BR24_Display

Ein Loblied auf die Apps

War das mit den Apps alles nur ein Hype? Einer, weil man nicht früh genug erkannt hatte, dass man mit Browsern nahezu dasselbe machen kann wie mit Apps? Eine Zwischenlösung bis zum Übergang in das totaldigitale Browserzeitalter? Ja, sagt der Ex-Digital-Chef der „Neuen Zürcher Zeitung“. Wenn er sich da mal nicht derbe täuscht…

BR24_Display Apps
Apps oder nicht? Unsinnige Frage. Nehmen Sie das, was Ihnen am besten passt. (Foto: BR)

Nicht alles, was technisch geht, macht auch wirklich Spaß und das Leben irgendwie besser. Drei Erkenntnisse, wenn es um die Nutzung von digitalen Medien geht…

Jeder macht was er will – und das ist gut so

Erste Erkenntnis: Jeder macht was er will. Der größte Unfug ist zu glauben, dass irgendeine Nutzungsform eine andere per se ablösen wird. Es gibt ja sogar noch gedruckte Zeitungen, und hey: gedruckte Bücher auch noch. Obwohl aus Gründen der Logik und der Bequemlichkeit eine ganze Menge für E-Books sprechen würde. Oder für Musikstreams oder für Video on demand. Oder überhaupt für die sofortige Verschrottung aller analogen Medien. Macht aber keiner. Wenn jemand unbedingt Zeitung lesen, Platten hören und Fernsehen schauen will, wer wären wir, dass wir ihn daran hindern wollten?

Zweite Erkenntnis: Nicht alles, was man technologisch machen könnte, will man auch. Klar könnte man sich jetzt auch einen Webbrowser so konfigurieren, dass er alle Funktionen nahezu so ausübt wie beispielsweise die BR24-App. Geht, aber auf der anderen Seite: Ist es nicht schön, wenn man ein paar Einstellungen standarisiert und personalisiert hat? Klar kann ich bei meiner Airline auch per Browser einchecken und natürlich gehen meine Zugverbindungen auch über die Webseite der Bahn anstatt mit deren App. Ich komme trotzdem nicht auf den Gedanken, sie zu löschen. Meine App kennt mich, mag mich und wir brauchen uns gegenseitig…

Dritte Erkenntnis: Regelmäßig wird in diesem digitalen Leben irgendjemanden der endgültige Untergang prophezeit. Man unterschätzt dabei, dass die Schnelligkeit und die Radikalität des digitalen Wandels auch aufgeschlossene Menschen zumindest anstrengt. Und dass gelegentlich der gutgemeine Ansatz, das Leben zu vereinfachen, erst einmal dazu führt, dass es sehr viel komplizierter wird. Nicht umsonst freut sich gerade die halbe Welt wie Bolle, dass es demnächst ein Revival eines Nokia-Handys geben wird, das tatsächlich mit dem Begriff Handy noch gut umschrieben ist. Kein Smartphone, kein Internet, keine Messenger – einfach nur telefonieren.

Apps sind kein Schweizer Taschenmesser

Apps sind genau aus diesen Gründen keine Zwischenlösung, weil man gerade nichts Besseres zur Hand hat. Apps sind der Inbegriff dessen, wie man sich mit digitalen Tools das Leben eben doch einfacher machen kann. Der Browser ist das Schweizer Taschenmesser mit gefühlten Fantastilliarden Möglichkeiten. Die App ist das Messer, das man rausholt, wenn man ein Messer braucht und sonst nichts anderes.

Und solange das so ist, wird sich daran auch nicht viel ändern. BR24, die nächste – kommt ganz bestimmt.

Von Christian Jakubetz am 28. Februar 2017 um 12:19 Uhr

Kommentieren:

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft. Links sind nicht gestattet.
Mehr in den Kommentarrichtlinien.