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Das größte Medienhaus der Welt

Das größte Medienunternehmen der Welt setzt zu einer neuen Strategie an – und will jetzt auch auf die Fernsehschirme. Wer das sein soll? Eines, das sich selbst in hoffnungsloser Untertreibung als „soziales Netzwerk“ bezeichnet…

Medienunternehmen Facebook
Schon jetzt drängeln sich Anbieter auf den Smartphone. Jetzt will auch Facebook mit einer Video-App dorthin.

Auf den ersten Blick sieht es nach Bagatelle aus: Facebook ändert mal wieder was an seinen Videodarstellungen. Das ist nichts wirklich Neues und passiert in jüngster Zeit andauernd. Interessanter ist, was das Unternehmen so ganz nebenher verkündet hat: nämlich, dass man künftig auch auf Fernsehern seinen Platz haben wolle. Natürlich nicht im Sinne eines linearen TV-Programms. Stattdessen in Form einer App bei den üblichen Verdächtigen wie Apple TV oder Amazon Fire.

Wer allerdings die Nutzungs- und Sehgewohnheiten gerade eines jüngeren Publikums kennt, der ahnt: Diese Ankündigung ist gar nicht mal so weit entfernt von der Idee eines eigenen Programms. Weil die App natürlich nicht einfach die Facebook-Webseite auf den TV-Screen spiegelt (das wäre ja auch eher langweilig), sondern zu einer Art Facebook-Videokanal wird. Damit geht Facebook in erster Linie YouTube an. Man weiß das ja schon länger: Neben der Weltherrschaft hätte Mark Zuckerberg wenigstens gerne noch die Marktführerschaft in Sachen Bewegtbild im Netz, wenn es denn wider Erwarten für die Weltherrschaft doch nicht reichen sollte.

Facebook will mit den Inhalten anderer zu einer Art Social-Media-Sender werden

Aber weil Mr. Zuckerberg ja schlau ist, weiß er auch – und würde das so nie sagen – dass das auch ein Frontalangriff auf TV-Anbieter ist. Paradoxerweise kann es also künftig passieren, dass ein TV-Sender, der gerade „Facebook Live“ nutzt, seinen Inhalt über einen Facebook-Kanal auf sein ureigenstes Terrain, nämlich den Fernseher streamt.

Fantasie? Keineswegs. Nahezu jeder Sender in den USA und auch viele in Europa haben beispielsweise die Inauguration von Donald Trump in den USA sowohl übertragen als auch via Facebook Live ins Netz gepackt. Gäbe es die neue TV-App von Facebook schon und ginge es nach Zuckerbergs Wünschen, dann hätten die Sender Facebook kostenlosen Content geliefert. Und nicht nur das: Weil man den Livestream oder andere Sachen ja schon bei Facebook TV schauen kann, ist jeder dieser Zuschauer auch ein verlorener Zuschauer für klassische Sender.

Nebenbei: Facebook ist kein Medienunternehmen, sagt Zuckerberg. Aber was dann ist ein Haus, dass potentiell mehr Liveübertragungen aus der ganzen Welt anbietet als jeder noch so große TV-Sender?

Nebenbei, Teil 2: Man sollte die Ambitionen von Zuckerberg nicht unterschätzen. Ob er nun wirklich irgendwann mal US-Präsident werden will, sei dahin gestellt. Dass er sein Imperium der als ein weltumspannendes und allumfassendes Unternehmen sieht, auf dem ungefähr alles stattfinden soll – for sure!

Nebenbei, Teil 3:  Nicht alles hat im vergangenen Jahr bei Facebook so geklappt, wie man es gerne gehabt hätte. Nein, nicht nur diese Sache mit den Fake News, über die gerade so viel debattiert wird. Sondern weitaus bedrohlicher: Die Nutzer haben nicht mehr ganz so viel Spaß am klassischen Kerngeschäft, dem Netzwerken. Bei allen relevanten Eckdaten geht die Kurve nach unten.

Jetzt sollen es die klassischen Medien mit ihren Inhalten richten. Und nicht nur mit ihren Inhalten, sondern auch in ihrer klassischen Umgebung auf ihren angestammten Endgeräten. Das kann, wir haben schließlich eine freie Marktwirtschaft, Facebook niemand verbieten.

Wohl aber kann man sich in einer stillen Minute mal darüber klar werden, dass es noch nie ein Medienunternehmen gegeben hat, in dem sich so viel Marktmacht versammelt. Ein „soziales“ Netzwerk? Lange her und längst vorbei.

 

Von Christian Jakubetz am 17. Februar 2017 um 10:33 Uhr

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