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Goldene Zeiten für gesprochene Worte

Die Kollegen vom NDR haben einen neuen Audio-Podcast gestartet. Einen, der sich an der grundsätzlichen Idee von „Serial“ orientiert. „Serial“ war eine Produktion in den USA, in der eine wahre Geschichte mit Hilfe der Zuschauer immer weiter entwickelt wurde – am Ende wurde daraus ein die Podcast-Welt umspannendes Phänomen. „Bilals Weg in den Terror“ folgt einer ähnlichen Idee: Die wahre Geschichte eines 17jährigen, der sich dem IS anschließt. Zwei Monate später ist er tot. (Falls Sie diesen Einstieg als eine dringende Hörempfehlung verstehen: Genau so ist es auch gemeint.)

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Podcasts und Audio; man könnte meinen, wir befinden uns wieder im Jahr 2005. Das Thema wurde damals schwer gehypt. Aus guten Gründen. Schließlich war Multimedia zu diesen Zeiten des Netzes immer noch etwas  Besonderes. Und dass plötzlich jeder „Radio“ produzieren konnte, wow, wie aufregend! Das ist heute, wo wir ganze Spielfilme in HD streamen können und es im Netz Abermillionen Videos gibt, nicht mehr sehr aufregend. Weswegen es kein Wunder war, dass die Themen Audios und Podcasts in den letzten Jahren ziemlich in der Nische verschwanden.

Aber alles Gute kommt bekanntlich irgendwann wieder zurück. Audios sind aus einer ganzen Reihe von Gründen im digitalen Leben zu einem großen Thema geworden. Und das keineswegs nur mit Podcasts, im Gegenteil: Die Optionen des gesprochenen Wortes sind so groß wie nie – und darüber freuen sich nicht nur die Radiomacher im BR.

Der kleine Digital-Assistent im Ohr

Als Google vor einigen Jahren seine Glasses ankündigte, freuten sich ein paar Nerds darüber. Der Rest stand der Datenbrille ablehnend bis gleichgültig gegenüber. Neben ein paar sehr grundsätzlichen Problemen, die man mit dieser Brille haben konnte, wusste man vor allem nicht so recht, ob man das im Alltag wirklich will: sich erst eine Brille aufsetzen, die irgendwie mühsam koppeln – um sich dann dauernd irgendwas in das eigene Sichtfeld werfen zu lassen. Das klang in etwa so verlockend wie ein dauerhaftes Leben im ebenfalls mal sehr gehypten „Second Life“: In einer anderen, virtuellen Realität zu leben mag mal ein hübsches Gimmick sein.  Langfristig gesehen nervt es wahrscheinlich ein bisschen und über den Nutzen von solchen virtuellen Zusatzinfos lässt sich auch prima streiten.

Was aber, wenn man Audio als das sieht, was es tatsächlich ist, nämlich als die natürlichste Form der Kommunikation überhaupt? Sich Dinge erzählen zu lasen, das machen Menschen schon, seit sie buchstäblich denken können. Weswegen übrigens das Radio immer noch ziemlich gut existiert, Podcasts wieder schwer im Kommen sind und die entsprechenden Hersteller ziemlich daran tüfteln, wie sie Kopfhörer so bauen können, dass man sie möglichst leicht und lange nutzen kann. Inzwischen gibt es sogar solche, die sich selbst als Hearables bezeichnen. Smarte, komplett kabellose Knöpfe, die im Zweifelsfall auch mp3-Player, Fitnesstracker, digitaler Assistent und Kopfhörer in einem sind. Sieht man davon ab, dass solche Teile immer noch ziemlich teuer sind: Ist so etwas nicht hundertmal einleuchtender als Datenbrillen?

Von Nachrichten bis zum Roman: Audio ist in der digitalen Welt angekommen

Das Audio ist also angekommen in der digitalen Welt. Das Radio ist immer noch Radio, aber trotzdem sehr viel mehr. Radio lässt sich streamen, lässt sich u.a. auch in der BR24-App on demand nutzen. Es ist Nachrichten-Medium, digitaler Assistent und Geschichtenerzähler in einem. Und womöglich waren die Zeiten für das gesprochene Wort noch nie so gut wie jetzt.

Von Christian Jakubetz am 26. Januar 2017 um 12:28 Uhr

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