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Tausche Freiheit gegen Faulheit

Soziale Netzwerke machen die Welt gerade im Moment nicht wirklich einfacher: Wo publizieren, wenn man zufälligerweise Journalist ist? Und wo suchen nach halbwegs ordentlichen journalistischen Beiträgen, wenn man zufälligerweise irgendwo in diesem Internet ein bisschen Orientierung braucht, die in diesen Tagen schon alleine deshalb  nötig ist, weil dieses Internet ja nicht nur generell unübersichtlich ist, sondern zudem die Nachrichtenlage gerade etwas verworren ist. Glauben Sie nicht? Vor gerade mal drei Wochen saß im Weißen Haus ein gewisser Barack Obama samt einer ausgesprochen charmanten Frau und die Welt war einigermaßen friedlich. Heute? Merken Sie selbst, gell?

Adobe Spark Soziale Netzwerke

Man ist dann schon ein bisschen dankbar, wenn man Fakten ohne den Appendix „alternativ“ bekommt, sondern einfach: Fakten. Nebenher bemerkt würden wir an dieser Stelle gerne anmerken, dass man die am zuverlässigsten im Regelfall immer noch von Journalisten bekommt, obwohl unser Berufsstand ein bisschen in Verruf geraten ist, seit es den Trump und die anderen Schreihälse gibt.

Und hey, nicht vergessen: Vieles von dem, von dem Sie glauben, sie hätten das „im Facebook“ gelesen, stammt in Wirklichkeit immer noch von Journalisten. Was gar nicht so schlecht ist. Weil sich zunehmend herausstellt, dass der Kram „im Facebook“, der nicht von Journalisten stammt, nicht immer die höchsten Ansprüche an Glaubwürdigkeit erfüllt.

Aber gut, wo jetzt suchen? Facebook, der Riese? Oder doch das gehypte Snapchat oder lieber der Journalisten-Liebling Twitter, der inzwischen schon alleine deswegen lebensnotwendig ist, weil man morgens als allererstes schauen kann, ob die Welt trotz irgendwelcher Trump-Ausraster noch steht.

Ginge man nur nach den Zahlen, man müsste antworten: Facebook, natürlich. Da sind sie schließlich fast alle, allen Snapchattereien zum Trotz. Oder doch lieber Snapchat, weil sie da alle sind, die etwas jünger sind und Facebook erstens öde finden und zweitens ohnehin nicht so gerne dort ihren Eltern beginnen wollen? Instagram? Oder doch was von den ganzen anderen, die hier gar nicht erst erwähnt sind?

Soziale Netzwerke sind  Quasi-Monopole

So viele allerdings sind das gar nicht mehr. Es ist mit der Vielfalt nicht so weit her, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. „Netzwerkeffekt“, nennen Wissenschaftler das – der Netzkritiker Jaron Lanier spricht lieber von „Sirenenservern“. Das Resultat ist, egal wie man es nennt, immer das gleiche: Da, wo die meisten sind, geht auch der Rest noch hin. The winner takes it all. Es gehört zu den seltsamen Phänomenen der digitalen Welt, dass für echte Konkurrenz zumeist kein Platz ist.

Vor allem bei den sozialen Netzwerken ist das so. Weswegen es immer wieder lustig ist, wenn irgendjemand den baldigen Untergang von Facebook prophezeit, nur weil es mal wieder ein neues Netzwerk gibt, das schlagartig wächst. Tatsächlich gibt es gleich ein paar Facebooks, genau genommen: für jede Zielgruppe genau eines. Facebook für die große Masse, Instagram für die visuell affinen, Snapchat für die Jungen und die, die sich irgendwie dafür halten.

Daneben ist Platz für fast nichts anderes. Weil ab einer bestimmten Größe der belohnende Netzwerkeffekt einsetzen: Immer mehr Nutzer, weil so viele andere auch schon da sind. Das Phänomen Snapchat war im vergangenen Jahr ein besonders hübscher Beleg dafür: Auf einmal kamen immer mehr dazu, sogar Journalisten. Von denen viele gar nicht mehr gefragt haben, was sie da überhaupt sollen und wollen. Sondern dort hingegangen sind, weil man das jetzt eben so macht. Was gar keine schlechte Strategie sein muss, zumindest aus Sicht des Netzwerks nicht.  Facebook ist dadurch von einer Studenten-Klitsche zum weltweit wichtigsten Machtfaktor für Medien aller Art geworden.

Und Journalismus, Medien, Information? Es ist schon erstaunlich, was in den letzten Jahren aus dem überaus idealistischen Gedanken geworden ist, Information müsse frei und vielfältig sein. Information im Zeitalter der sozialen Netzwerke ist alles andere als das. Nicht nur, dass sie in vielen Fällen durch Algorithmen gefiltert wird.

Die Bequemlichkeit, sich nicht erst mühevoll durch Sender zu zappen, durch Zeitungen zu lesen und durch eine ganze Menge von Webseiten klicken zu müssen, ist teuer erkauft. Nämlich durch einen freiwilligen Verzicht. Auf Freiheit und auf die Möglichkeit, selber entscheiden zu können, was man wissen, lesen, sehen will.

Von Christian Jakubetz am 7. Februar 2017 um 4:57 Uhr

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