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Die rechte Filter Bubble

Wenn es ein Thema gibt, dass uns in diesem Jahr im (digitalen) Journalismus beschäftigt hat, dann das: Wahrheit. Das klingt erst mal unschön philosophisch und so, als würde nachfolgend ein eher theoretisches Essay darüber folgen, was das überhaupt sein soll: Wahrheit. Gelernt haben wir nämlich in diesem Jahr vor allem: Wahrheit ist ein höchst subjektiver Begriff – und ja, dieses Internet verstärkt die Tendenz, dass sich jeder seine sehr eigene Wahrheit schaffen kann. Und wenn das nur dadurch geschieht, dass man laut genug „Lüge!“ brüllt, bis sich dann bei jedem Zweifel an ungefähr allem einschleichen. Das Thema Filter Bubble also mal wieder.

Die Debatte um diese Echokammern, die in sozialen Netzwerken zwangsläufig entstehen, weil Algorithmen nun mal die Eigenschaft haben, alles vermeintlich Störende auszublenden. Das ist kein Spaß, weil es vermutlich noch nie so einfach war, jeden erdenklichen Unsinn zu glauben und dafür irgendwie in den Untiefen der Echokammern auch noch eine Bestätigung zu bekommen.

Zumal sich Weltbilder vergleichsweise schnell zusammensetzen und aus nur sehr wenigen und dann auch noch sehr ähnlichen Quellen speisen lassen.

Die Kollegen von BR Data haben jetzt mal die Probe aufs Exempel gemacht. Was schon  alleine deswegen eine ziemlich gute Idee ist, weil sich Debatten zum Thema Filter Bubble gerne auf Meta-Ebenen bewegen, auf denen es dann schon mal etwas schwammig wird. Schaut man sich aber die Tabellen und Zahlen der Data-Kollegen an, dann stellt man schnell fest: Es gibt eine ziemlich große rechte Echokammer, die bei Facebook immer wieder sehr laut reinruft und erstaunlicherweise immer wieder dasselbe hört, was rauskommt.

Bemerkenswert auch: Es gibt Überschneidungen zwischen Parteien, Medien und Personen, die von sich selbst vermutlich behaupten würden, absolut nichts miteinander zu tun zu haben. Bei den dem BR vorliegenden Zahlen des Pegida-Netzwerks Nürnberg beispielsweise sieht das so aus:

Filter Bubble

4187 Menschen „liken“ die AfD. Von  diesen wiederum haben 1764 auch ein „Like“ bei der NPD gesetzt.

2012 Menschen aus dem Pegida-Dunstkreis wiederum bekennen sich via „Like“ auch offen zur NPD. Ohne den Umweg AfD

1905 „Likes“ erhält die „Identität Bewegung“ aus dem Nürnberger Pegida-Dunstkreis, davon wiederum fast alle (nämlich 1701) die AfD und immerhin noch knapp die Hälfte (931) die NPD.

Wer ein stramm rechtes Weltbild hat, mag stramm rechte Facebook-Seiten und liest stramm rechte Medien. Eine Filter Bubble, in der andere Töne nicht vorkommen.

Ist es dann also noch verblüffend, wenn jemand mit diesem, nunja, sehr gefestigten Weltbild auch exakt die Medien liest, in denen er zumeist das vorgesetzt bekommt, ws er sich ja ohnehin schon lange dachte?

Nein, natürlich nicht. Die Liste zeigt: Wer ein solches populistisch-rechtes Weltbild hat, nutzt erst einmal die Medien, die man am wenigsten als klassisch bezeichnen kann.

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Auffällig in jedem Fall: Das rechts-populistische Weltbild fällt generell dadurch auf, dass es auf Medien weitgehend verzichten kann. Die Zahl der Likes selbst für  vergleichsweise beliebte Seiten kann mit denen für Politiker, Parteien oder auch Privatpersonen nicht im Ansatz mithalten. Selbst die rechtspopulistischen Politiker Strache und Bearth aus Österreich und der Schweiz schaffen es auf ihren Seiten noch auf mehr Likes als die populärste Medienseite „Junge Freiheit“.

Kürzer zusammengefasst: Der Rechtspopulist macht sich sein Weltbild schön selbst, vor allem unter Mithilfe der sozialen Netze. Medien? Kann man nutzen, muss man aber nicht. Und wenn Medien, dann hauptsächlich solche, die sich allen klassischen journalistischen Standards entziehen.  Stattdessen solche, die auch mal ein paar Verschwörungstheorien auftischen und überhaupt der Meinung sind, alles, was man so höre, sei gelogen.

Was man schon mal machen kann, solange man nicht das Gegenteil beweisen muss.

Von Christian Jakubetz am 20. Dezember 2016 um 6:12 Uhr

1 KOMMENTAR

  1. […] 19.12. Digitaler Journalismus: Die rechte Filter Bubble  (Blog BR 24) […]

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