennoch kein Problem damit haben, im nächsten Moment unsere Weihnachtseinkäufe komplett bei Amazon zu tätigen. Und als vor kurzem WhatsApp ankündigte, seine AGB dahingehend zu ändern, dass künftig ein fröhlicher Datenaustausch mit Mutter Facebook möglich ist, haben wir uns nach zwei, drei aufgeregten Tweets wieder zurück gelehnt und ein paar WhatsApp mit Freunden ausgetauscht, wie unverschämt dieser Laden doch geworden ist.

Netzwerkeffekt nennen Wissenschaftler das. Wir sind da, wo alle sind. Weil ein Netz ohne Nutzer kein Netz wäre. Das ist einer der Gründe dafür, warum wir alle (natürlich auch BR24) bei Facebook sind. Selbst dann, wenn wir Facebook nur eingeschränkt toll finden und nur für wenig vertrauenswürdig halten.

Vermutlich ist das auch einer der Gründe dafür, warum sie sich bei Facebook vergleichsweise entspannt zurücklehnen, selbst wenn erkennbare Fälschungen die Runde machen. Und warum sie beim Tochterunternehmen Whatsapp sehr genau wissen, dass jeder Entrüstungssturm auch schnell wieder vorbei geht.

Google und Facebook als Übergangsphänomene?

Die Claims sind also aufgeteilt – und wir alle in den Fängen von Großkonzernen, die wir auch noch bereitwillig füttern und bedienen? Das muss nicht so bleiben. Glaubt ausgerechnet jemand, der zwar altersmäßig nicht mehr in das Klischee des hippen Netzwesens passt, dafür aber etwas gegründet hat, was noch heute als eine Art Bibel des technik- und netzaffinen Teils der Menschheit gilt. Kevin Kelly hat das Magazin „Wired“ gegründet und glaubt fest daran: Facebook und Google sind Übergangsphänomene und werden innerhalb eines Jahrzehnts erheblich an Bedeutung verlieren.

Kelly führt für diese These eine ganze Reihe eher technikgetriebener Gründe ins Feld. Beispielsweise den, dass es in diesem Zeitraum Firmen geben werde, die in der Lage seien, Künstliche Intelligenz nicht im Rahmen von „Big Data“, sondern von „Smart Data“ herzustellen. Was wiederum, kurz gesagt, bedeuten würde, dass die gesamte Geschäftsbasis von Big-Data-Konzernen ins Wanken kommt.

Wie lange hält der Netzwerkeffekt?

Es gibt aber möglicherweise noch einen anderen, speziell von Facebook sehr unterschätzten Aspekt. Man wolle eine „einladende“ Umgebung bieten, schreibt das Unternehmen in seinen standarisierten Mails, wenn ein Inhalt als bedenklich gemeldet wird. Löblicher Vorsatz – aber als wie „einladend“ wird eigentlich eine Umgebung empfunden, die eine Mehrheit als weit vertrauenswürdig einstuft? Noch hält der Netzwerkeffekt und daran wird sich auch in den kommenden Jahren nicht viel ändern.

Kevin Kellys Einschätzung sollte man dennoch ein bisschen im Hinterkopf behalten.

Von Christian Jakubetz am 8. Dezember 2016 um 2:48 Uhr

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