5906485322_1574fa7d5f_b

Willkommen im smarten Zeitalter

Seit Neuestem steht daheim eines dieser Teile, die man noch umständlich beschreiben muss, weil sie keinen griffigen Namen haben (und aus Gründen der Neutralität steht hier auch nicht, von welchem Hersteller). Es handelt sich dabei um eine Art Lautsprecher, mit dem man sprechen kann. Man fragt ihn beispielsweise, wie das Wetter wird – und man bekommt zügig eine halbwegs vernünftige Antwort. Digitale Assistenten werden zu unserer Zukunft.

 Assistenten
Aus und vorbei: Die Zeiten, in denen man sich noch mit Kabeln, sperrigen Geräten und Stiften organisieren musste, gehen zu Ende. Was kommt: Digitale Assistenten und personalisierte Informationen. Klein, schau und kabellos. (Foto: Jakubetz)

Bevor Sie jetzt gelangweilt mit den Schultern zucken:  Klar, Sie haben natürlich ein hübsches Smartphone daheim, mit dem man schon lange reden kann. Und wenn Sie noch etwas fortschrittlicher sind, dann kann ihr Laptop inzwischen ebenfalls mit Ihnen reden. Kennen Sie also alles, oder?

Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen der Sprachsteuerung, wie sie bei Smartphones schon länger gang und gäbe ist, und diesen Lautsprechern, mit denen man sprechen kann. Das eine ist nämlich nur eine Steuerung, die in den meisten Fällen nur steuern, aber kaum vernünftig antworten kann.

Das andere: lernende Systeme, die (vermutlich) ständig schlauer werden. Und die vor allem eines machen sollen: Inhalte liefern. Idealerweise hat man also mit einem solchen Lautsprecher einen digitalen Assistenten daheim, der auf Zuruf alles kann: Nachrichten vorlesen (in dem Fall des Dings in meiner Küche kommen sie von der „Tagesschau“), Zugverbindungen raussuchen, Kochrezepte vorlesen, Musik abspielen, Radiosender suchen, Hörbücher abspielen. Nebenbei bemerkt: Wenn mir jemand vor, sagen wir, zwei Jahren gesagt hätte, ich würde meine Tagesschau und mein B5aktuell aus einem sprechenden Zylinder in meiner Küche beziehen, hätte ich ihn mindestens für verrückt erklärt.

Bald haben wir alle unsere Assistenten

Es ist Ihnen als Leser natürlich unbenommen, jetzt auch den Verfasser dieses Beitrages sofort für wenigstens ein bisschen gestört zu halten. Sprechende Assistenten im Haus, wer braucht schon sowas, wenn man nicht gerade ein Nerd ist? Tatsächlich aber ist der Trend zum Digital-Assistenten kaum mehr aufzuhalten; nicht mehr lange und wir haben alle einen. Der muss nicht unbedingt in der Küche stehen und wie ein Zylinder aussehen.

Im Gegenteil: An der äußeren Form wird sich nicht wahnsinnig viel ändern. Weil Smartphones schon jetzt in der Rolle eines Assistenten sein könnten. Sind sie aber nicht, weil sie bislang immer noch eher dumm sind. Das ändert sich allerdings gerade: Apps wie beispielsweise die von Google rüsten das dumme Smartphone zu einem potentiell immer schlauer werdenden System auf.

Wenn man also so will: Der persönliche Assistent liegt in der DNA der Digitalisierung, er ist ihre finale Ausbaustufe. Alles vorher war nur Geplänkel.

Das klingt verlockend, auf der einen Seite. Weil solche Assistenten uns mit der Zeit immer besser kennen lernen und schnell wissen, was uns interessiert und was nicht. Das ist gruselig, auf der anderen Seite. Nicht nur, weil zu diesem „Kennenlernen“ auch das Auswerten von großen Datenmengen gehört, sondern zudem das Leben immer mehr in der Filter Bubble stattfindet.  Wenn ein Algorithmus erst mal dahinter gekommen ist, was uns interessiert, dann liefert auch nur noch die Ergebnisse, die uns vermeintlich zur Nase stehen.

Trotzdem: Apps auf dem Smartphone, smarte Lautsprecher im Haus, schlaue Minicomputer für die Ohren oder auch als Uhr – 2017 wird das Jahr der kleinen Geräte werden.

Kabel und Fernbedienungen: Auf Wiedersehen, war schön mit euch – niemand braucht euch mehr!

Das alles hat aber, bei aller angebrachten Skepsis, einen unbestreitbaren Vorteil: Kabel, Fernbedienungen, all dieser ganze sperrige Kram, die letzten Überbleibsel aus analogen Tagen, verschwinden. Macht´s gut, niemand braucht euch mehr. Die neue Fernbedienung heißt Sprachsteuerung, das neue Kabel Bluetooth oder NFC oder AirPlay. Hauptsache, keine Kabel mehr. Die Kritik daran, dass Apple den Klinkenanschluss für das iPhone 7 gekillt hat: Wir werden in ein paar Jahren darüber lachen.

Ebenso übrigens vermutlich auch über die Vorstellung, unsere Informationen jemals von einem anderen Gerät als irgendeinem smarten bezogen zu haben…

Von Christian Jakubetz am 24. Januar 2017 um 6:20 Uhr

1 KOMMENTAR

  1. […] Assistenten, die auf Sprache reagieren, ständig dazu lernen und vor allem personalisiert sind, gerade erst am Anfang. Vermutlich wäre es also keine schlechte Idee, wenn man als Journalist darüber nachdenkt, welche […]

Kommentieren:

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft. Links sind nicht gestattet.
Mehr in den Kommentarrichtlinien.